Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Warum verlernen wir das Normalste?

2
Aug
22
Es.Kay

Hallo Freunde,

heute habe ich mich mal dabei ertappt wie ich den Busfahrer im Bus auf den Weg zur Arbeit beobachtet habe, der einen sehr niedergeschlagenen Eindruck gemacht hat. Die Menschen gehen einfach rein und raus und würdigen den Fahrer keines Blickes.

Das hat mich persönlich auch sehr traurig gemacht, denn es ist mir mal wieder sehr stark bewusst geworden:

  1. Der Busfahrer macht seine Arbeit, klar. Aber bedenkt man mal, wie anstrengend es auch als Busfahrer ist zu fahren? Da bist Du manchmal 10 oder mehr Stunden im Einsatz weil irgendwo ausgerückt werden muss auch noch. Du hast ne enorme Verantwortung für min. 50 Gäste im Fahrzeug, ständig sitzt Du im Zug mit warmer und kalter Luft beim Öffnen und Schließen der Tür. Aber kaum einer sagt zu diesem Busfahrer einfach mal “Guten Tag”. Da darf man sich auch nicht beschweren, wenn man einen grimmigen Busfahrer vor sich sitzen hat.  Da kann man doch wenigstens grüßen, denk ich mir.
  2. Es kommt kaum mehr Danke, Bitte, Entschuldigung, Anrede mit “Sie”, leider vor allem bei der Jugend, ich sag mal bis 23 Jahren, kommt das nur noch äußerst selten vor, zumindest in einer Großstadt wie München. Und wieder: Wir sehen zu viel als selbstverständlich.

Aber wieso ist das so, was hat unsere Gesellschaft derart verändert, dass solche normalen Wörter manchmal gar nicht mehr raus kommen aus unseren Mündern? Einiges könnte man wohl auf die Sozialen Netzwerke schieben, immerhin schauen sich manche Leute bei Dates, Meetings etc. schon gar nicht mehr an, sondern tippen viel mehr ins Handy oder den Computer. Aber alles auf diese Netzwerke darf man auch nicht schieben. Manchmal ist es auch einfach die fehlende Konsequenz bei der Erziehung. Bei uns wurde noch auf die Finger gehauen, wenn man einfach was genommen hat ohne zu bitten und / oder zu danken und ich bin noch nicht mal 30. Aber ich sag auch: geschadet hat es mir nicht. Heute ist es gleich so: ein sehr leichter Klatsch auf die Finger = schlagen (auch wenn das Kind nicht Autsch sagt und nicht weint……) Aber gut….

Ist die Gesellschaft zu soft geworden?

Klar, Kinder schlagen braucht und sollte man auch nicht tun, um Gottes Willen, wer Schläge egal an wem ausübt sollte bestraft werden. Aber disziplinierter kann man den Kindern das trotzdem lehren oder? Wenn ich meine Cousine beobachtete, auch schon früher, und ihren Sohn (heute 12): Der hat nur den Zeigefinger gehoben, ein kurzes Quengeln von sich gegeben und dann kam meine Cousine sofort herbeigeeilt und hat ihm auf deutsch gesagt “alles in den A**** geschoben”. Das hat dazu geführt, dass der Junge manchmal seine Aggressionen bekommt, seine Mama oft seine “Bedienung” ist (“Mama ich hab Durst, bring mir eine Apfelschorle”) und er richtig übel beleidigt ist wenn er mal das Wort “nein” hört. Und genau so sind viele Eltern geworden. Ich stelle mir das wahrscheinlich als Nichtmama sehr einfach vor. Aber es heißt auch: Außenstehende können viele Situationen besser beurteilen als man selbst. Und so lernen die Kinder schon dass viele Sachen einfach selbstverständlich sind.

Zur Betrachtung seines eigenen Selbstverständlichkeits-Betrachten sollte man sich mal häufiger zwingen.

Eine Bedienung im Lokal, ein Sitzplatz im Bus, einen Arbeitsplatz, eine (hoffentlich) stabile Gesundheit, vielleicht eine Partnerschaft, ein Dach über den Kopf, ein Friseur, ein Arzt, ein Koch im Restaurant, der Lieferservice wenn wir schon beim Essen sind, das Essen als solches, unsere Kleidung, unser Schmuck, ein Hörgeräteakustiker, das Krankenhauspersonal, die Soldaten, Polizisten, Feuerwehrler, ein CI-Techniker, eine Mama, ein Papa, allgemein die Familie, manche Chancen die man erhält, Hilfe, die man bekommt…

Man könnte die Liste noch um so viele Punkte ergänzen. Aber das wichtigste: DAS LEBEN.

Und man sollte vor allem das Leben nicht als selbstverständlich betrachten. Und auch nichts im Leben was passiert, was man bekommt usw.

Liebe Grüße

Euer Münchner Taubsi

Back to hell

0
Aug
19
Es.Kay

Mein Gott, jetzt habe ich es endlich hierher geschafft.

Der Wahnsinn was auf einmal für ein Stress hereinbricht, nur weil man mal fast 5 Wochen @ Bad Nauheim zur CI- Reha war anstatt in München.
Und ständig wird man gefragt wie es denn gewesen ist und ob ich jetzt besser höre. Ich weiß nicht wie viele ich da schon vor mir stehen hatte. “Nein, ich höre nicht besser, aber ich verstehe mehr.” kommt von mir mittlerweile als Standartsatz. Und dann schauen die Leute immer so, als ob ich gerade chinesisch mit Ihnen gesprochen habe. Das viele immer noch denken Hören = Verstehen….*kopfschüttel* Da erlebt man doch die ein oder anderen lustigen Situationen. “Was wie jetzt? Also doch besser hören?”

Wobei eins war gerade gar nicht lustig. Ich habe aufgrund Reha und sonstigen Krankheitsgeschichten noch immer 28 Tage Urlaub in diesem Jahr, da will ich sie dann möglichst gut noch dieses Jahr unterbringen, und dann lässt man mich nicht. Da geht ein Geburtstag von meinem Lieblingsonkel drauf (ist ja nur sein 80.) weil bei uns in der Arbeit an wichtigen Stellen (wie es der Abteilungsleiter ausdrückt) keiner da ist. Und ich darf dazu auch noch die Abteilungen Gebäude, Fuhrpark und Poststelle sowie meine “normalen” Aufgaben wie Zuarbeit Fuhrpark und Gebäude und Ausbildungsdatenbank machen.

Nicht das ihr mich falsch versteht, ich gehe prinzipiell gerne in die Arbeit, vor allem nachdem ich mal mehr Aufgabengebiete bekommen hatte, aber nicht, wenn ich alleine für 5 Gebiete zuständig bin, dementsprechend noch telefonieren, mailen und Besprechungen führen muss. Ich komm mir irgendwann dann immer vor wie – 10 Sekunden bis zum Start …

Aber so ist es halt nun mal.

Versprochen meine nächsten Artikel werden unterhaltsamer und interessanter, aber das musste mal aus dem Kopf raus. *Bitte um Entschuldigung*

Liebe Grüße
Euer Münchner Taubsi