Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Wenn nicht jetzt, wann dann?

2
Nov
28
pialeven

Stelle Dir einmal vor, Du hast in Deinem Keller eine alte Truhe stehen, die Du vor langer Zeit geerbt hast. Jeden Tag gehst Du an dieser geheimnisvollen Truhe vorbei, ohne Dir die Mühe zu machen, hineinzuschauen. Und dann, im hohen Alter, stellst Du plötzlich fest, dass darin wertvolle Goldmünzen liegen. Sicherlich wärest Du traurig, dass Du diese kostbare Truhe nicht schon längst geöffnet hast.

Meine erste CI-Operation

Im Sommer dieses Jahres ist meine Entscheidung gefallen, dass ich mir CIs implantieren lassen werde. Von da an wollte ich auch keine Zeit mehr verlieren und habe diesen Entschluss schnell umgesetzt. Denn wenn nicht jetzt, wann dann??? Meine erste CI-Operation am linken Ohr war vor knapp drei Wochen. Die OP an sich hätte nicht besser verlaufen können. Alles ist so wie es sein soll. Das ist natürlich eine beruhigende Nachricht nach all den Ängsten, die ich vor der OP hatte. Es war meine erste Operation überhaupt und natürlich hatte ich Angst davor. “Hoffentlich geht alles gut! Und hoffentlich vertrage ich die Narkose! Und hoffentlich geht es mir danach nicht allzu schlecht…!” Dies ist nur ein kleiner Bruchteil meiner Ängste und Gedanken, die in meinem Kopf herumschwirrten. Am frühen Morgen wurde ich dann endlich dazu aufgefordert, mich für die OP fertig zu machen. Ich lag vorbereitet in meinem Bett und wartete darauf, abgeholt zu werden…da überkam mich eine Welle voller Emotionen! Tränen flossen mir die Wangen herunter und ich war einerseits erleichtert, dass es jetzt endlich soweit ist und andererseits natürlich total ängstlich. Ich dachte an das Hören, welches ich seit meinem 2. Lebensjahr kenne…Das wird in wenigen Stunden verändert und nie wieder so sein, wie ich es kenne. Ich stehe kurz vor dem nächsten Schritt in eine andere Welt des Hörens.

Im OP-Saal warteten schon mein Chefarzt und seine Assistenten und versicherten mir, dass alles gut gehen wird. Ich atmete mehrmals tief ein und war einfach froh dass ich bald einschlief und diesen Schritt tatsächlich gegangen bin. Später wachte ich auf und mein erster Gedanke war: “Es ist geschafft! Ich habe es getan!”. Ich hatte keine Schmerzen (was unter Schmerzmittel auch kein Wunder ist) und mir ging es auch gar nicht so schlecht. Ich schlief nochmal zwei Stunden ehe ich wirklich ansprechbar war. Kaum war ich richtig wach, kam auch schon einer nach dem anderen in mein Zimmer. Unter anderem auch der Chefarzt, der mir die frohe und beruhigende Nachricht überbrachte, dass alles wie im Lehrbuch verlaufen sei.

Als ich anfing, mich wieder zu bewegen, litt ich unter starkem Schwindel. Im Krankenhaus fand ich ihn gar nicht sooo unerträglich. Ich bewegte mich natürlich auch nicht viel und ich wurde von den Stationsschwestern wirklich liebevoll versorgt. Erst, als ich entlassen wurde und nach Hause gehen durfte, quälte mich dieser Schwindel. Fünf Tage lang war es wirklich fies und ich verzweifelte und dachte schon, dass dieses Karussell niemals anhält. Aber dann ging es bergauf und ich erholte mich sehr schnell davon.

Lieber war ich komplett Taub!

Rückblickend muss ich zugeben, dass ich das Ganze ziemlich unterschätzt habe! Ich habe geglaubt, dass ich diesen Eingriff leicht wegstecke. Aber der Schwindel und dieses einseitige Hören warfen mich doch erst einmal aus der Bahn. Es ist natürlich von Mensch zu Mensch anders…der eine steckt es vielleicht leichter weg als ein anderer. Aber ich kam die ersten zwei Wochen überhaupt nicht damit klar, dass ich vorübergehend erst einmal nur von einer Seite beschallt werde. Irgendwie hatte ich keine richtige Orientierung mehr und gegen den Schwindel war es erst recht keine Hilfe. Lieber habe ich mein rechtes Hörgerät erst gar nicht angezogen und war komplett taub. Inzwischen ist aber der Schwindel weg und ich komme auch langsam mit dem einseitigen Hören zurecht. Trotzdem kann ich die Erstanpassung kaum erwarten! Nicht nur, weil ich dann endlich wieder auf beiden Ohren etwas hören kann, sondern auch, weil ich unfassbar neugierig und gespannt darauf bin.

Es wäre gelogen, wenn ich sage, dass ich gar keine hohen Erwartungen habe.

Mir wurde schon mehrfach gesagt, dass ich mir von der Erstanpassung nicht zu viel versprechen sollte. Natürlich muss ich mich darauf gefasst machen, dass der erste Eindruck vielleicht ernüchternd ist. Aber ich freue mich einfach darauf und möchte endlich wissen, was das für ein Hören ist mit dem CI. Ich kenne inzwischen sooo viele Leute, die so glücklich mit dem CI sind und die diesen Schritt nicht bereut haben. Dann kann es ja gar nicht zu schlimm sein…und vielleicht gewöhne ich mich ja auch schnell daran und profitiere schon sehr bald davon. Ich bin gespannt darauf, was für Geräusche ich wahrnehmen werde, die ich bisher einfach noch nicht wahrnehmen konnte…und wie alles klingen wird! Aber so groß meine Neugierde auch ist – es schwingt auch Angst mit. Was ist, wenn das alles so schrecklich klingt? Oder wenn ich mich mit diesem Hören gar nicht anfreunden kann? Oder wenn ich schnell überfordert bin mit all diesen fremden Geräuschen? Aber ich glaube, dass diese Sorgen jeder gehabt hat. Und mit viel Ehrgeiz und Geduld wird man es mit Sicherheit schaffen, damit in Einklang zu kommen.

Meine Erstanpassung ist schon bald und dann werden sich all meine Fragen von selbst beantworten. Bis dahin muss ich mich noch gedulden und mit nur einem ansatzweise funktionierendem Ohr zurecht kommen. 🙂 Aber ich freue mich darauf, Euch bald an meiner nächsten neuen Erfahrung teilhaben zu lassen! 🙂

 

Ändere die Situation oder Deine Einstellung

2
Nov
6
pialeven

All unser Handeln ist die Fortsetzung unserer Vergangenheit. Da wir nur aus dem gespeicherten Wissen heraus handeln können, sollten wir ab und an unsere Programmierung überprüfen, ob sich da nicht zu viele hinderliche Programme und falsche Verhaltensweisen eingeprägt, eingeschlichen haben, die ein Vorankommen unmöglich machen.

Ich brauche kein CI!

Immer wenn das Thema CI zur Sprache kam, habe ich sofort die Schotten dicht gemacht. „Ich brauche kein CI – mit meinen Hörgeräten komme ich super zu recht.“ Das war der Satz, den ich immer wieder sagte. Meine Schwerhörigkeit habe ich bisher immer sehr gut versteckt und Hörgeräte sind unauffälliger als ein CI. Ich wollte mich einfach nicht mit diesem Thema auseinandersetzen.

Von klein auf trage ich meine Hörgeräte und lebe damit ein normales Leben in der hörenden Welt. Doch vor noch nicht all zu langer Zeit stand ich völlig neben der Spur… Ich litt unter Panikattacken und fing an die Außenwelt zu meiden. Ich zog mich in meine Komfortzone zurück und kämpfte gegen die Angst. In dieser Zeit setzte ich mich mit mir auseinander, ich führte Gespräche und wollte einfach aus diesem Teufelskreis heraus. Ich hatte meine Grenzen weit überschritten! Aber seitdem öffnete ich mich mehr und mehr und war auch endlich bereit dazu, mich mit meiner Schwerhörigkeit auseinander zu setzen und somit auch mit dem Thema CI.

Entscheidungsseminar in Bad Nauheim

Im Juni wurde in der Median-Klinik Bad Nauheim ein Seminar zur Entscheidungsfindung: “Cochlea-Implantat: ja oder nein?” angeboten. Ein ganzes Wochenende lang beschäftigte ich mich nur mit diesem Thema und lernte alles rund um das CI. Wie funktioniert ein CI? Wie wird es implantiert? Welche Technik steckt dahinter? Welche Hersteller gibt es? Und und und…
Zusätzlich wurden Einzelgespräche geführt und Untersuchungen gemacht, ob man überhaupt ein Kandidat für das CI ist.
Im Laufe dieses Seminares wurde mir erst einmal bewusst, wie viel mir wirklich entgeht. Ich wusste ja schon vorher, dass ich hochgradig schwerhörig bin – aber dass mit meinem Hörgerät SO wenig bei mir ankommt war mir nie richtig klar. Ich bin Meister im Lippenlesen und Kombinieren, wie die meisten anderen Hörgeschädigten auch. Diese Erkenntnis kostete mich ein paar Tränen und ich musste zugeben, dass ich mir selber etwas vorgemacht habe. Ich erkannte auch, dass ich ständig unter enormen Druck stehe, um alles zu verstehen. Ich merkte das vorher auch schon, aber ich gönnte mir nie eine Pause. Eigentlich bin ich mit dem Gedanken nach Bad Nauheim gefahren – „Mich einfach mal zu informieren schadet nicht“. Aber dass ich so schnell mit einer anderen Einstellung zum CI wieder nach Hause fahre, habe ich nicht erwartet. Ich betrachtete meine Schwerhörigkeit und das CI mit ganz neuen Blickwinkeln. Ich bin gar nicht mehr so abgeneigt von einem CI.

Die Lebensqualität ist das DAS was zählt!

Seit diesem Seminar pflegte ich intensiv den Kontakt zu Gleichgesinnten und nahm an Selbsthilfe-Gruppen teil und lernte somit immer mehr neue Leute kennen. Ich entwickelte immer mehr Vertrauen zum CI und merkte einfach, wie glücklich sie alle sind! Ich muss zugeben, dass ich in gewisser Maßen sehr eitel bin. Ich dachte immer… “Dieses CI am Kopf sieht doch sehr befremdlich aus.“ Aber wenn man das ganze einmal anders hinterfragt – macht es Dich attraktiver, wenn Du jemanden so unglaublich konzentriert anstarrst??? Oder jeden Abend völlig erschöpft und viel zu früh ins Bett fällst??? – NEIN – Ich glaube, mit einem CI steigert sich die Lebensqualität und man ist viel entspannter und fühlt sich wieder mitten drin. Und DAS ist für mich viel wichtiger!

Die Zeitspanne von Juni bis heute war für mich eine sehr intensive Zeit und es ist noch lange nicht zu Ende… Ich lernte so viel Neues dazu und fange an, zu meiner Schwerhörigkeit zu stehen und die Hilfe anzunehmen, die mir geboten wird. Anfang dieses Jahres hätte ich nicht im Geringsten geglaubt, dass ich noch dieses Jahr ein CI bekommen werde. Aber doch – in wenigen Tagen steht meine erste CI-Operation an und ich bin stolz darauf, diesen Schritt zu gehen!

Ich bin auf diese Veränderung gespannt und werde sicherlich davon erzählen. 🙂

„Machst Du hier heute Party?!“

3
Nov
1
heike

Wenn ich nicht gerade an etwas sehr kompliziertem arbeite, höre ich gelegentlich im Büro nebenher Musik auf dem Handy – über Induktionsschleife. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass das außer mir dann keiner mitbekommt. 😉

Eines Tages hörte ich wieder Musik und auf einmal stand ein Kollege in der Tür und fragte grinsend: „Machst Du hier heute Party?!“. Ich fragte erschrocken: „Wie, hörst Du etwa die Musik?“ und er entgegnete mit Seitenblick auf den Flur und die anderen Büros: „Nicht nur ich…“.

Ich hatte den Klinkenstecker nicht richtig eingesteckt und laute Metal-Riffs schallten aus meinem Büro über den ganzen Flügel! Uuuuups! Und ich hatte mich noch gewundert, wieso der Klang der Musik an diesem Tag irgendwie anders war als sonst… 🙂