Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Wie hörst du eigentlich?

1
Feb
28
fehrhoert

In meinem Leben wurde ich schon mit vielen Fragen konfrontiert. Wenige davon konnte ich bisher zufriedenstellend beantworten. Viele Fragen haben sich so wie ich im Laufe der Zeit verändert, einige sind dennoch gleich geblieben. Nachfolgende Fragestellung scheint aber irgendwie zeitlos zu sein. Wahrscheinlich hat sie jeder hörgeschädigte Mensch in seinem Leben schon mal gehört. Obwohl so einfach und so schlicht, ist die Beantwortung umso schwieriger:

„Wie hörst du eigentlich?“

Immer wenn ich diese Frage höre, wird mir bewusst wie paradox die Welt eigentlich ist. Wenn man einen Guthörenden dieselbe Frage stellen würde, käme als Antwort: „Ja normal halt!“. Richtig – und warum sollte es mir als hörgeschädigten Menschen anders ergehen? Warum wird mir die Frage gestellt? Warum fragen Hörende sich nicht gegenseitig aus, wie sie eigentlich hören? Nur weil ich schlechter höre, heißt das doch nicht, dass ich anders höre? Oder doch?

Wenn jemand von Geburt an Hörsystem- oder CI-Träger ist, dann ist der akustische Input ein anderer, aber für den Betroffenen genau so „normal“ wie der Höreindruck eines guthörenden Menschen. Doch wie kann das sein? Das Gehör ist ja beschädigt – ein „normales Hören“ ist ja laut Audiogramm nicht möglich.

Es ist ganz einfach: Unser Gehirn entscheidet, „wie wir was hören“ und manchmal sogar ob wir überhaupt was hören. Die Ohrmuschel, der Gehörgang, das Trommelfell, die Gehörknöchelchen, die Cochlea-Schnecke, der Hörnerv und die Verbindungen ins Hirnzentrum sind „nur“ Signalboten. Sie überbringen Reize, welche das Gehirn verarbeiten muss. Und jedes Hirn arbeitet bekanntlich anders und doch irgendwie gleich. Das macht die Fragestellung so kompliziert, denn das Hören ist eine komplexe Angelegenheit. Jedes Ohr ist marginal anders trainiert bzw. abgerichtet von seinem Gehirn und von den Hörvorlieben des Menschen. Obwohl die Audiometrie-Ergebnisse von zwei Personen identisch sein können, heißt das noch lange nicht, dass die beiden auch gleich hören und Akustik gleich wahrnehmen.

Was ist also nun entscheidend für den Höreindruck?

Natürlich wär ein unbeschädigter Signaleingang richtig und wichtig. Doch wenn dieser kaum oder nicht vorhanden ist, dann macht das Gehirn einfach das Beste aus dem zur Verfügung stehenden Material. Es vergleicht dann mit den vorhandenen Hörerinnerungen und –Erfahrungen und holt sich gleichzeitig weiter Informationen von anderen Sinnesorganen (zb.: Augen, Lippenlesen!). Erst wenn dieser rasend schnelle Vorgang abgeschlossen ist, hören wir, was wir hören. Unser Höreindruck ist also das Ergebnis aus dem akustischen Eingang, der Information anderer Sinnesorgane und der Hörerinnerung, dessen Parameter unser Hirn in Lichtgeschwindigkeit kombiniert. Bei manchen Menschen (Normalhörenden) gibt es eben mehr von dem akustischen Signal, was weniger „Kombinationsarbeit“ für das Hirn bedeutet. Umgekehrt ist es bei schwerhörigen Menschen. Der akustische Eingang ist kaum oder gar nicht vorhanden, deswegen muss sich das Hirn vermehrt auf andere Sinnesorgane verlassen und sich aus seinem Erfahrungsarchiv bedienen – dies bedeutet natürlich auch wesentlich mehr ermüdende Denkarbeit für das Gehirn.

Spannend wird es, wenn Menschen, welche von Geburt an gehörlos sind, implantiert werden. Diese können ja über keine Hörerinnerungen und dergleichen verfügen. Wie hört so jemand? Die Antwort ist einfach: So „normal“ wie du und ich aber doch anders. Guthörenden stehen 20.000 feine Härchen zur Verfügung, welche die Cochlea stimulieren. CI-Träger haben für die gleiche „Arbeit“ nur etwa zwei Dutzend Elektroden, die dieselbe Aufgabe erfüllen sollen – es ist technisch unmöglich, diesen massiven Signalinputverlust zu kompensieren. Doch diese Menschen bauen sich einfach ein anderes Hörgedächtnis auf. Andere Hörerinnerungen und –Erfahrungen, wie wir uns es wohl sehr schwer vorstellen können. Deren Hirn lernt mit der Einschränkung umzugehen – doch für den von Geburt an Betroffenen selbst bedeutet dies kaum eine Einschränkungen, weil er nichts anderes kennt. Entscheidend ist hier der Implantationszeitpunkt, je früher desto besser. Langzeitbeobachtungen vieler Frühimplantierter zeigen oft erstaunlich gute Hör- und Sprachergebnisse: Erst neulich durfte ich bei meinem Rehabilitationsaufenthalt in Bad Nauheim (Bericht folgt in Kürze auf #fehrhoert) eine junge Frau aus Hannover kennenlernen welche mit knapp 4 Jahren implantiert wurde und heute mit 22 das schönste Hochdeutsch spricht, welches ich je gehört habe. Diese Frau ist bei weitem kein Einzelfall und die Technik hat sich mittlerweile sehr gut weiterentwickelt.

Unser Hirn ist also sehr flexibel was das Verarbeiten von Eingangssignalen anbelangt und das durfte ich schon mehrmals an mir selbst erfahren:

Als ich vor 18 Jahren mein erstes, analoges im Ohr Hörgerät bekam, hat alles verzerrt und unangenehm geklungen. Der Sound war mechanisch und sogar minimal zeitverzögert und ich wollte nichts damit zu tun haben. Außerdem wollte ich als 11-Jähriger nicht anders sein als meine Mitschüler wegen Mobbing und so. Deswegen trug ich mein Hörsystem in allen möglichen Taschen umher – egal ob Schul-, Hosen-, oder Sporttasche. Bloß in meinem Ohr war es selten zu finden. Erst als ich mit 13, 14 bemerkte, dass ich in der Schule besser mitkam und meine Noten sich etwas besserten, blieb meine Hörhilfe regelmäßiger und länger im Ohr. Mit der Zeit gewöhnte ich mich ans Hörgerät und mein Gehirn sich an den neuen Input. Und siehe da, mit 15 hatte sich mein Kopf schon so an die neue Klangwelt gewohnt, dass sich für mich alles wie früher anhörte. Ich konnte wirklich keinen Unterschied mehr feststellen.

Denselben Effekt bemerkte ich, als ich mit etwa 17 Jahren vom analogen Hörgerät auf das erste digitale hinter dem Ohr Gerät umstellte. Auch da dauerte der Gewöhnungseffekt etwa 1-2 Jahren, doch dann war die neue Begebenheit für mich zur Normalität geworden.

Deswegen Frage ich euch und auch mich: Warum soll das bei einem CI nun für mich nun anders laufen? Meine Hörerinnerungen sind ja immer noch die gleichen – warum sollte ich plötzlich anders hören?

Die Antwort: Ich trage mein CI jetzt seit etwa 4 Monaten, das heißt ich bin noch mitten in der ersten Gewöhnungsphase. Viele Geräusche sind für michjedoch heute schon “genau so wie früher”. Einige Dinge klingen noch anders, wie zB Musik. Ich erfreue mich allerdings definitiv einem besseren Sprachverständnis im Beruf und Alltag, was mein Leben sehr erleichtert hat. Das CI hat mir enorme Lebensqualität zurückgegeben, die ich nicht mehr missen möchte. Ich bin selbstbewusster geworden, traue mich wieder unter Leute. Und das wichtigste ist: Ich sehe wieder eine Zukunft für mich. Eine positive Zukunft, welche ich vor 8 Monaten nicht für möglich gehalten hätte.

Abschließend: Das Hören ist eine komplexe und vor allem subjektive Sache. Es gibt kein “objektives Gehör” auf diesem Erdball, denn für jeden Menschen hören sich akustische Signale unterschiedlich an. Unser Hirn ist sehr flexibel und anpassungsfähig und arbeitet mit allerlei Tricks, um etwaige Hörschwächen zu kompensieren. Was bedeutet das nun für mich: Werde ich je wieder so hören wie früher? Nein, bestimmt nie mehr. Aber mein Hirn wird sicher einen Weg finden, mir abermals vorzugaukeln, dass alles so wie früher ist – wie damals, als ich ein 7 Jähriger Junge war und noch keine Ahnung von Hörsystemen, Cochlea Implantaten und all den anderen Dingen hatte.

Aufbruch in das Abenteuer CI – der große Tag ist da

0
Feb
27
ursulasoyez
Plakat in München-Solln (29.9.2016)

Dieser Beitrag entstand gestern, da konnte ich ihn aber noch nicht hochladen. Heute kommt ein “Vorspann” hinzu: Seit gut acht Stunden habe ich nun meinen “Knopf am Kopf” und juhu, von links kommt wieder etwas in meinem Hörzentrum an! Töne wie aus einer anderen Welt. Das Verstehen wird kommen, da bin ich sicher. Bis dahin höre ich mich ein auf dem Planeten der hochfrequentischen Roboter-Micky-Mäuse. Und genieße, dass ich erstmals seit fast zehn Jahren ein Gefühl von “Raumklang” habe. Schön, dass ich hier dabei sein darf!  Viele Grüße, Ursula

26. Februar 2017- Morgen ist der große Tag

Ich bin weit gekommen im letzten halben Jahr. Mitte Juli 2016 fuhr ich nach Bad Nauheim zur Reha in der Median Kaiserberg-Klinik, ein Cochlea Implantat konnte ich mir zu dem Zeitpunkt gar nicht vorstellen, Gedanken daran schob ich immer weit von mir. Nach fünf Wochen dort sagte ich im Abschlussgespräch mit der Ärztin erstmals laut den Satz „Ich will ein CI“. Nur um sofort danach in Tränen auszubrechen. Vor Erleichterung – und weil es ein Versprechen an mich selbst war. Es war ein Riesenschritt. Und fühlte sich bald an wie eine Befreiung. Endlich eine neue Perspektive. Im Sommer 2007 war mein Gehör links abgestürzt. Das war zunächst ein Schock und bald einfach die neue, etwas anstrengendere Normalität. Aber als sich dann im Herbst 2013 eine Erkältung auf das rechte Ohr setzte und dieses nach Monaten des Auf und Ab im Frühjahr 2014 komplett abstürzte, stürzte für mich damit auch eine Welt ein. Mit einem Hörgerät im rechten Ohr und – wie ich mittlerweile weiß –  purer Willenskraft bewältigte ich den Alltag wieder, aber die Erschöpfung wuchs und wuchs. Die Reha in Bad Nauheim war meine Reißleine. Zum Glück.

Morgen nun ist der große Tag. Mein Cochlea Implantat wird eingeschaltet. Interessanterweise bin ich bislang nicht wirklich aufgeregt, einfach nur gespannt und neugierig. Mittlerweile sind mehr als fünf Wochen seit der OP am 19. Januar vergangen, und auch die Nachwehen verblassen zum Glück so langsam. Die OP selbst habe ich ja gut überstanden, kein Schwindel, keine Übelkeit, Schmerzmittel nur die ersten beiden Tage, die Wunde ist gut geheilt. Die Nachwehen holten mich erst zuhause ein. Gut eine Woche nach der OP wurde ich seekrank – ganz ohne Schiff. So elend war mit noch nie in meinem Leben zumute, ich war sogar nochmal drei Tage stationär in der Klinik. Das linke Gleichgewichtsorgan hatte anscheinend gemerkt, dass es doch beleidigt war… Dank Gleichgewichtstraining ist der Schwindel mittlerweile viel besser, sogar Fahrradfahren geht wieder. Spülmaschine ausräumen dagegen nicht, das muss mein Mann machen (alles hat seine Vorteile).

Das Hören selbst war in den letzten fünf Wochen nur geringfügig anders als vor der OP. Ich gehe ja schon lange einohrig durch’s Leben. Allerdings habe ich festgestellt, dass vom linken Ohr in meinem Hörzentrum bis zur OP wohl doch noch etwas „angekommen“ ist. Tiefe Frequenzen. Denn das Motorengeräusch im Auto klingt jetzt anderes. Der Straßenlärm auch etwas. Das kuschlige Rascheln der Daunendecke abends, wenn das Hörgerät schon in seiner Trockenbox steckt, ist noch leiser geworden und darüber bin ich etwas traurig. Wieder ein Loslassen.

Dafür kommen ab morgen wieder andere, neue Geräusche in mein Leben. Ich bin gespannt auf diese Hörreise. Ich bin dankbar für meine Mitreisenden. Als ich im September zum Informationsgespräch in das Martha-Maria-Krankenhaus nach München gefahren bin, musste ich laut auflachen, als ich auf einer Wiese gegenüber des Klinikgeländes folgendes Plakat sah (bis heute habe ich keine Ahnung, wofür es warb): “Dive into an experience reserved for the chosen few.” Ich nahm es als Wink mit dem Zaunpfahl und ein gutes Omen. Jetzt freue ich mich auf das Eintauchen in das neue Abenteuer Hören mit CI!

Silvester und Sägespäne

0
Feb
25
Katja
Klare Sicht

Mit Freunden sind wir in der Küche am Vorbereiten fürs Raclette. Ich hatte zuvor noch geschlafen und war ein wenig müde, als ich zur Runde in der Küche dazu stieß. So schnappte ich mir auch ein Brett und fang mit an zu schnippeln. Ab und an muss ich in dem Gewusel mal nachfragen und hatte was nicht verstanden. Dachte mir nichts dabei. Ein wenig später fragte mein Freund mich, ob ich meine Einstellung am CI verändert hätte. Ich wäre so still und frag auffällig viel nach. Nö.

Einstellungen überprüft. Sah alles gut aus. Nachgedacht, was den Tag über war. Wir hatten das Arbeitszimmer umgeräumt, eine Tischplatte per Kreissäge halbiert. Da, das war es… Vielleicht doch mal den Mikrofonschutz wechseln, schließlich stand ich mit einem Staubsauger in Schwall der Sägespäne und hatte meine Haare zum Zopf. Also Mikrofonschutz gewechselt. Und es war als hätte ich meine Brille nach einem Spaziergang auf einer staubigen Straße endlich mal ordentlich geputzt 🙂

“Ein Stinktier im Warteraum”

0
Feb
16
fehrhoert

Der Blog #fehrhoert soll auch unterhalten. Deswegen möchte ich heute eine Leseprobe aus meinem Buch veröffentlichen, an welchem ich momentan in meiner Freizeit schreibe. Das Buch handelt von Ereignissen aus meinem Leben – natürlich spielen daher die Themen Hörschädigung, Hörgeräte, CI-Implantate eine große Rolle. Ich habe viele traurige, lustige aber auch peinliche Momente erlebt und auch aufgeschrieben und heute möcht ich einfach ein Kapitel daraus mit euch teilen.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und ich freue mich wie immer auf Rückmeldung:

Ein Stinktier im Warteraum

Wieder einmal hatte ich einen Termin in der HNO Ambulanz der Universitätsklinik. Es war eine Hörprüfung fällig. Ziemlich verschwitzt und fertig vom Sportunterricht erreichte ich überpünktlich kurz vor 14:00 Uhr den Warteraum der Ambulanz. Eigentlich hätte ich gerne die Doppelstunde Sport auf Grund der Untersuchung sausen lassen. Doch mein Lehrer wollte mir keine 2 Freistunden gönnen und so musste ich nach dem Basketballspielen im Turnsaal rasch zum Bus hetzen, um termingerecht im Krankenhaus zu erscheinen. Es war nicht mal mehr Zeit zum Duschen und deshalb fühlte ich mich sehr ungepflegt.

Zum Glück hatte ich freie Platzwahl, denn das Wartezimmer war leer. Trotz Überpünktlichkeit machte ich es mir auf einem Stuhl so bequem wie möglich und kramte den aktuellen Harry Potter Band aus meinem Schulranzen hervor. Denn erfahrungsgemäß wusste ich, dass „unaufschiebbare Notfälle“ in der Ambulanz der Regelfall und nicht die Ausnahme sind. Deswegen kann der Aufenthalt im Warteraum – den ich mit seinem Aquarium und dem Zeitungsständer mit Illustrierten, welche mindestens 2 Monate alt waren, mittlerweile so gut wie meine Westentasche kannte – trotz Termin manchmal 1-2 Stunden dauern. Das spärlich eingerichtete, kleine, aber dank der großen Fenster gut durchleuchtete Zimmer bot Platz für etwa 10 Patienten und konnte neben dem erwähnten Aquarium, in welchem verschiedene Clownfische und Korallen zu sehen waren, auch mit einer Sitz- und Spielecke für Kinder aufwarten.

Als ich gerade damit beschäftigt war, herauszufinden, wie Harry Potter mit seinen Freunden die Quidditch-Weltmeisterschaft erlebte, gesellte sich eine junge Frau mit ihrer kleinen Tochter zu mir in den Warteraum:
„Mama, da!“
rief das etwa 6-jährige Kind glücklich und zog ihre Mutter im Schlepptau schnurstracks auf die Spielecke zu, genau gegenüber von mir. Das Signal war deutlich: Das kleine Mädchen wollte spielen und Mama sollte mitmachen. Geklapper und Gelächter waren die Folge, was mich weiter nicht störte. Die Frau blickte mich immer wieder entschuldigend an, doch ich lächelte nur zurück und gab ihr so zu verstehen, dass mir die Geräuschkulisse nichts ausmachte. Nach einiger Zeit konnte sich die junge Mutter von der Spielecke loseisen und schnappte sich eine der monatealten Zeitschriften und begann ebenfalls zu lesen. Ich war bereits wieder in der Welt von J.K. Rowling vertieft, als ich plötzlich bemerkte, wie ruhig es im Raum nun war. Ich hörte zwar gedämpft die Geräusche, welche das Kind beim imaginären Teekochen mit ihrem „Schnappi“ Stoffkrokodil fabrizierte. Doch ich hörte nicht mehr, wie ich das Buch zuklappte. Das konnte nur eines bedeuten: Die Batterie meines Hörgerätes war offensichtlich leer.

Deswegen zog ich die Schultasche zu mir und kramte nach meinen Ersatzhörgerätebatterien. Da ich kein Fan von sortierten Ablagesystemen bin – ganz im Gegensatz zu meiner Mutter – dauerte es eine Weile, bis ich die Energiequellen für meine Hörhilfe fand. Meine Suchaktion blieb aber nicht geheim, denn auch die Aufmerksamkeit des Kindes wurde nun zum ersten Mal seit der Ankunft auf mich gelenkt. Das Mädchen starrte mich an und ich erkannte, dass sie ihrer Mutter mit ihren strahlend grünen Augen und den dunkelblonden Haaren wie aus dem Gesicht geschnitten war. Ich versuchte freundlich zurück zu lächeln, doch ich musste wohl etwas zombieartiges an mir haben: Denn das Kind war nun etwas verschreckt und stürzte zu ihrer Mutter auf den Schoß, ohne mich aber aus den Augen zu lassen.

Ich wandte mich wieder meinen kleinen Zink-Kohle-Batterien zu und holte nun mein Hörsystem hinter dem Ohr hervor. Das Kind machte nun große Augen und deutete hastig mit dem Zeigefinger auf mich –
„Da Mama schau!“.
Die Situation war der Mutter sichtlich peinlich und obwohl ich das Hörgerät noch nicht auf hatte, konnte ich hören wie sie das Kind belehrte:
“Julia, mit dem Zeigefinger zeigt man nicht auf fremde Leute!“
Ich lächelte nur und sagte:
“Das macht doch nichts“
und wandte mich nun dem Kind zu:
„Willst du mal sehen“?
Ich konnte an der Mimik sehen, wie ich die Neugier des kecken Mädchens geweckt hatte. Dennoch war es unsicher und scheu wie ein Reh und wusste nicht so recht, wie es reagieren sollte. Einige Momente vergingen, und das Kind drückte ihr Stoffkrokodil, welches damals durch den „Schnappi-Song“ Beliebtheit bei jung und alt erlangte, an sich. Doch dann wurde der Entdeckungsdrang des Kindes doch größer als die Vorsicht:
„Ja..“
meinte das Mädchen dann schüchtern, nachdem es kurz zu ihrer Mutter aufgeschaut hatte, welche ihr ermutigend zulächelte.

Ich stand von meinem Stuhl langsam auf und bewegte mich auf die beiden zu. Kurz vor dem Kind ging ich in die Hocke und streckte ihr meine Hand offen entgegen, auf der mein Hörsystem lag. Das Kind begutachtete meine Hörhilfe kurz und warf nun endgültig ihre restliche Scheu über Bord – es entwickelte sich nachfolgendes Gespräch:

„Was ist das“?
„Das ist ein Hörgerät – ich brauch das, um gut zu hören“
„Aber du hörst doch?“
„Ja, aber mit dem Gerät besser – da kann ich den Schnappi-Song besser hören ohne dass ich die Lautstärke vom Radio aufdrehen muss“
„Mein Opi hat auch sowas, das ist aber viel viel größer. Der hört aber nie Schnappi. Mami sagt sowas brauchen bloß alte Leute…“
An dieser Stelle musste ich kurz lachen. Julias Mutter bekam einen leicht rötlichen Kopf und erwiderte hastig:
„Aber das stimmt doch gar nicht, Julia. Es gibt auch jüngere Menschen oder sogar Kinder, die ein Hörgerät tragen!“
Das Kind meinte schlagfertig:
„Da kenn ich aber niemanden, Mama!“

Im Stillen musste ich Julia recht geben. Obwohl ich nun schon einige Zeit Hörgeräteträger war, kannte ich in meiner Umgebung niemanden in meinem Alter oder jünger, welcher auch hörgeschädigt war. Selbst beim Hörakustiker sah ich immer nur ältere Menschen. Zur Erinnerung: Zur damaligen Zeit gab es noch kein Facebook oder WhatsApp, sondern die Handys mit schwarzweiß Display und ohne Internetfunktion waren weit verbreitet. Der Informations- und Datenaustausch war daher also noch sehr begrenzt. Zu Julias Aussage meinte ich damals daher diplomatisch:
„Es gibt sicher einige Kinder, die auch ein Hörgerät wie ich, tragen. Vielleicht auch bei dir im Kindergarten. Wahrscheinlich hast du nur die kleinen Geräte noch nicht entdecken können!“

Das Mädchen dachte nun angestrengt nach. In diesem Moment kam eine Stationsschwester in das Wartezimmer und rief mich zu Hörprüfung auf. Daher setzte ich nun mein Hörgerät auf und verabschiedete mich von den beiden:
„Schönen Tag noch – ich hoffe ihr müsst nicht mehr zu lange warten.“
„Tschüss!“
meinte Julia und winkte mir mit ihrem Stoffkrokodil artig zu. Ihre Mutter lächelte dankend zum Abschied. Ich folgte der Stationsschwester raus zum Gang, konnte aber deutlich hören, wie Julia fragte:
„Du Mama, der stinkt aber. Meinst du der riecht auch besser, wenn er das Ding in die Nase tut“?

Am liebsten wäre ich sofort im Boden versunken. An diesem Tage beschloss ich, nie wieder einen Arztbesuch nach dem Sportunterricht zu absolvieren.

Je kleiner desto besser?!

0
Feb
13
fehrhoert

CI’s und Hörsysteme haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Zwischen banalen Hörhilfen wie „Hörrohre“ über Tisch- und Taschenhörsysteme bis hin zu den heutigen Geräten, welche in der Regel im oder hinter dem Ohr getragen werden, liegen nicht einmal 100 Jahre. Schwerhörigkeit hat die Menschheit schon immer beschäftigt. Durch die Industrialisierung und die damit verbundene erhöhte Lärmbelastung treten heute Hörschädigungen im Verhältnis wesentlich häufiger auf, als noch beispielsweise in der frühen Neuzeit. Deswegen ist mittlerweile der Hörsystemmarkt im Gesundheitswesen ein sehr gut frequentierter und relativ umsatzstarker Zweig in der medizintechnischen Versorgung geworden.

Wenn man sich die Entwicklungen der Hörsysteme in den letzten Jahren so ansieht, ist vor allem eines auffällig: Die Hörcomputer werden immer kleiner und kleiner. Doch ist diese Entwicklung gut?

Die „technischen Fortschritte“ bezüglich Größe der Hörhilfen erinnert mich irgendwie an meine Situation vor ca. 17 Jahren: Als ich um die Jahrtausendwende mein erstes, damals noch analoges Hörgerät bekam, war dieses schon eher von der kleineren Sorte. Vor allem auch deswegen, weil es mir damals als „Pre-Teen“ wichtig war, dass meine Hörhilfe nicht auffällt, weil ich Angst vor Hänseleien hatte. Leider blieb ich aber vom Mobbing der Mitschüler nicht verschont. Als einziger Hörhilfeträger der Schule war ich halt anders und „schwierig“. In Gruppenübungen war ich zu laut und galt daher auch als nicht teamfähig. Für Klassenspiele wie „Stille Post“ war ich auch nicht geeignet. Ich brauchte stets Extrawürste betreffend Diktate und war deshalb auch unter den Lehrern nicht sonderlich beliebt. Meinen Mitschülern stieß mein ständiges Stören im Unterricht auf Grund meiner Hörschwäche natürlich auch auf wenig Gegenliebe. Verständnis konnte man von den Jugendlichen damals nicht verlangen, weil dieses nicht mal von den Lehrern vorgelebt wurde. Deswegen will und kann ich heute niemanden einen Vorwurf machen. Dumm gelaufen, nennt man sowas.

Um auf die Größe der Hörsysteme zurück zu kommen: Damals war es mir wichtig, meine Hörminderung bestmöglich zu verbergen, quasi zu vertuschen. Wie erwähnt aus Angst vor Mobbing, Ausgrenzung und vielleicht sogar Diskriminierung. Offensichtlich scheinen viele Personen meine Ängste von damals heute noch zu teilen. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, dass die Entwicklung von noch kleineren Hörsystemen immer weiter fortschreitet und dass sich diese winzig kleinen Hörcomputer dann auch noch super verkaufen. Vor allem sieht man junge Menschen damit herumlaufen, aber auch ältere Personen werden mit den winzigen Dingern versorgt – denn mir als jahrelanger Hörsystemanwender entgeht auf der Straße natürlich keine Hörhilfe, mag sie auch noch so klein sein.

Das Ziel der Hörsystemfirmen scheint zu sein: Klein ist gut, noch kleiner ist besser und winzig wäre erstrebenswert. Aber warum? Warum haben diese Produkte solchen Erfolg?

Wo sind die Pluspunkte für Rentner, wenn sie den Akku oder die Batterie ihres Hörsystems kaum ohne fremde Hilfe austauschen können? Denn im Alter ist neben dem Hörvermögen auch oft Haptik und Sehvermögen eingeschränkt. Wem hilft es, wenn man das Hörsystem ewig suchen muss, wenn es mal auf den Boden fällt? Wo ist der Nutzen, wenn man ständig Angst haben muss, das winzig kleine Ding zu zertreten oder einzusaugen, wenn man mal das Zimmer der hörgeschädigten Kinder aufräumt? Wer profitiert davon, wenn die Hörcomputer so klein werden, dass sie nachweislich öfter verloren oder verlegt werden und deswegen dann neu angekauft werden müssen? Warum wollen wir mit aller Gewalt etwas gut funktionierendes kleiner machen, als es eigentlich sein muss? Warum verstecken wir uns?

Weil eines darf man auch nicht vergessen: Für viele nützliche Funktionen ist in den ganz kleinen Hörhilfen kein Platz mehr. Sei es simple Steuerknöpfe am Hörsystem selbst, oder Funktionen wie Bluetooth oder, Geräuschunterdrücker, Windblock, und so weiter. Auf einige dieser Ausstattungsmöglichkeiten und noch viel mehr wird auf Grund des Platzmangels verzichtet. Deswegen machen es sich die Anwender oft schwerer und komplizierter wie es sein müsste, nur um ein möglichst kleines Hörgerät zu tragen.

Diese Entwicklung bestürzt mich irgendwie. Ich dachte nämlich, wir wären in der heutigen Gesellschaft schon weiter. Ich dachte, ein Hörsystem bedeutet die „Optimierung der eigenen Möglichkeiten“ und nicht mehr der Ausgleich irgendeiner Schwäche, welche man verstecken muss. Ich dachte, die Betroffenen sind gefestigter wie ich zur Jahrtausendwende und wesentlich selbstbewusster. Ich dachte, die Gesellschaft ist toleranter und aufgeklärter geworden. Kaum zu fassen, dass die selben Kaufargumente, welche für mich als 10-Jähriger wie oben beschrieben auschlaggebend waren, heute offensichtlich aktueller denn je sind.

Das zeigt mir irgendwie, dass die Sensibilisierung der öffentlichen Wahrnehmung noch kaum oder unzureichend stattgefunden hat. Toleranz, Akzeptanz und Rücksichtnahme gegenüber hörgeschädigte Menschen ist wohl doch noch nicht so weit in der Gesellschaft verbreitet, wie allgemein suggeriert wird. Warum sonst suchen die Hörsystemhersteller nach neuen und weiteren Möglichkeiten, Hörhilfen bestmöglich zu verstecken? Liegt es bloß an der Eitelkeit der Anwender, oder ist Diskriminierung im Alltag für hörgeschädigte Menschen doch noch die bittere Realität?

Wie man sieht, ist in dieser Hinsicht offensichtlich noch viel zu tun. Der Mut und die Entschlossenheit, zu seiner Hörminderung zu stehen, fehlt aus genannten Gründen wohl noch vielen Betroffenen. Ich hoffe ich kann mit dem Blog #fehrhoert zu einer positiven Entwicklung in dieser Hinsicht mitwirken, denn schon Sigmund Freud wusste:

„Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.“

Der Weg zur richtigen Hörsystem Einstellung

2
Feb
7
fehrhoert

Es gibt sehr viele Hörhilfen für alle möglichen Arten und Unarten von Hörverlust. Deren optimale Einstellung auf den Anwender ist ein laufender Prozess, doch leider ist das einigen Betroffenen nicht bewusst.

Viele Hörgeschädigte glauben nach dem Erwerb eines Hörsystems oder nach einer CI OP gibt es keinen Aufwand mehr für einen selbst. „Der Hörakustiker wird’s schon richten“, so das Credo. Um aber schlussendlich mit dem neuen „Empfänger“ gut zurecht zu kommen, bedarf es neben dem regelmäßigem Hörtraining allerdings einer maßgeschneiderten und persönlichen Anpassung. Deshalb führt der erste Weg natürlich zu einem Hörsystem-Techniker. Meistens macht das der ortsnahe Hörakustiker oder Audiologe, welcher von den Herstellerfirmen die Einstellungssoftware bekommt und entsprechende Weiterbildungen absolvieren muss. Im Gegensatz dazu finden die ersten Anpassungen nach einer CI Operation direkt in der Operationsklinik statt.

Die ersten Einstellungen sind in der Regel recht „defensiv“ und eher leise: Man will den Anwender nicht überfordern. Denn auch der Körper braucht Zeit, um sich an den veränderten Höreindruck zu gewöhnen. Es ist daher vor allem am Anfang zielführend und notwendig, zumindest im 14 tägigen Rhythmus dem Hörakustiker oder der Klinik einen Besuch abzustatten. Unser Gehirn ist nämlich sehr flexibel und gewöhnt sich langsam an die veränderte Stimulierung und die neuen Hörreize. Deswegen muss das Hörsystem regelmäßig an den aktuellen Gewöhnungsgrad des Anwenders angepasst werden. Eine hohe Erwartungshaltung gegenüber der ersten Einstellung ist deswegen kontraproduktiv, denn wie so oft gilt: Gut Ding braucht bekanntlich Weile.
Gleich vorweg: Ich hatte immer das Glück, dass ich in Sachen Hörsystemanpassung – aber nun auch als CI-Anwender – immer mit sehr kompetenten Menschen zusammenarbeiten durfte. Und ich sage bewusst zusammenarbeiten, denn eine Anpassung bedeutet auch für mich als Anwender „Arbeit“: Die Techniker und ich haben gemeinsam das Ziel, das System so gut wie möglich auf mich und meine Bedürfnisse abzustimmen. Daher muss ich mich auch entsprechend auf die Einstellungseinheiten vorbereiten: Was hat sich seit der letzten Anpassung verändert? Höre ich besser? Ist etwas schlechter geworden? Was möchte ich anders haben? Was könnte besser sein? In welchen Situationen tue ich mich schwer? Welche Dinge haben beim Hörtraining gut funktioniert? Welche eher schlecht?

Diese und viele weitere Fragen habe ich mir immer wieder gestellt und manchmal auch Notizen dazu gemacht. Die Hörakustiker schätzen es in der Regel sehr, wenn der Anwender gut vorbereitet und mit klaren Vorstellungen zur Anpassungssitzung kommt. Denn nur so kann man gemeinsam das Maximum für sich und seine Lebensqualität herausholen. Nebenbei erhöhen solche produktiven Hörsystemeinstellungs-Sitzungen auch die Erfahrungswerte des Technikers. Im Idealfall findet also ein „Geben und Nehmen“ statt, ein stetiger Austausch zwischen Anwender und Hörakustiker, denn eines ist definitiv klar: Ohne Rückmeldung des Kunden kann selbst der beste Hörakustiker keine gute Anpassung vornehmen. Hörsystemtechniker sind keine Zauberer, auch wenn es einem vielleicht manchmal so vorkommen mag.

Eines meiner Grundprinzipien ist: Versuche immer das Beste aus einer Situation herauszuholen. Der ist-Zustand als hörgeschädigter oder sogar gehörloser Mensch ist zwar beschissen, aber bei weitem nicht aussichtslos. Es gibt sehr viele Hilfen und Möglichkeiten, sich trotzdem aktiv in der akustischen Welt zu bewegen und einzubringen. Man muss es nur wollen.

Für mich ist ein Termin beim Hörsystemtechniker daher keine lästige Pflicht; sondern eine weitere Möglichkeit meine Lebensqualität zu verbessern, ähnlich wie beim Hörtraining. Dazu muss man aber auch wie oben beschrieben selbst seinen Beitrag leisten und man darf nicht vergessen, dass es sich beim „Rantasten“ an die optimale Hörsystemeinstellung um einen laufenden Prozess handelt. Das Hören ist eine sehr komplexe Sache und funktioniert nicht auf Knopfdruck. Der Weg ist mitunter auch das Ziel und ein gut abgestimmtes Hörsystem kann die Lebensqualität enorm steigern. Viele würden gar nicht glauben was so alles möglich ist, wenn man geduldig aber doch akribisch versucht, gemeinsam mit dem Techniker das persönliche Limit auszuloten.

Über diese Grenzen und Limits, wie ich sie mit Hörgerät und CI erfahren habe – wie zum Beispiel beim Sprachverstehen aber auch was das aktive Musizieren oder das Musikhören anbelangt – werde ich in einem meiner nächsten Blogs auf #fehrhoert schreiben, ebenso wie über das Hörtraining.

Derzeit befinde ich mich auf Rehabilitation in Bad Nauheim – deswegen wurde es in den letzten Tagen etwas stiller um meinen Blog. Aber ich gelobe Besserung. Über meinen Reha-Aufenthalt gibt es dann sobald ich zu Hause bin einen ausführlichen Bericht auf #fehrhoert zu lesen.

Bis bald, ich wünsche euch, dass ihr euch wenig #fehrhoert

“Versteckspiel”

1
Feb
7
madeleine

“Wir haben zwei Ohren und einen Mund damit wir mehr hören als reden”

Nicht gerade ein Spruch den ein 10 jähriges, einseitig ertaubtes Mädchen gerne in Ihrem Poesiealbum liest oder?

Gut, ich muss zugeben meine damalige Lehrerin der 3.Klasse wusste mit aller höchster Wahrscheinlichkeit nichts von meiner Hörschädigung, genauso wenig wie mein ganzes weiteres Umfeld zu diesem Zeitpunkt.

Außerdem war ich soweit ich mich erinnern kann und nach den Erzählungen meiner Eltern wohl ein sehr “geschwätziges Kind. 🙂

Dennoch hat mich dieser Spruch sehr geprägt. Ich wusste schon früh das ich “anders” war und konnte das auch gut verstecken, was mir auch noch viele weitere Jahre gelang. Schließlich hat man ja zwei Ohren zum Hören und nicht nur eines ??

Also schummelte ich mich in meinem Leben durch Kindergarten, Schule, Familie und Freundeskreis bis hin zur Ausbildung.

Dort fand mein jahrelanges Versteckspiel mit mir selbst nun endlich sein Ende, denn alle in meiner damaligen Ausbildungspraxis dachten ich sei desinteressiert oder gelangweilt, da ich oft einfach nicht reagierte. Meine Ausbildungsstelle stand auf dem Spiel, also suchte mein Chef das Gespräch mit mir, er hatte mich “entlarvt”.

Es war wie ein riesen Fels der herunter brach, als ich mich ihm öffnen konnte und natürlich flossen Tränen.

Auch danach dauerte es noch einige Jahre bis ich anfing (einigermaßen) offen mit meiner Situation um zu gehen, denn sein Verhalten ändert man ja nicht so einfach von heute auf morgen. Noch dazu war es bis dahin ein ziemlich ausgeklügeltes System in dem ich lebte. Mit der Zeit fiel es mir aber immer leichter mit mir und meiner Situation zurecht zu kommen.

Als dann irgendwann mein bis bis dahin gesundes rechtes Ohr anfing ebenfalls schlechter zu werden wusste ich dass es so nicht weitergehen konnte und ich musste handeln.

Heute bin ich seit mittlerweile fast 3 Jahren stolze Trägerin eines Cochlea Implantates und froh das ich so bin wie ich bin.

Der Weg ist zwar nach wie vor steinig, aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Vor allem im letzten Jahr durfte ich wahnsinnig tolle Menschen kennen lernen und viele unvergessliche Momente mit Ihnen erleben.

Nun kann ich endlich lernen die Welt mit beiden Ohren zu entdecken und freue mich auf das was mich mit meinem CI noch alles erwartet…