Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Konzept für einen Podcast für WDR3

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Hallo liebe Deaf-Ohr-Alive`ler,

wenn wir uns hier nicht angesprochen fühlen, wer dann?

“Hallo zusammen,

mein Name ist Jonas und ich bin selbstständiger Musikjournalist. Für und mit dem Radiosender WDR3 plane ich einen Podcast über das Hören und Klang generell. In jeder Podcast-Folge soll es um einen grundsätzlichen Aspekt dieses großen Themas gehen. Dafür werde ich mit den verschiedensten Experten sprechen und viele Stimmen zusammentragen, um so nach und nach zu verstehen: Was machen Klänge mit uns Menschen? Warum hören wir? und vieles, vieles mehr. Neben all diesen Experten soll immer wieder auch jemand zu Wort kommen, der oder die eine ganz eigene Perspektive auf das Thema mitbringt – nämlich jemand, der kaum oder gar nicht hört. (Ich fände es engstirnig über das Hören zu sprechen, ohne dass jemand zu Wort kommt, der weiß, wie es ist, nichts zu hören.)

Ich habe für den WDR ein grobes Konzept formuliert und das unten an diesen Text angehängt. Falls es Dich interessiert, ließ es gerne durch. Und vielleicht hast Du ja auch Interesse an dem Projekt und Lust mitzumachen. Das würde mich sehr freuen. Vorraussetzung ist für mich eigentlich nur, dass du irgendwann mal reflektiert über das Hören und Klang nachgedacht hast und bereit bist, über deine Gedanken und Erfahrungen zu sprechen.

Was bedeutet das an Aufwand für Dich? Bis ins kleinste Details ist das Konzept noch nicht geplant, was bedeutet, dass wir uns vor dem Start gut abstimmen können, wie oft wir uns sehen und sprechen. Vorbereiten musst Du nichts, es geht vor allem um Gespräche, vielleicht auch mal, dass ich Dich durch den Tag begleite.

Unten im Text wirst Du viele Fragen entdecken, die ich aufgeschrieben habe und klären möchte. Es ist auf keinen Fall nötig, dass Du zu jedem Thema etwas zu sagen hast. Da ich immer auch mit vielen Experten aus der Wissenschaft sprechen werde, kommt es vor allem auf Deine Erfahrungen und Sichtweise an.

Wenn Du Interesse hast, melde Dich gerne bei mir, entweder per Mail (jonas.zerweck (at) tu-dortmund.de) oder über meine Handynummer (0151/70031911 (telefonisch, SMS, WhatsApp – wie Du magst)).”

Das Konzept:

Wir Menschen klingen. Unsere Umwelt klingt. Wir sprechen und singen. Wir machen Musik durch Schlagen, Zupfen, Streichen und Pusten. Wir hören die Klänge unserer Umwelt – und manchmal hören wir auf zuzuhören.

Die Beziehung zwischen Klang und Mensch geht über unsere Kommunikation und Musik hinaus. Klänge bestimmen unser Sein, retten immer wieder Leben und verändern uns. Doch ihn wahrzunehmen, ist heute trotz all dem nicht wirklich lebenswichtig. Viele taube und schwerhörige Menschen kommen in und mit ihrem Leben zurecht – wenn auch mit vielen Hindernissen. Den meisten hilft dabei die Technik und die wird immer besser: Spezielle Hörgeräte lassen taube und ertaubte Menschen (wieder) hören.

Mit diesem Podcast, der mit dem vorliegenden Konzept grob dargestellt und umrissen wird, soll das komplexe und weite Themenfeld “Klang und Mensch” erschlossen werden. In mehreren Folgen sollen die verschiedenen Aspekte und Bereiche näher verstanden werden. Um einen Zusammenhang zu schaffen, soll ein Protagonist begleitet werden, der sehr schwerhörig oder vollständig taub ist. (Ich spreche hier und im Folgenden immer über diese Person in der männlichen Form. Das Geschlecht der Person spielt aber keine Rolle.)

Gemeinsam sollen Fragen besprochen werden wir: Welche Bedeutung haben Klänge in unserem gesellschaftlichen Leben heute und für die Person persönlich? Wie bestimmen sie unser Zusammenleben? Wie verändert sich die Wahrnehmung auch mittel- bis langfristig der ganzen (Um)Welt, wenn man (wieder) hört? Wie und wie stark bestimmen Klänge unsere Gefühle?

Durch das Begleiten des Protagonisten und die Gespräche soll es pro Folge jeweils um eines der unten vorgestellten Themenbereiche gehen, sodass, sich von der Hautgeschichte lösend, das jeweilige Thema der Folge anhand von Gesprächen mit Experten, Sprechertexten des “Podcast- Hosts” und anderen Elementen erschlossen wird.

Der Podcast-Host/Moderator führt den Hörer durch die Folgen und lernt gewissermaßen mit den Hörern zusammen die verschiedenen Themenbereiche kennen. Seine Haltung ist daher nicht allwissend wie in einem gebauten Beitrag, sondern eher neugierig, fragend, entdeckend.

Die möglichen Themen der Podcast-Folgen lassen sich jeweils durch die folgenden Fragen näher beschreiben:

1. Warum hören wir überhaupt? Welchen Nutzen hat das für uns? Wurde die Entwicklung des Hörens durch die Bedingungen unserer Umwelt begünstigt, oder hätten wir es auch entwickelt, wenn wir Menschen unter anderen Bedingungen entstanden wären? & Welche Bedeutung hat “Klang” für den Menschen und mit welchen “Arten” von Klang haben wir zu tun?

2. Was löst Klang in uns aus? Und warum löst er “es” in uns aus? Welche Faktoren wirken, wenn wir hören? Was läuft bei Alarmsignalen in uns ab? Wie werden diese Mechanismen in unserer Gesellschaft genutzt/ausgenutzt? Wie in der Musik?

3. Welche Funktion(en) hat der Klang in seinen verschiedenen Funktionen gesellschaftlich in der Vergangenheit gehabt und heute? Warum machen wir Musik? Wieso entwickeln wir ständig neue Arten der Musik? Wieso haben Menschen das Bedürfnis sich (künstlerisch) auszudrücken? Wie funktioniert es, dass ein künstlerischer Ausdruck auf der Basis von Schallwellen stattfindet?

4. Was prägt unsere subjektive Wahrnehmung von Klang? Wie entstehen Musikgeschmäcker? Warum unterscheiden sie sich so stark? Welche Auswirkungen hat der jeweilige Musikgeschmack auf uns als Individuen?

5. Wie stark wirkt Klang auf uns? Was ist alles durch Therapien mit Klang und Musik zu erreichen? Wieso wirkt Musik auf Personen unterschiedlich? Schadet es uns körperlich, wenn wir nichts hören? Lassen sich Menschen durch Klang verführen für z.B. Werbung oder in Kaufhäusern?

Um dem Thema Klang und Mensch in seiner Breite möglichst gerecht zu werden, sollen auch die Experten aus möglichst unterschiedlichen Bereichen kommen. Von Audiologen, Pädaudiologen, Therapeuten und Medizinern über Musikethnologen, -wissenschaftlern und -historikern bis hin zu Soziologen, Ästhetikern und auch Musikern aus den verschiedenen Bereichen selbst.