Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Von der Idee zur Umsetzung – Bericht zur Blogwerkstatt Teil 2

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Jan
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helensovdat

Eine Selbsthilfegruppe im Netz – wie soll diese aufgebaut werden?

Anknüpfend an den ersten Teil der DCIG Blogwerkstatt im Mai fand das große Wiedersehen am Halloween-Wochenende (31.10-02.11.2015) in Heidelberg statt. Ob Profifotograf, Inhaber einer Werbeagentur, Diplom-Psychologin, Vizepräsident der DCIG, Mediziner, Fachleute aus der Industrie, Hörgeschädigter oder „Normalo“ – hier hatte jeder viele Ideen, um dieses Vorhaben in die Tat umzuwandeln.

What happened from May to October?

Nach einem kurzen und interessanten Rückblick auf den ersten Teil waren nun auch die neu Dazugekommenen bestens informiert und motiviert. Ulf Tramsen, Inhaber einer Werbeagentur in Weinheim, inspirierte die Teilnehmer mit seiner bisherigen Ausarbeitung der gesammelten Ideen aus Teil 1 der Blogwerkstatt. Layout, Aufbau sowie die präzise Umsetzung der Ideen begeisterte alle und weckte die Vorfreude auf die Onlineschaltung.

DCIG Halloween Spezial

Unter diesem Motto verbarg sich ein toller Gemeinschaftsabend mitten in Heidelberg. Gemeinsam zogen wir nach einem ereignisreichen Tag los und feierten zusammen auf einer Halloween-Party in einer schummrigen Bar mit lauter Musik. Trotz der schlechten Akustik gab es keine Verständigungsprobleme untereinander, dafür aber jede Menge Spaß und Stoff für bleibende Erinnerungen. Diese hervorragend gemeisterte Situation zeigte uns am nächsten Morgen Oliver Hupka, Audiotherapeut und Vizepräsident der DCIG, nochmals auf: „Normalerweise waren das die denkbar ungünstigsten Bedingungen für Hörgeschädigte, bei denen man unter Guthörenden schnell ein mulmiges Gefühl bekommt… entweder so tut als ob, oder einfach außen vor ist. Aber ganz ehrlich: Ich habe keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten gesehen, im Gegenteil… Ich behaupte, das lag daran, dass ihr einfach Selbstvertrauen hattet und sich keiner geschämt hat, mal nachzufragen!“

Vlog – Eine Mischung aus Video und Blog

Teilnehmer Damian Breu berichtete über seine Kenntnisse im Video-Bereich und präsentierte seine bisher gedrehten Videos über lustige Alltagssituationen eines Hörgeschädigten. Solche Situationen in einem Text wiederzugeben ist oftmals schwierig und längst nicht so verständlich wie ein kurzes Video. Der Schwerhörige erkennt sich sofort wieder, aber noch viel spannender ist, dass auch die guthörenden Teilnehmer so direkt einen Eindruck davon bekommen, was es bedeutet, gehandicapt zu sein. Seine Idee steckte sofort an und sorgte dafür, dass auch die anderen Teilnehmer lustige Alltagsgeschichten zum Besten gaben.

Virtuelle Kommunikation

Im Anschluss sprach Lisa Manow (Diplom Psychologin) über die Chancen und Risiken der virtuellen Kommunikation. Sie betonte, dass das Aufschreiben der eigenen Erfahrungen in Form eines Blogs sehr entlastend und befreiend sein kann. Ebenso sei das Erleben, mit seinen Problemen nicht allein zu sein und sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen, sehr wertvoll. Sie gab aber auch zu bedenken, dass die Gefahr besteht, sich durch seine Offenheit verletzbar und angreifbar zu machen oder abhängig zu werden von der Anerkennung der Follower durch Likes und positive Kommentare.

Bilder sagen mehr als 1.000 Worte

Anschließend gab Christian Borth, einen Einblick in das Leben eines Profifotografen und ratsame Tipps rund um das Thema Fotografieren. Er verdeutlichte den Teilnehmern, dass man mit Hilfe der Fotografie einzigartige Momente festhalten und andere daran teilhaben lassen kann. Dem gegenüber steht aber auch die Inszenierung, mit der sich beim Betrachter bewusst und unbewusst Gefühle und Emotionen erzeugen lassen. Er zeigte auf, wie wichtig ein gut ausgearbeitetes Konzept und die präzise Umsetzung beim Fotografieren sind, demonstrierte aber auch, wie tolle Schnappschüsse entstehen. Seine Arbeiten mit spannenden Hintergrunderzählungen beeindruckten die Teilnehmer sehr. Um das Gelernte in die Tat umzusetzen, zog die gesamte Blogwerkstatt los und erarbeitete in Gruppen eigene Konzepte zu den Themen „Gefühle & Empfindungen zeigen“, „Portraitieren zweier Personen (so dass man sie durch die Bilder kennenlernt)“ sowie „Präsentation der Räumlichkeiten (Jugendherberge)“. Dabei hätte wohl niemand im Vorfeld gedacht, welch enormes Potential in den Nachwuchsfotografen steckt (mehr dazu in der Gruppe Fotografie)

Ein beeindruckendes und interessantes Wochenende neigt sich dem Ende zu

Der Montag stand ganz im Zeichen des Austauschs zwischen Fachleuten aus Medizin und Industrie und den jungen Teilnehmern. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, wie sich Hersteller- und Klinikvertreter an der neuen Community-Plattform beteiligen können und wollen. Wann hat man schon mal die Chance, bei einem gemeinsamen, im wahrsten Sinne des Wortes aktiven Brainstorming, einem Chefarzt seine Meinung sagen zu können?

„Wir“- eine Gemeinschaft die verbindet

Als Teilnehmerin der Blogwerkstatt kann ich sagen, dass jegliche Erwartungen und Vorstellungen an diese Veranstaltung übertroffen wurden. Sei es beim Thema Fotografie, die Ausarbeitung des Blogs oder der Gemeinschaft, die sich dadurch entwickelte. Im Fokus stand nicht die Schwerhörigkeit die uns verbindet, sondern die gemeinsame Motivation zum Mitwirken an einer Selbsthilfegruppe im Netz.

– der Artikel zur zweiten Blogwerkstatt erschien in der Fachzeitschrift Schnecke im Dezember 2015 (Ausgabe 90)

Urlaub? – Nicht mit mir!

2
Nov
22
helensovdat

…Wie immer stellte ich mir am Abend meine zwei Wecker (ein Vibrationswecker und ein alter „Schellenwecker“) und noch meine vier Alarmsignale – mit Lichtfunktion – in meinem Handy, die nacheinander im drei-Minuten-Takt klingelten, in der Hoffnung einen der sechs Signale zu hören. Ich legte mich auf mein taubes Ohr und hoffte, mich im Schlaf nicht zu drehen, damit ich mehr Chancen hatte die Wecker zu hören. Es rüttelte an mir und ich öffnete erschrocken meine Augen und setzte mich auf – mein Vater stand vor mir mit einem SEHR genervten Blick. Auf meine Frage „Was ist los?“ schaute er sich nur in meinem Zimmer um und zeigte auf die Wecker, die mittlerweile auf höchster Alarmstufe gleichzeitig klingelten. Mit einem leicht gereizten „Ich habe heute Urlaub!“ verschwand er wieder aus meinem Zimmer.

PS: musste nicht alleine frühstücken:D