Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Yoga oder lerne deine innere Stimme kennen.

1
Aug
10
Katja

Neulich, da war die große Mondfinsternis. Da fand ein Yogakurs bei mir um die Ecke im Park statt.Schnell die Sachen gepackt und los. Kurz noch überlegt, nehme ich das Funk-Mikro mit, ach nö, ich will es ja entspannt und letztes Mal habe ich die Kursleiterin ja auch gut verstanden.

Also voller Vorfreude hin, ich stieß als letzte zur Gruppe dazu. Sie saßen im Gras auf ihren Matten im Halbkreis. Eine Lücke gab es noch, also legte ich mit dort hin. Eine innere leise Stimme sagte noch: frag doch, ob die anderen rutschen können, damit ich dichter neben der Kursleiterin sitzen kann. Psst, du willst doch nicht auffallen und den anderen Mühe machen.

Dann ging’s los. Ich freute mich auf die Anfangsentspannung. Ich machte die Augen zu und hörte nur einzelne Worte. Ich machte die Augen wieder auf und schaute zur ihr hin. Ich versuchte mich selber mit eigenen Worten in die Entspannung zu bringen. Aber hast du schon mal versucht mit offenen Augen zu entspannen? Meistens macht man irgendwann doch die Augen zu. Der Wind nahm zu und rauschte durch die Bäume. Unsere Gruppe war unter einer Weide im Park mit vielen Bäumen. Irgendwie klappt das nicht mit dem Entspannen. Etwa zehn Meter saßen nun auch mittlerweile etwa 30 Leute am Grillen, Reden und Lachen. Ich kann sonst Nebengeräusche recht gut ausblenden, aber heute ging das einfach nicht. Mein Frust stieg. Meine innere Stimme meldete sich zu Wort und sagte, tja hättest du mal das Funk-Mikro eingepackt, dann könntest du jetzt bestens folgen und die anderen wären auch nicht so laut zu hören. Und tja, dann leg dich doch einfach um. Aber dann unterbreche ich ja die Stunde.

Zum Glück ging es nun von der Entspannung aktiv weiter in die Yoga Übungen. Jetzt konnte ich wenigstens die Übungen nachmachen. Verstand zwar auch nicht alles, gerad die Erklärungen der Hintergründe zu den Übungen nicht.

Und wieder einmal war mein Ego stärker als die positiven Erfahrungen, wo ich das Funk-Mikro schon öfters beim Yoga genutzt habe und jedes einzelne Wort verstanden habe, egal wo die Leiterin gerad im Raum stand. Und jedes Mal war ich glücklich gewesen, dass ich mich überwunden hatte zu fragen.

Letztendlich ging ich nach Hause, ohne viel vom Yoga selbst mitgenommen zu haben. Ich schaltete meine CIs aus und nahm mir einen Abend in der Stille und auch noch den nächsten Morgen. Zwischendrin gestand ich mir ein, dass ich es auch manchmal nicht mag, schwerhörig zu sein und ließ die Tränen laufen. Und war aber ein wenig später dankbar, zu wissen und vor allem auf den Blogwerkstätten erfahren zu haben, damit nicht alleine zu sein 🙂 Und irgendwann habe ich mir gesagt: Hej, es ist alles in Ordnung. Und hab mich wieder riesig auf Hören und Verstehen gefreut. Und habe zum Auftakt eines meiner Lieblingslieder gehört.

Sind CIs so cool wie Wakeborden?

2
Aug
5
Katja

Letztens war ich mit meinen normalhörenden Freunden Wasserskifahren in diesem Jahrhundertsommer. Leichte Abendbrise. Am Rand der Anlage sitzen Menschen und schauen zu, wie Wakeboarder und Wasserskifahrer ihre Künste zu Wasser erproben, ihre Grenzen ausprobieren, Pirouetten durch die Lüfte drehen und so mancheiner einfach mit einem lauten Platsch im Wasser landet 🙂

Und na klar sind auch ein paar Kids dabei, die einige von den Erwachsenen um mehrere Nasenlängen an Wendigkeit und Geschick voraus sind.

Während ich in den Schlange stehe, sehe ich dass eines der Kinder, das gerade Pause macht plötzlich CIs trägt. Na, Mensch!

Nach ein bisschen Hin und Herüberlegen, soll ich es ansprechen oder nicht, bin ich schließlich hin und habe das Kind angesprochen. „Findest du Wakeboarden auch so cool wie CIs?“ Leicht irritiert schauten mich die Kinderaugen an, um mich gleich zu fragen: „Wieso? Haben Sie auch CIs?“ Zum Beweis zog ich mein Sportstirnband ab, mit dem ich mein CI in seiner Wasserschutzhülle während auf dem Wasser an Ort und Stelle halte. Und dann sagte er voller Stolz: „Das ist schon toll, dass es so eine tolle Entwicklung gibt. Können Sie auch Gebärdensprache?“ Dann haben wir mit unseren Händen unsere Namen buchstabiert und noch ein bisschen über Schule geredet und uns noch viel Spaß gewünscht.

Ach, wie cool.

So drehte ich noch weiter meine Runden auf meinen Brettern. Als die Sonne sich langsam dem Horizont und den Bäumen näherte und ich für die letzte Runde in der Schlange stand, tippte mich jemand am Arm an. Ich drehte mich um, das Kind grinste mich an und fragte mich, ob ich noch höre. Ja, antwortete ich. Das Kind: „Ich gebe dir mal einen Tipp! Nimm mal das CI ab und fahre so. Dann kannst du dich besser konzentrieren und du fährst noch besser!“ Gesagt getan! Der Start gelang, und das Schönste war die Stille in Freude bei untergehender Sonne zu genießen!

Gefühlswelt auf der Bühne

2
Nov
18
Katja

Improvisation – selbst mit dabei

Zwei Menschen sitzen auf dem Boden, Rücken an Rücken. Sie können sich nicht sehen, nur spüren. „Für einen kurzen Moment Zärtlichkeit.“ „Wo?“ „Am Rücken.“ „Es ist warm.“ Stille im Raum. Beide spüren nach, was sie fühlen. Doch plötzlich: „ Es ist mir zu viel! Ich habe Angst.“ Sie wendet sich von ihrem Gegenüber ab und entfernt sich. Es fällt schwer, den plötzlichen Abstand auszuhalten. Sie sitzen sich gegenüber auf dem Boden und schaffen es nicht, sich in die Augen zu schauen. „Es ist kalt hier.“ Die Hände tasten sich langsam vor und wandern über den Boden auf einander zu – ganz langsam. Es wird wärmer. Die Hände finden zueinander, die Arme berühren sich. „Spürst du es auch?“ „Ja, es wird wärmer!“ Sie umarmen sich und kommen zur Ruhe.

Improvisation – auf der Bühne

Eine Person steht auf der Bühne. Zwei Personen kommen dazu und sprechen sie an. „Deine Haare sind kürzer als meine. Und sie sind heller.“ Die Person bekommt Angst, ist verunsichert und verwirrt. Die zweite Person sagt: „Und dein Haar länger als meins und sie sind dunkler.“
Nein, das ist nicht wahr. Sie versucht sich zu verteidigen. „Aber sie sind heller als ihre.“ Sie zeigt auf die andere Person.
„Du bist anders als wir.“
„Nein.“
Doch und beide zugleich: „Anders!“
„ANdersANDersANDErsANDERs ANDERS!“ Sie wird kleiner. „Nein!“ Die Person sackt zu Boden. Sie kauert sich zusammen. Die anderen beiden umringen sie, zeigen auf sie und werden immer lauter.
Auch ich sacke zusammen, doch dabei stehe ich nur am Rand, nur als Zuschauer. Doch trifft mich diese Szene aus unserem Tanztheater mitten im Herz, das dröhnende ANDERS klingt nach in den Ohren. Und doch bin ich selbst nicht in dieser Situation, ich bin nur ein Zuschauer. Ich sehe etwas, was in mir eingeschlossen war. Das Erlebte wird aus den Untiefen herausgeholt, freigelassen, ohne dass ich selbst es noch einmal erlebe. Ich kann geschützt die Szene betrachten, denn es ist „nur“ ein Schauspiel. Ich kann etwas sehen, ich sehe es auf der Bühne, es ist nicht länger nur ein Gefühl im Bauch. Es wurde in Worte gefasst, dargestellt und ich kann der Vogel sein, der die Situation aus einem sicheren Abstand betrachtet.

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“

Rückblick – vor meiner ersten Blogwerkstatt:

Ich besuche eine Familie mit einem kleinen Kind. Wir sitzen zusammen bei Kuchen und Tee. Die Kleine möchte mit mir Memory spielen. Dem Papa  fällt ein, dass die Schwester Geburtstag hat, schnappt sich sein Tablet und schaltet Skype ein. „Hallo! Happy Birthday to you!“ Die Kleine rennt hin und singt mit. Dann fangen sie ein Gespräch an, die Kleine kommt zu mir zurück und wir spielen weiter Memory. Wir lassen uns dabei nicht ablenken. Doch plötzlich klingt ein schallendes Gelächter zu uns und die anderen im Raum lachen mit, nur wir zwei nicht. Ich und die Kleine. Ich denke: Hmm. Jetzt lachen alle und du hast den Witz nicht verstanden… Naja. Doch dann fange ich den Blick der Kleinen auf, sie schaut traurig, sie hat auch nichts verstanden und wendet sich aber dem Spiel wieder zu. Sie hat auch ein CI. Die Mama merkt unseren Gemütszustand und erklärt uns beiden den Witz. In Gedanken habe ich die Kleine umarmt und gleichzeitig habe ich irgendwie auch das Kind in mir getröstet und umarmt. Ja, sie und ich sind nicht allein.

Jetzt weiß ich es nicht nur, sondern habe dieses Gemeinschaftsgefühl wieder einmal mit noch mehr Taubsis erlebt:

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“ Wir sind nicht länger allein.

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Knotenlöser

1
Nov
5
Katja

Emotionen mit dem Körper erleben und sichtbar werden lassen. Tanztheater. Singen, auch wenn wir glauben, nicht singen zu können. Theatertanz. Die Macht der Stimmen ziehen mit, lassen Gänsehaut die Arme hochwandern. Tanztheater. Alle tanzen gemeinsam, alle schauen in den Spiegel. Theatertanz. Und doch ist auch Zeit, für sich alleine. Bewegung fließen lassen, hören wie ich atme, völlig frei ohne Blockaden und ohne sich komisch zu fühlen, jeder ganz bei sich selbst und dann fällt es mir leichter. Tanz.

Nicht nachdenken, welche Bewegung ich als nächstes mache, sondern einfach dem Körper freien Lauf lassen. Und plötzlich traue ich mich, plötzlich entweicht meinen Lippen ein Ton und ja, ich höre mich selbst. Wir hören uns selbst. Ich schaue den anderen an, fange Bewegungen von ihm auf, überwinde mich, lasse mich auf ihn ein. Ein ganz feines Beobachten, um jede Chance zu ergreifen. Kein Suchen nach Chancen, sondern ein Wahrnehmen von ihnen. Es fühlt sich gut an und auf einmal bin ich überrascht. Da, da kommt die nächste Bewegung, sie bahnt sich an. Ausprobieren, es gucken alle…

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Ein Vertrauen schwebt in der Luft, wir sind getragen und geborgen. Gegenseitiger Respekt stärkt uns und lässt uns wachsen.

Hier eine Ecke des Tanzraumes, die entdeckt werden will, dort ein ganzer Raum, wir ziehen Kreise, laufen Schulter an Schulter, berühren uns, kommen uns näher, da entsteht etwas, da bewegt sich etwas, da rührt sich was. Und das nicht nur einmal im Raum, nein, die Begegnungen entstehen immer wieder neu und immer wieder mit anderen Menschen aus der Gruppe. Ein Blick wird aufgefangen, die Augen sagen Ja, die Körper nähern sich, steigen übereinander, Rücken an Rücken, ist der Boden oben oder unten? Ja, ich vertraue.

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Man verliert das Gefühl für Raum und Zeit. Ich bin ich. Im Hier und jetzt. Eine Atmosphäre, in der man sich traut zu sein, in der alle sind und ich bin. Wo ich mich in dem Moment verliere, wo ich mich meinen Ängsten stelle und mich konfrontiere. Ein Trommeln der Hände macht die Musik. Die eine Hälfte gibt den Rhythmus vor, wir lauschen, folgen und vertrauen Gruppe. Niemand weißt was in fünf Minuten sein wird, einfach treiben lassen und das aktiv, nicht das Ergebnis zählt, sondern das Gefühl und die Momente, die dabei entstehen.

Fokus gibt Intensität.

Pausen zum richtigen Zeitpunkt verändern den Klang. Sätze in Sprechchören erfüllen den Raum, Bewegungen unterstreichen das Gesagte, lassen es authentisch wirken. Die Stimmen tragen und stärken und plötzlich ist da Gänsehaut.

Aus einem Satz, der auf Papier steht, wird ein gesprochenes Wort, aus dem Wort ein Satz, aus dem Satz eine Betonung, aus der Betonung eine Bedeutung und plötzlich ist er da. Da Satz mit Leben gefüllt, nicht länger nur schwarze Tinte, sondern ein Klang mit Gefühl. Deine Welt, dein Zugang zum Gegenüber. Ein Aktionsraum nimmt Form an, er wird lebendig und füllt die Erinnerung.

Das DU gehört zum WIR!

 

Silvester und Sägespäne

0
Feb
25
Katja
Klare Sicht

Mit Freunden sind wir in der Küche am Vorbereiten fürs Raclette. Ich hatte zuvor noch geschlafen und war ein wenig müde, als ich zur Runde in der Küche dazu stieß. So schnappte ich mir auch ein Brett und fang mit an zu schnippeln. Ab und an muss ich in dem Gewusel mal nachfragen und hatte was nicht verstanden. Dachte mir nichts dabei. Ein wenig später fragte mein Freund mich, ob ich meine Einstellung am CI verändert hätte. Ich wäre so still und frag auffällig viel nach. Nö.

Einstellungen überprüft. Sah alles gut aus. Nachgedacht, was den Tag über war. Wir hatten das Arbeitszimmer umgeräumt, eine Tischplatte per Kreissäge halbiert. Da, das war es… Vielleicht doch mal den Mikrofonschutz wechseln, schließlich stand ich mit einem Staubsauger in Schwall der Sägespäne und hatte meine Haare zum Zopf. Also Mikrofonschutz gewechselt. Und es war als hätte ich meine Brille nach einem Spaziergang auf einer staubigen Straße endlich mal ordentlich geputzt 🙂

Vom Glück ins letzte Konzert zu kommen

2
Okt
6
Katja

Eines lauen Sommerabends bin ich nach dem Treffen mit einer Freundin durch die Freiburger Altstadt gebummelt. Auf dem Weg nach Hause nahm ich Musik wahr und viele Leute saßen in Hochsommerstimmung auf dem Fußboden, teils sogar mit mitgebrachten Camping-Stühlen, mit einem Glas Wein in der Hand. Ach, das sieht schön aus, keine Ahnung was es ist, aber ich setzte mich mal in die Menge dazu. Auf einer riesigen Leinwand wurde ein Konzert übertragen. Die einführenden Texte des Moderators verstand ich nicht, aber die klassische Musik klang schon schön.

Pause –  Intermezzo

Es folgte eine Pause, ich holte mein Tagebuch raus und begann zu schreiben. Schließlich war das ein Erlebnis, was ich festhalten wollte. Ich spürte etwas hinter mir, es kam eine Frau um mich herum und sprach mich dann von vorne an. Ob ich Lust hätte, mit ins Konzert reinzukommen, es wäre jetzt der letzte Abschnitt und ihr Partner war aus terminlichen Gründen verhindert und es wäre ja so schade, wenn die Karte einfach so verfallen würde. Sie wäre dann einfach zur Live-Übertragung nach draußen in die Menge gegangen und wollte jemandem, der alleine sitzt eine Freude machen. Ich war nun völlig unvorbereitet, wo kam ich her: aus dem Freibad, entsprechend, noch leicht nasse, chaotische Haare, Sommer-Shorts und T-Shirt. Und ich sollte da rein, so schick angezogen wie sie alle waren… Ui, ui. Na, ich wusste das Glück zu schätzen und dachte, mir egal, wie ich aussehe, ich habe die Chance klassische Musik live zu erleben. Als sie mir dann auf meine Nachfrage auch noch erzählte, was für ein Konzert es war: das letzte Konzert des Südwest-Rundfunk-Orchesters, das nun mit einem anderen Orchester fusionierte. Und die Karten waren seit über einem Jahr ausverkauft.

Adagio

Sie stellte mich ihrem Freundeskreis vor und dann ging es auch schon zurück in den Saal. Ich erklärte ihr kurz, dass ich auf den Musikeindruck gespannt bin, da ich schwerhörig bin. Sie meinte, dass der Klang des Konzerthauses besonders herausragend sei. Uii, das setzt möglicherweise die Erwartungen hoch und ich bin mir manchmal einfach nicht sicher, ob ich so etwas raushören kann. Sie kannte sogar das Hörzentrum „Stegen“ und das CI und fragte mich auch ganz viel, wie ich die Musik höre und wahrnehme.

Adantino – Einfach eintauchen und loslassen

Es ging los. Erst kam ein ganz ruhiges Stück, mit ganz vielen leisen Tönen. Ich hörte eine Trompete, die immer wieder Soli spielte, aber ich sah sie nicht. Ich machte, statt mich zu wundern, einfach die Augen zu, und lauschte und beschloss einfach zu genießen ohne jegliche Ansprüche und zu beobachten, wie die anderen reagieren: Ich machte einfach meine Augen zu und machte meine eigene Musikreise. Das allerletzte Stück des Orchesters war sehr kontrastreich, sehr viele Instrumente spielten gleichzeitig und mit den Augen zusätzlich konnte ich sogar die Querflöte finden. Mit vielen Trommelwirbeln, und Tuschs und erneuten Auftakten im Lied endete dieser Auftritt. Inzwischen hatte ich auch den Trompeter erblickt, der hinter uns hoch oben in einer Kammer stand. Die Zuschauer standen auf, hielten Zettel mit „awesome, wonderful, you are amazing, lovely“. Es war ein ganz großer Abschied mit vielen zu Tränen gerührten Musikern.

Alegretto

Draußen fiel mir auf, dass ich meine Haare so hochgebunden hatte, dass man meine CIs deutlich sah, und nicht wie sonst eher dezent unter den Haaren. Wer weiß, vielleicht hat das meinem Glück einen Stupser gegeben?!

Der Klang des Caminos

0
Sep
27
Katja

Das Klackern des Stocks durchdringt den Wald und ist für lange Zeit das fast einzige Geräusch, begleitet wird es von einem stetigen Knirschen der Wanderschuhe auf dem teils gerölligen Weg. Immer wieder höre ich ein innerliches „Juhu“, wenn ich den nächsten wegweisenden gelben Pfeil des Caminos erblicke. Der Camino (Spanisch für „Weg“) führt auch über kleine Dörfer Galiziens, und hier ist so ruhig, dass der Hahn für die Unterhaltung sorgt und das nicht nur am Morgen, nein, zu jeder beliebigen Tageszeit. Es ist manchmal so ruhig, dass ich beim allgemeinen Rauschen, das an windigeren Tagen in der Luft lag, genauer hinhörte. Der Wind in den belaubten Bäumen raschelt anders, vielmehr es säuselt nahezu, als das Klappern der getrockneten Blätter von Maisstangen auf den Feldern, die dort liegen, soweit das Auge reicht. Manchmal höre ich plötzlich ein leises Plätschern, das immer lauter wird, je weiter ich dem Weg folge und versteckt unter Farnen entdecke ich eine kleine Wasserquelle.

Nicht jeder Wegesabschnitt war so romantisch ruhig und naturnah, so ändert sich manchmal die Geräuschkulisse recht schnell. Das Brummen herannahender Autos rückt in den Fokus der Aufmerksamkeit, immer wieder sausen sie schnell vorbei. Zum Glück führt meist schnell ein Abzweiger wieder in ruhigere Nebenstraßen. Begleitet unter so manchem Hundebellen ging es über die Dörfer, der tuckernde Trecker überholt einen gemächlich. Der Casanova flitzt auf dem sirrende Roller Mädels imponierend vorbei. Das Muhen der Kühe wechselt sich mit blökenden Schafen ab. Da galoppiert eine aufgescheuchte Ziegenherde unter lautem Gebimmel über die Straße.

Klack, Klack, Klack, eine Gruppe schneller, emsiger Wanderer überholt fliegenden Schrittes mich und ruft nach hinten „Buen Camino“. Ein Gruß, deren tieferen Bedeutung ich auf dem Weg zu verstehen und schätzen lerne. Auch nach einem langen Abend mit spannenden Gesprächen wünscht man sich beim Auseinandergehen „Buen Camino“ – kein großes Abschiednehmen, und doch mehr als ein Tschüss. Es ist ein Wunsch. Und es kann sein, dass man den Wegabschnittbegleiter wiedertrifft oder auch nicht und beides ist gut. Es ist wie ein hörbares und ausgesprochenes Loslassen mit guten Wünschen.

Doch bei einem war ich ganz klar im Vorteil: kein Schnarcher, kein im Schlaf redender Mensch, kein Weckerklingeln am Morgen um 4.00 und das Quietschen der Stockbetten und der Matratzen bei jeder Umdrehung konnte mich von meinem tiefen Schlaf im Schlafsaal mit manchmal bis zu 40 Betten abhalten. Ich wage es zu behaupten, dass ich mit den besten Schlaf hatte 🙂

Gefühlsfeuerwerk

3
Sep
23
Katja

Die Zusammenkunft so vieler verschiedener Mensch, die eines verbindet, wird auf dem Grafenschloss mit einem Galaabend gefeiert. Eine Gruppe führt mit tanzenden Händen das Lied „Ich bin ich“ auf.  In den Zuschauerreihen mit den anderen sitzend, spüre ich eine Gänsehaut meine Arme hochwandern. Meine Augen lasse ich durch die Menge schweifen und treffen auf andere Augenpaare und wir spüren, dass wir alle gerade ähnlich empfinden. Ohne einen Text mitlesen zu müssen, kann ich den Inhalt und die Bedeutung von einem Lied, dessen Text ich nicht kenne, verstehen. Endlich verstehe, fühle und spüre ich, was alle Normalhörenden in der Teeniezeit an Musik so gut fanden: sich mit ihr identifizieren können, sich wiederfinden können und sich spiegeln.

Musik mit ihrem Text ist in der Lage die Stimmung zu erfassen, und im richtigen Moment gehört, fühlt man sich nicht mehr alleine, da ist jemand irgendwo draußen in der Welt, der das gleiche fühlt, das gleiche denkt und ich fühl mich nicht mehr einsam. Es ist egal, dass ich nicht alle Gebärden verstehe, aber ich verstehe etwas und plötzlich hörte ich sogar mehr Worte aus dem Gesang heraus. Ich bekam mit, worum es in diesem Lied geht. Ich sehe und spüre, ob es ein trauriges, ein fröhliches, oder ein lustiges Lied ist. Ich hatte einen Zugang zu der Musik gefunden.  Meine Augen füllen sich mit Tränen der Rührung.

Tief durchatmen, gleich brauchst du auch deine volle Konzentration für das zweite Lied. „Vom selben Stern“. Wir stehen mit unserer Gruppe auf der Bühne und lassen unsere Hände tanzen. In mir breitet sich ein Gefühl der Freude, der Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit einer ähnlichen Ausprägung einem der Teil der eigenen Identität aus. Gegen Ende unseres Liedes blicken alle nach oben, weil wir alle das gleiche hören und sehen. Ein riesiges Feuerwerk wird unten an der Lahn abgefeuert. Eine Begeisterung geht durch die Menge und stürmt die Treppe hoch auf das Plateau des Gradenschlosses. Gedankenverloren stehen wir da, es wird sich umarmt, es wird gejubelt und es wird einfach nur der Moment genossen. Nun lasse ich meinen Freudentränen freien Lauf.

Nass oder trocken – trocken oder nass?

1
Apr
4
Katja

Rückblende 2003

Wasser ist mein Element. Aber geht das mit einem CI? Na klaro, es kommt einfach ab, davon lass ich mich nicht vom Schwimmen oder Kajaking abhalten. Beim Segeln mit der Familie jedoch waren die Ratschläge und gut gemeinten Hinweise nicht weit: „Hast du deinen Sprachprozessor in die Dose eingepackt?“, „Pass auf, dass du nicht mit dem CI hängen bleibst!“ (Es war noch der SPrint-Prozessor von ganz früher). Nach einer Brille kann man tauchen gehen, nach einem CI auch, nur verträgt sich Elektrizität mit Wasser nicht gerade optimal…

Bei befreundeten Seglern saßen wir nachmittags auf dem Schiff zusammen bei Kaffee und Kuchen. Ich saß mit den anderen Kindern auf der Kante und trank Apfelsaft. Plötzlich rutschte mir der Becher aus der Hand und landete mit einem Platsch in der Ostsee. Nichtsahnend dass auch ich gleich im Wasser sein würde, kletterte ich auf die kleine Heck-Plattform und hielt mich an der Badeleiter fest. Der Haken an der Sache war: die Badeleiter war nicht fest – ergo konnte sie mich nicht halten. Ich lehnte mich vor und griff nach dem Becher und ehe ich mich versah, war ich unter Wasser. Ei glitzerte die Sonne schön! … Irgendwas ist faul hier, irgendwas passt nicht mit meinem Weltbild zusammen. Ich mit CI hörend im Wasser, da ist was ganz schief, oder ganz, ganz still…

Japsend kam ich wieder an die Wasseroberfläche und ergriff die Hände, die mich aufs sichere Boot hochzogen. Da saß ich nun und mir dämmerte, dass mein Sprachprozessor unwiederbringlich kaputt war. Und das auf einer kleinen Insel irgendwo in Dänemark.

Ein Glück hatten wir im Holidaypack ein Ersatzgerät dabei. Mein größter Wunsch in dem Moment war, ich möchte doch nur einfach mal segeln und am Wasser sein, ohne ständig aufpassen zu müssen, an spontanen Wasserschlachten teilnehmen…

Ein paar Jahre später (2015)

Ich stehe auf der Slipanlage an einem großen See. Das Wasser glitzert in der Sonne, die Sonne scheint warm auf den Rücken. Trau ich mich oder trau ich mich nicht. Doch der Wunsch nach dem Erlebnis unter Wasser zu sein und ja, was dann? Was würde ich hören…? Was würde ich unter Wasser hören, was mir in meinem bisherigen Leben – immerhin ein Vierteljahrhundert – noch nicht möglich war. Wie würde es sich unter Wasser anhören…?

Mit einem Köpfer springe ich in den See hinein und blubb, blubb, blubb… ich schwebe im Wasser und ist es still. Eine Stille, die ich noch nicht kenne. Eine Stille, die ich hier nur im Wasser erlebe. Und ja, sie ist anders als wenn ich meine CI ablege. Ich schwimme tauchend ein paar kräftige Züge durch den See. Ein Glücksgefühl breitet sich in mir aus, ich gleite sanft durch die Wogen des Sees, das Wasser rauscht in meinem Ohr. Und ich ziehe immer mehr Züge und freue mich so sehr über das Plätschern.

Wieder zurück am Ufer – die Wassertaufe hat das CI mit der Wasserschutzhülle erfolgreich überstanden. Nun hole ich mein Laser-Boot und ziehe mit der Segler-Gruppe auf das Wasser. Bei einer kräftigen Windböe hänge ich meine Beine in den Gurt ein und reite aus. Das Boot fängt fast zu fliegen an, ich lasse meine Kopf baumeln und ziehe rücklings meine Haare durchs Wasser und es ist nicht länger still!

Mentoren gesucht

6
Mrz
3
Katja

Für den Austausch zwischen Familien mit CI-Kind(ern) und jungen Erwachsenen, die selbst CI-Träger seit der Kindheit sind.

  • 1:1 Kontakt (1 Familie: 1 Mentor)
  • möglichst wohnortnah
  • Sich mal zum gemeinsamen Abendbrot zuhause treffen, in einem Café, ca. 3-4x im Jahr bzw. je nach Interesse und Bedarf
  • Die Kinder können den jungen Erwachsenen als Vorbild sehen – positive Identifikation („Der „Große“ hat ja auch ein CI wie ich“).
  • Die Mentoren selbst können ihre Erfahrung einbringen und bekommen eine positive Rückkopplung – Stärkung der Identität.
  • Die Eltern können Fragen loswerden, die ihre Kleinen noch nicht unbedingt beantworten können – Ermutigung der Eltern.

Ich selbst bin 25 Jahre alt, und trage ein CI (zuvor Hörgeräte) seitdem ich 9 Jahre alt bin. Letztes Jahr im September habe ich mich für ein zweites CI entschieden und lerne nun links das Hören neu. Zurzeit wohne ich in Lübeck und über Bekannte ist der Kontakt zu zwei Familien entstanden, mit denen ich jeweils in Kontakt stehe.

Ich würde die Verbindung zwischen den Familien und den Mentoren herstellen. Wer Interesse hat, als Mentor aktiv zu werden, kann unter ci-mentor@gmx.de sich bei mir melden. Welche Familie gerne einen Mentor kennenlernen würde, kann sich ebenfalls unter der angegebenen Emailadresse melden. Bitte gebt in der Email euren Namen und die Postleitzahl eures Wohnortes an. Über die Postleitzahl würde ich eine möglichst wohnortnahe Kontaktaufnahme ermöglichen. Über eure Emailadresse würde ich den ersten Kontakt zwischen Mentor und Familie erstellen, erst dann erfolgt der Austausch von Adressen und Telefonnummern im Detail.