Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Mein Leben und Ich

0
Mai
11
madeleine

Ich durfte bei einer Veranstaltung des CIV BaWü zum Thema Selbstbestimmt/Fremdbestimmt dabei sein und nahm dort an einem wundervollen Workshop teil. Wir sollten uns einen “unschlagbaren Vorteil”, den wir durch unsere Hörschädigung haben, aussuchen, oder uns ein “persönliches Ziel” setzen und dieses “künsterlerisch” festhalten… ich habe versucht ein kleines “Mut-mach-Gedicht” zu schreiben:

Poetry Slam

Mein Leben und Ich

Mein ganzes Leben lang, wurde mir gesagt was ich nicht kann.

Du reagierst nicht wenn man mit dir spricht! Dabei ist es deine Pflicht! Es ist unhöflich, gehört sich nicht.

Ich sehe sie an, sehe sie reden, wie sie Ihre Lippen bewegen, versuche mich zu konzentrieren, ihre Mimik zu studieren.

Kann alles sehen, doch nicht verstehen. Jetzt, jetzt fühl ich mich allein und klein, wünsche mir ein Teil der Kommunikation  zu sein.

Hab wieder einmal alles gegeben, doch gefühlt ging es daneben.

Dabei will ich doch hören, einfach nur dazu gehören.

Im Leben ist nicht immer alles Gold was glänzt, es ist wichtig dass du das erkennst.

Und so erinnere ich mich an meine Ziele, erreicht hab ich davon schon viele.

Kenne nicht nur die Fische im Wasser, nein, es geht sogar noch krasser.

Es kostete mich Kraft, doch ich habe es geschafft, ohne Sinn fürs Gleichgewicht, den Motorradführerschein gemacht.

Wenn auch nur für kurze Zeit, dafür gesorgt das vom Leben auch was bleibt.

Jetzt stehe ich hier, sehe mich um, eine wunderschöne Erinnerung.

Ich liebe nicht nur Goethe, Schiller, Shakespeare und das Dichten, sondern auch lebendige Geschichten.

Träume nicht dein Leben, nein lebe deinen Traum! Es gibt deinem Leben soviel mehr Raum.

Bin durch Höhen und Tiefen gegangen, fühlte mich oft in der Stille gefangen.

Doch heute weiß ich, auch das kann ein Vorteil sein, nicht immer in der hektisch-lauten Welt zu sein.

Nun fragt ihr euch zurecht, was will sie nur mit diesem Text?

Ich möchte euch an diesen schönen Tagen, eines gerne sagen:

“Lasst euch nichts einreden, lasst euch nicht klein reden, lebt euer Leben und sagt niemals nie.” Auch ich bin glücklich mit Hörgerät und CI.

Sehe froh und mit Zuversicht in die Welt hinein, bin froh und stolz ganz ich selbst zu sein…

#deafohralive #dcig #freundschaftdieverbindet #nevergiveup #taubundtrotzdemhören #blog #cochleaimplantat #meinLebenundIch

Vom Zauber des Zuhörens…

2
Jan
18
madeleine

“Momo konnte so zuhören, dass den Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen . Nicht etwa weil sie etwas sagte oder fragte, nein sie saß einfach nur da und hörte einfach zu mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme”

Diesen Ausschnitt aus Michael Ende’s Bestseller Momo lese ich besonders gerne..

Gut zuhören können, ist eine Fähigkeit die in unserer Gesellschaft leider nicht mehr viele beherrschen, selbst unter den “Guthörenden”.

Ich denke da an die Zeit zurück in der ich noch etwas besser hörte, Gespräche liefen da mal so “nebenbei”, die kurze Unterhaltung beim Bäcker oder die Bestellung im Café, es war eben selbstverständlich.

Heute höre ich häufig Sätze wie: “ du bist so ein toller Gesprächspartner”, oder “mit dir unterhalte ich mich so gerne” und ja, ich führe wahnsinnig gerne Gespräche mit anderen Menschen, auch wenn ich häufig eher der passive Part dabei bin – mag aber auch daran liegen, dass sich einige Menschen wohl aber auch selbst gerne reden hören.😉

Dennoch, in einer Unterhaltung muss ich meinem Gesprächspartner die volle Aufmerksamkeit schenken um ihm auch Wort für Wort folgen zu können, dazu benötige ich ausreichend Licht und häufig auch das Mundbild. Dem Gesprächspartner aufmerksam ins Gesicht zu sehen ist für mich und andere schwerhörige selbstverständlich, bei den “Guthörenden” ist das mit ein Grund dies auch als Wertschätzung ihrer Person anzusehen. Die Vielfältigkeit der menschlichen Stimme die unterschiedlichen Klänge und Dialekte all dass was es für uns oft schwer macht Gespräche zu verstehen, all das macht eben auch den Zauber des Zuhörens aus ..

Ich bin froh, dass ich diesen Zauber dank Cochlea Implantat und Hörgerät nicht verloren habe und eines Tages vielleicht doch zuhören kann wie Momo … Weiterlesen

Wo ist der rote Faden?

4
Nov
3
madeleine

Jeder von uns hat mit Sicherheit in Gesprächen oder Vorträgen schon einmal den “Faden verloren”, oder?

Doch hatte ich ihn überhaupt schon gefunden ? 

Diese Frage nahm ich aus Kassel, der 5. Blogwerkstatt mit nach Hause. Seit ich im August 2016 bei der 3. Blogwerkstatt, das erste Mal auf andere Hörgeschädigte in meinem Alter traf, versuche ich das Erlebte in Worte zu fassen, was mir bisher nicht wirklich gelang – zu intensiv waren und sind die Gefühle dabei. Zu Hause lebe ich in einem komplett “guthörenden” Umfeld. Natürlich bringen meine Freunde und die Familie Geduld und Verständnis für mich auf, dennoch fühle ich mich oft nicht wirklich verstanden.

“Gut gemeinte Ratschläge”

Ich müsse “einfach mehr üben”, “mein Hörgerät lauter stellen” oder mal wieder zur CI Einstellung gehen. Solche und ähnliche Aussagen beantworte ich zwar meistens mit einem Lächeln, empfinde sie aber häufig trotzdem als verletzend. Dem entsprechend ruhig und zurückhaltend war ich als ich damals in Diez (#BW3) ankam. Zu schlecht waren meine Erfahrungen in fremden Gruppen. Doch das änderte sich schnell. Jeder wurde herzlich aufgenommen, begrüßt und umarmt. Ein Umfeld in dem man sich auf Anhieb wohl fühlte.

Die 5 Tage vergingen wie im Flug. Zu Hause angekommen war ich noch tagelang überwältigt von den vielen Eindrücken und Emotionen der vergangenen Tage. Doch eines war bereits klar: “Ich komme wieder”.

Blogwerkstatt 4 – Spaß im Schnee 

Als Ski-Anfänger stellte ich mich der Herausforderung in St. Jakob, Osttirol (#BW4). 230 Tage warten hatte nun endlich ein Ende. Schnell war es wieder da, dieses Blogwerkstatt-Feeling”, das ich nicht wirklich beschreiben kann, aber so vermisst hatte. Eine Woche verbrachten wir gemeinsam in Österreich und wieder zeigte sich, was für eine tolle Gemeinschaft wir sind. Denn egal ob Anfänger oder Profi, jeder half jedem und der Spaß stand im Vordergrund. Selbstverständlich, dass ich nach all diesen Erlebnissen auch in Kassel bei der #BW5 wieder dabei sein wollte.

Diesesmal ging es beim Tanztheater sehr ruhig und gefühlvoll zu. Als Hörgeschädigter mit der eigenen Stimme zu arbeiten, ist mir und anderen anfangs sicherlich nicht leicht gefallen. Doch auch hier zeigte sich die Stärke in der Gruppe. Zusammen erzeugten wir einen fantastischen Klangteppich, der Gänsehaut entstehen ließ.

Der Weg ist das Ziel..

Es scheint, dass ich den roten Faden wohl gefunden habe – in der Gemeinschaft und im Kontakt unter Gleichgesinnten.

WIR sind der rote Faden !!

#wirsindallegleich #Focus #Gegensätze #roterFaden #ichdankeeuchallen #dcig #deafohralive

“Versteckspiel”

1
Feb
7
madeleine

“Wir haben zwei Ohren und einen Mund damit wir mehr hören als reden”

Nicht gerade ein Spruch den ein 10 jähriges, einseitig ertaubtes Mädchen gerne in Ihrem Poesiealbum liest oder?

Gut, ich muss zugeben meine damalige Lehrerin der 3.Klasse wusste mit aller höchster Wahrscheinlichkeit nichts von meiner Hörschädigung, genauso wenig wie mein ganzes weiteres Umfeld zu diesem Zeitpunkt.

Außerdem war ich soweit ich mich erinnern kann und nach den Erzählungen meiner Eltern wohl ein sehr “geschwätziges Kind. 🙂

Dennoch hat mich dieser Spruch sehr geprägt. Ich wusste schon früh das ich “anders” war und konnte das auch gut verstecken, was mir auch noch viele weitere Jahre gelang. Schließlich hat man ja zwei Ohren zum Hören und nicht nur eines ??

Also schummelte ich mich in meinem Leben durch Kindergarten, Schule, Familie und Freundeskreis bis hin zur Ausbildung.

Dort fand mein jahrelanges Versteckspiel mit mir selbst nun endlich sein Ende, denn alle in meiner damaligen Ausbildungspraxis dachten ich sei desinteressiert oder gelangweilt, da ich oft einfach nicht reagierte. Meine Ausbildungsstelle stand auf dem Spiel, also suchte mein Chef das Gespräch mit mir, er hatte mich “entlarvt”.

Es war wie ein riesen Fels der herunter brach, als ich mich ihm öffnen konnte und natürlich flossen Tränen.

Auch danach dauerte es noch einige Jahre bis ich anfing (einigermaßen) offen mit meiner Situation um zu gehen, denn sein Verhalten ändert man ja nicht so einfach von heute auf morgen. Noch dazu war es bis dahin ein ziemlich ausgeklügeltes System in dem ich lebte. Mit der Zeit fiel es mir aber immer leichter mit mir und meiner Situation zurecht zu kommen.

Als dann irgendwann mein bis bis dahin gesundes rechtes Ohr anfing ebenfalls schlechter zu werden wusste ich dass es so nicht weitergehen konnte und ich musste handeln.

Heute bin ich seit mittlerweile fast 3 Jahren stolze Trägerin eines Cochlea Implantates und froh das ich so bin wie ich bin.

Der Weg ist zwar nach wie vor steinig, aber es lohnt sich ihn zu gehen.

Vor allem im letzten Jahr durfte ich wahnsinnig tolle Menschen kennen lernen und viele unvergessliche Momente mit Ihnen erleben.

Nun kann ich endlich lernen die Welt mit beiden Ohren zu entdecken und freue mich auf das was mich mit meinem CI noch alles erwartet…