Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Buona giornata! Tag 3 aus Italien

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Okt
10
CI-Scouts

Bei unserem Besuch in der Klinik in Varese haben wir Superwoman getroffen. Dr. Elena Cristofari ist eine herausragende, engagierte Ärztin, für die das Wohl der Patienten immer an erster Stelle steht. Sie konnte uns sehr viel über das Thema Hörschädigung in Italien erzählen und hat uns viele Fragen beantwortet. Das Krankenhaus in Varese (größtes Center in Italien) ist eines von drei, in denen Kinder implantiert werden. Besonders beeindruckt hat uns die Intensität der Nachsorge: Diese findet nicht nur persönlich statt, sondern beispielsweise für im Ausland lebende Patienten per Videoanruf (Dr. Cristofari nannte Städte wie Dubai und Dhakar). Sogar am Wochenende und in der Nacht ist das Personal per Smartphone erreichbar. Dies betrifft nicht nur das Sprachtraining, sondern auch technische und medizinische Fragen (in diesem Fall kommuniziert das Personal mit Ärzten vor Ort). Bezüglich der Finanzierung von Hörgeräten und Cochlea Implantaten fanden wir heraus, dass hier wie in Deutschland für Kinder keine Kosten entstehen und Erwachsene bei Hörgeräten teilweise Zuzahlungen leisten müssen. Eine bilaterale Versorgung ist in Italien kein Problem. Wie in Deutschland wird bei der Rehabilitation daraufhin gearbeitet, dass Hörgeschädigte ohne Mundbild verstehen lernen . Die AGUAV macht sich in der Politik für die Interessen von Hörgeschädigten stark und will erreichen, dass eine Versorgung mit Hörhilfen so selbstverständlich wird wie das Tragen einer Brille. Bei einem Rundgang stellten wir viele Ähnlichkeiten zu deutschen Einrichtungen fest. Außerdem fanden wir heraus, dass die Firma Cochlear europaweit nur zwei Service Points in CI-Kliniken betreibt – einen davon in Varese und einen in Hannover. Spannend war für uns die Teilnahme an zwei Sprachtherapie-Sitzungen. Eine davon mit einem 3-jährigen Jungen, welcher mit Hörgeräten versorgt ist, und eine mit einem 5-jährigen Mädchen, das zwei CIs trägt. Bemerkenswert war der sehr vertraute Umgang der Pädagoginnen mit den Kindern. Die kleinen Kinder werden auf dem Arm getragen und generell bestehen keine Berührungsängste. Während der Therapie bleiben die Eltern draußen. Die Kinder werden regelmäßig mit einem High-Five („il cinque“) oder einem deutlichen „Bravissimo!“ bzw. „Bravissima!“ belohnt.

Abgerundet wurde dieser eindrucksvolle/eindrucksreiche Tag mit leckerer Pizza und Vino in sympathischer Runde mit jungen CI-Trägern aus Varese.

Wir haben sehr viel aus Italien mitgenommen und Kontakte zu wunderbaren Menschen wie Beatrice und ihrer Familie sowie zu den jungen, hörgeschädigten Italienern geknüpft. Zudem können wir sagen, dass bei der Versorgung von Hörgeschädigten in Deutschland und Italien viele Parallelen (etwa bei Anpassung und Therapie), aber auch leichte Unterschiede bestehen.

Europa auch für uns! Junge gehörlose Erwachsene als Europakundschafter: Europa ist auch ein Thema für hörgeschädigte Menschen. So einfach, wie das klingt, so wenig ist das Thema tatsächlich in der Selbsthilfe präsent. So wenig wird es wirklich gelebt und gelernt, so wenig gibt es persönliche Kontakte und Begegnungen. Daher möchte die DCIG zum ersten Mal die Möglichkeit anbieten, direkte Verbindung mit schwerhörigen Menschen aufzunehmen, die in unseren Partnerländern in Europa leben.

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