Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Kopfhörerparty

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Die Vielfalt des Hörens ist genauso groß, wie die Vielfalt des Nichthörens. Deswegen gibt es auch verschiedene Hilfsmittel, die helfen die Welt zu verstehen. Das CI, das Hörgerät und das Knochenleitungshörgerät in verschiedenen Formen.

Zu meiner Person. Seit meinem 16. Lebensmonat trage ich auf beiden Seiten ein Knochenleitungshörgerät. Die Geräte trage ich, weil meine Gehörgange verknöchert sind und das operative Öffnen nicht möglich ist. Jedenfalls kann man sich das so vorstellen, dass ich ohne Geräte so höre, als hätte man Wattebäusche in den Ohren ( also die Normalhörenden können sich das jetzt am besten vorstellen….). Die Geräte nehmen die Geräusche der Umwelt über ein Mikrofon auf und verstärken sie.

Dafür das ich schlecht höre, höre ich gut. Trotzdem muss ich mich auch den Herausforderungen des Alltages stellen, wie das Telefonieren, den Wind der durch die Geräte pfeift oder den Gruppenveranstaltungen mit lauter Geräuschkulisse.

Zurück zu den Knochenleitungsgeräten. Diese habe ich bis zu meinem 13. Lebensjahr in einem dicken Stirnband von FILS oder Adidas getragen.  Ästhetisch sah es nie aus und in der Pubertät litt  ich ziemlich darunter. Dann kam die Erlösung. Die Fixierung der Geräte an einen Stirnreif. Ein Accessoire mit Funktion. Durch meine dicken Locken sind die Geräte gar nicht mehr aufgefallen. Die Lebensqualität hatte sich schlagartig verbessert.

Natürlich gehen sie auch mal kaputt, so wie vor ein paar Monaten. Zum Glück konnte meine Akustikerin gleich mit einem Leihgerät, einem Baha von Cochlea (Knochenleitungsgerrät , Mikro und Verstärker in einem) aushelfen. Allerdings waren die Geräte an einem Stirnband befestigt. Das war viel schmaler, als die die ich damals hatte und fast so braun wie meine Haare, fiel also kaum auf. Aber ich musste es die ganze Zeit vorne, ganz nah an der Stirn tragen, sonst wäre es immer nach hinten gerutscht. Die Schiebreglerschnalle, mit der man das Band verstellen konnte saß genau mitten auf der Stirn. Einige haben es überhaupt nicht bemerkt und andere fragten, ob es ein BH- Band wäre. Mit dem Band habe ich mich  unwohl gefühlt und konnte es kaum erwarten, nach unendlichen drei Monaten, meine Geräte wieder abzuholen. Die Firma ist normalerweise immer schnell bei der Reparatur, aber zu meinen Leidwesen,  ließen sie sich diesmal ordentlich Zeit.

Da ich glaube, dass nichts einfach so passiert, hat sich das Warten gelohnt. Denn wenn es nicht so lange gedauert hätte, hätte sich folgende Konversation mit meiner neuen Kollegin nicht abgespielt:

Mit meinen Kollegen war ich auf einer Kopfhörerparty. ‘Kann ich das alles auch hören, also sind die Kopfhörer laut genug und haben sie ordentlich Bass?’, dachte ich. Den Gedanken teilte ich mit meinen Kollegen. Dennoch beschloss ich mit zu gehen, da ihrer Meinung nach, auch das einfache Beobachten des Geschehens amüsant sein konnte. Die Sorgen waren unbegründet , die Kopfhörer  waren laut genug und ohne die Geräte konnte ich die Musik sogar besser hören, da ich die Umgebungsgeräusche nicht wahr nahm. Das war der Hammer!  Meiner liebe Kollegin Melli, die sich mit mir freute  klärte ich  ein bisschen über meine Hörgeräte auf. Ich klagte über die lange Abwesenheit meiner Hörgeräte und über das verhasste Stirnband.

” Das ist mir gar nicht aufgefallen, mir ist es egal, ob du jetzt ein Band oder einen Stirnreif trägst”, sagte sie.  Da ist mir wieder bewusst geworden, das Äußerlichkeiten eben nur Äußerlichkeiten sind. Nicht die Hörschädigung ist das was von mir wahrgenommen wird, sondern ich als Person. Klar, die Hörschädigung ist ein Teil, aber eben nicht alles. Jetzt habe ich meine Hörgeräte wieder, die ich wie Kopfhörer aufsetzen kann- die Party geht also weiter.

 

 

Das Ich im Wir…

2
Okt
9
rannika

Wenn man früh morgens aus dem Bett aufsteht und das Pegel der Vorfreude immer weiter nach oben steigt, sobald man im Zug oder Auto sitzt, dann ist wieder klar, dass eine neue Blogwerkstatt vor der Tür steht. Das Ziel dieses Mal: Berlin, unsere Bundeshauptstadt und ein ganz heißes Pflaster was die Sache mit der Schwerhörigkeit anbelangt. Es standen fünf Tage an. Fünf Tage mit Gleichgesinnten zusammen zu sein: Das heißt sich auszutauschen über seine Erlebnisse im Alltag, sich gegenseitig Tipps und Ratschläge zu geben oder auch voneinander zu profitieren und zu lernen. Kurz gesagt, gelebte Selbsthilfe eben. Dann natürlich alte Gesichter wiedersehen und neue Gesichter kennenlernen; Spaß haben und tanzen.

Das Motto dieses Mal lautete: Tanztheater Level 2 – Du gehörst zum Wir! Es sollte eine Fortsetzung zur Blogwerkstatt 5 sein, welche in Kassel stattfand und auch das Thema Tanztheater hatte. Dort stand das WIR im Fokus. Dieses Mal in Berlin ging es um das ICH. Roman Windisch gab uns hierzu am ersten Tag folgende Frage mit auf den Weg, mit der wir uns die Tage über beschäftigten: Wer bist DU im WIR? und auch das wir ihm und uns selbst vertrauen sollen. Wohin das alles hinführen wird, wussten alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es ging in den fünf Tagen darum, aus uns herauszukommen, neue Bewegungen auszuprobieren. Sich selber spüren oder auch zu spüren was sich noch alles so in einem selbst versteckt, was bis dahin noch unentdeckt blieb. Wir arbeiteten in Kleingruppen. Dabei ging es darum, sich selbst zu finden und sich gleichzeitig mit der Kleingruppe auseinanderzusetzen, auf der Suche nach dem eigenen ICH. Die meiste Zeit waren wir in den Räumen der Tanztangente.

Doch nein, wir versteckten uns nicht. So machten wir uns zwei Mal auf den Weg, den Botanischen Garten zu besuchen. Dort vertieften wir unsere Choreographien weiter. Es waren für alle total neue Erfahrungen. Denn wer fängt plötzlich in der Öffentlichkeit einfach so an zu tanzen? Blicke der anderen Besucher und Besucherinnen des Botanischen Gartens waren somit vorprogrammiert. Doch wer am Anfang noch Sorge hatte, dass wir dabei bei unseren Bewegungen beobachten werden und am liebsten im Boden versunken wäre, wurde eines Besseren belehrt. Zumindest mir ging es so. Man ist so fokussiert auf sich selbst, da ist es ganz egal wo man gerade ist und wie man sich bewegt. Die Eindrücke der Umwelt werden zwar wahr genommen, wie beispielsweise der Wind, die Menschen, das Gras, der Himmel und die Erde oder auch das Wetter (das erste Mal traumhaft sonnig, das zweite Mal nasskalt und regnerisch), aber man wird Eins mit sich selbst. Man vergisst alles um sich rum, bis der Tanz zu Ende ist. Ganz nach dem Motto von Fred Astaire: „Tanzen ist Träumen mit den Füßen“.

Damit das Tanzen nicht zu einseitig wird für uns, wurden wir an einem Nachmittag mit dem Auftrag überrascht in 70 Minuten ein Musikvideo zu drehen, zum Lied „Die Fantastischen Vier – Zusammen feat Clueso“, das nicht geschnitten wird. Das bedeutete für alle Beteiligten volle Konzentration von Anfang bis zum Ende. Wir haben uns alle so sehr in unseren Auftrag gestürzt. Das Ergebnis ist der Hammer! Es war für uns alle sehr positiv und überraschend anzusehen, wie wandelbar wir sind.

Doch auch der Spaß sollte nicht zu kurz kommen. Das unbeschreibliche Gefühl der Gemeinschaft. Gruppenkuscheln. Wärme spüren. Berlin erleben. Die Zeit der Blogwerkstatt 7 fiel auf die Tage vor dem 3. Oktober. Der Feiertag für Deutschland und wir an dem Ort wo vor 28 Jahren Geschichte geschrieben wurde. Der Tag der deutschen Einheit und auch wir merkten, wir sind eine Einheit und trotzdem ICH. Eine Einheit deshalb, weil die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich anreisten. Die Tage vergingen wie im Flug und viel zu schnell mussten wir wieder voneinander Abschied nehmen. Aber das Gefühl und die Erlebnisse der letzten Tage lassen einen gestärkt in den Alltag zurückkehren.

 

 

ICH gehör zum WIR: Warum die Junge Selbsthilfe keine Eventagentur ist

3
Okt
8
laurahaertel

Ich geb´s ja zu: ich wollte einfach nur Skifahren. Die junge Selbsthilfe der DCIG bot eine „Blogwerkstatt im Schnee“ an, ich dachte mir „Skifahren – super und mit anderen Schwerhörigen ist es ja auch ein bisschen entspannter als unter Hörenden und was die da sonst noch so von Workshops labern… auch, da musst du dann halt auch durch.“ Ich hatte ja keine Ahnung!

Was ich bei der Blogwerkstatt erfahren habe, übertraf nicht nur meine Erwartungen, sondern auch meine Vorstellungskraft. Meine Erfahrungen mit Gruppen waren nie die besten gewesen. Zu groß die Anstrengungen unter lauter Hörenden, zu groß und andauernd der Kampf, nicht nur akzeptiert, sondern selbstverständlich Teil der Gruppe zu sein. Unter anderen Schwerhörigen ist das natürlich besser. Aber auf der Blogwerkstatt habe ich ein ganz neues Gruppengefühl kennengelernt, das von Vertrauen, bedingungsloser Akzeptanz, Wohlwollen und echten Interesse am Anderen geprägt ist. Man kann es eigentlich nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.

Kurz bevor ich das erste Mal nach St. Jakob fuhr, erschien die Ankündigung für die folgende Blogwerkstatt: Tanztheater in Kassel. Ich dachte mir „Soweit kommt es noch. Okay, fährst du jetzt mal mit zum Skifahren. Aber Tanztheater – nie im Leben!“ Kaum war ich wieder zu Hause, füllte ich das Anmeldeformular für Kassel aus. Denn inzwischen weiß ich: Es ist nicht wichtig, was wir machen. Wichtig ist, wie wir es machen. Das offizielle Programm, das tatsächlich oft wie eine einzige Party, oft aber auch nach harter Arbeit aussieht und beides auch ist, ist das eine. Aber das andere ist der inoffizielle Part, das „Drumherum“ – hier findet unheimlich viel statt. Die vielen intensiven Gespräche, der Erfahrungsaustausch, aber auch einfach die Art und Weise, miteinander umzugehen sowie das Gefühl, selbstverständlich dazuzugehören. Zusammen können wir über uns hinauswachsen und Dinge tun, die ich mich alleine nie getraut hätte: Im Bikini die Skipiste runterfahren oder auf der Alm vor aller Leute Augen Linedance tanzen, oder auf der Wiese im Park mitten in Berlin tanzen und dabei von außen betrachtet vermutlich ein bisschen wie bekiffte Hippies aussehen – all das ist nicht nur möglich, sondern fühlt sich auch noch verdammt gut an.

Jetzt sitze ich im Zug zurück nach Hause. Es fühlt sich komisch an, irgendwie leer und alleine, aber gelichzeitig emotional komplett erfüllt von der Zeit in Berlin. Die meisten von uns sind jetzt auf dem Weg zurück in die „hörende Welt“. Aber auch in dieser Welt spielt die Blogwerkstatt inzwischen eine sehr wichtige Rolle. Sie ist wie eine Kur, eine Kraftquelle, die ich von Zeit zu Zeit einfach brauche, um weitermachen zu können.

Ja, die Blogwerkstatt ist jedes Mal ein riesiges Event. Aber sie ist viel mehr als das. Wir können zwischen Workshops, intensiver Gruppenarbeit, Sport, tiefsinnigen Gesprächen (für die andere Leute einen teuren Psychologen bezahlen) und rauschenden Partys hin- und herwechseln, und das oft übergangslos. Zusammen mit dem einmaligen WIR-Gefühl entsteht so das Blogwerkstattfeeling – und das ist reine Selbsthilfe.

 

Yoga oder lerne deine innere Stimme kennen.

1
Aug
10
Katja

Neulich, da war die große Mondfinsternis. Da fand ein Yogakurs bei mir um die Ecke im Park statt.Schnell die Sachen gepackt und los. Kurz noch überlegt, nehme ich das Funk-Mikro mit, ach nö, ich will es ja entspannt und letztes Mal habe ich die Kursleiterin ja auch gut verstanden.

Also voller Vorfreude hin, ich stieß als letzte zur Gruppe dazu. Sie saßen im Gras auf ihren Matten im Halbkreis. Eine Lücke gab es noch, also legte ich mit dort hin. Eine innere leise Stimme sagte noch: frag doch, ob die anderen rutschen können, damit ich dichter neben der Kursleiterin sitzen kann. Psst, du willst doch nicht auffallen und den anderen Mühe machen.

Dann ging’s los. Ich freute mich auf die Anfangsentspannung. Ich machte die Augen zu und hörte nur einzelne Worte. Ich machte die Augen wieder auf und schaute zur ihr hin. Ich versuchte mich selber mit eigenen Worten in die Entspannung zu bringen. Aber hast du schon mal versucht mit offenen Augen zu entspannen? Meistens macht man irgendwann doch die Augen zu. Der Wind nahm zu und rauschte durch die Bäume. Unsere Gruppe war unter einer Weide im Park mit vielen Bäumen. Irgendwie klappt das nicht mit dem Entspannen. Etwa zehn Meter saßen nun auch mittlerweile etwa 30 Leute am Grillen, Reden und Lachen. Ich kann sonst Nebengeräusche recht gut ausblenden, aber heute ging das einfach nicht. Mein Frust stieg. Meine innere Stimme meldete sich zu Wort und sagte, tja hättest du mal das Funk-Mikro eingepackt, dann könntest du jetzt bestens folgen und die anderen wären auch nicht so laut zu hören. Und tja, dann leg dich doch einfach um. Aber dann unterbreche ich ja die Stunde.

Zum Glück ging es nun von der Entspannung aktiv weiter in die Yoga Übungen. Jetzt konnte ich wenigstens die Übungen nachmachen. Verstand zwar auch nicht alles, gerad die Erklärungen der Hintergründe zu den Übungen nicht.

Und wieder einmal war mein Ego stärker als die positiven Erfahrungen, wo ich das Funk-Mikro schon öfters beim Yoga genutzt habe und jedes einzelne Wort verstanden habe, egal wo die Leiterin gerad im Raum stand. Und jedes Mal war ich glücklich gewesen, dass ich mich überwunden hatte zu fragen.

Letztendlich ging ich nach Hause, ohne viel vom Yoga selbst mitgenommen zu haben. Ich schaltete meine CIs aus und nahm mir einen Abend in der Stille und auch noch den nächsten Morgen. Zwischendrin gestand ich mir ein, dass ich es auch manchmal nicht mag, schwerhörig zu sein und ließ die Tränen laufen. Und war aber ein wenig später dankbar, zu wissen und vor allem auf den Blogwerkstätten erfahren zu haben, damit nicht alleine zu sein 🙂 Und irgendwann habe ich mir gesagt: Hej, es ist alles in Ordnung. Und hab mich wieder riesig auf Hören und Verstehen gefreut. Und habe zum Auftakt eines meiner Lieblingslieder gehört.

Mein Leben und Ich

0
Mai
11
madeleine

Ich durfte bei einer Veranstaltung des CIV BaWü zum Thema Selbstbestimmt/Fremdbestimmt dabei sein und nahm dort an einem wundervollen Workshop teil. Wir sollten uns einen “unschlagbaren Vorteil”, den wir durch unsere Hörschädigung haben, aussuchen, oder uns ein “persönliches Ziel” setzen und dieses “künsterlerisch” festhalten… ich habe versucht ein kleines “Mut-mach-Gedicht” zu schreiben:

Poetry Slam

Mein Leben und Ich

Mein ganzes Leben lang, wurde mir gesagt was ich nicht kann.

Du reagierst nicht wenn man mit dir spricht! Dabei ist es deine Pflicht! Es ist unhöflich, gehört sich nicht.

Ich sehe sie an, sehe sie reden, wie sie Ihre Lippen bewegen, versuche mich zu konzentrieren, ihre Mimik zu studieren.

Kann alles sehen, doch nicht verstehen. Jetzt, jetzt fühl ich mich allein und klein, wünsche mir ein Teil der Kommunikation  zu sein.

Hab wieder einmal alles gegeben, doch gefühlt ging es daneben.

Dabei will ich doch hören, einfach nur dazu gehören.

Im Leben ist nicht immer alles Gold was glänzt, es ist wichtig dass du das erkennst.

Und so erinnere ich mich an meine Ziele, erreicht hab ich davon schon viele.

Kenne nicht nur die Fische im Wasser, nein, es geht sogar noch krasser.

Es kostete mich Kraft, doch ich habe es geschafft, ohne Sinn fürs Gleichgewicht, den Motorradführerschein gemacht.

Wenn auch nur für kurze Zeit, dafür gesorgt das vom Leben auch was bleibt.

Jetzt stehe ich hier, sehe mich um, eine wunderschöne Erinnerung.

Ich liebe nicht nur Goethe, Schiller, Shakespeare und das Dichten, sondern auch lebendige Geschichten.

Träume nicht dein Leben, nein lebe deinen Traum! Es gibt deinem Leben soviel mehr Raum.

Bin durch Höhen und Tiefen gegangen, fühlte mich oft in der Stille gefangen.

Doch heute weiß ich, auch das kann ein Vorteil sein, nicht immer in der hektisch-lauten Welt zu sein.

Nun fragt ihr euch zurecht, was will sie nur mit diesem Text?

Ich möchte euch an diesen schönen Tagen, eines gerne sagen:

“Lasst euch nichts einreden, lasst euch nicht klein reden, lebt euer Leben und sagt niemals nie.” Auch ich bin glücklich mit Hörgerät und CI.

Sehe froh und mit Zuversicht in die Welt hinein, bin froh und stolz ganz ich selbst zu sein…

#deafohralive #dcig #freundschaftdieverbindet #nevergiveup #taubundtrotzdemhören #blog #cochleaimplantat #meinLebenundIch

Familientreffen der besonderen Art #BW6

0
Mrz
26
Norma

Bald ist Ostern. Ostern ist ein Familienfest, so wie Weihnachten und Geburtstage. Die ganze Familie kommt zusammen und feiert. Oder auch nur ein Teil.

Dann gibt es da noch die Blogwerkstatt. Jede Blogwerkstatt ist ein Familientreffen auf einem ganz anderen Level. Zahlreiche junge Erwachsene mit Hörschädigung begegnen sich und sofort ist das familiäre Gefühl da! Das Vertrauen füreinander, keine Scheu vor Nähe!

Die Blogwerkstatt VI fand erneut in St. Jakob in Defereggen statt. Auf dem Tagesprogramm standen Skifahren und anschließend Workshops rund um Öffentlichkeitsarbeit. Trotz straffem Tagesablauf und teilweise wenig Schlaf (zumindest für die, die bis in die späten Stunden schnackten und spielten) strotzten wir immer vor Energie – sowohl auf der Piste als auch in der Arbeitsgruppe.

Wie schon zuvor in Kassel und Frankfurt erlebte ich ein großartiges Gefühl in der Gemeinschaft. Wir helfen einander. Wir vertrauen einander. Wir machen einander stark. Zusammen sind wir einfach unschlagbar! Nirgendwo sonst habe ich so viele Umarmungen in so kurzer Zeit erhalten – besonders nicht mit Leuten, die ich erst seit ein paar Stunden oder Tage kenne! Diese Art von Nähe ist nicht selbstverständlich, aber hier gibt es sie.

Was war noch?

Wetter war klasse! Nur anfangs gab es Nebel auf den höher gelegenen Pisten, ansonsten viel Sonnenschein, wie es sich gehört.

Statt Après-Ski gab es teilweise leckere Heißgetränke oder auch kühle Drinks im Café zwischen Herberge und Seminarraum. Man wollte ja wachbleiben für die Workshops.

Uuuund es wird noch ganz tolle Produkte geben, wie etwa ein ganz besonderes Drohnen-Video… mehr verrate ich hier nicht! ;P

Ach ja, die traditionelle Nacktabfahrt durfte natürlich auch nicht fehlen! 😉

Das schönste Geschenk am Ende dieser Familienfeier war die Nachricht: Wir kehren 2019 zurück nach St. Jakob!

Hinter den Ohren unter die Haut!

2
Feb
22
Norma

Eine kleine Berichterstattung für all jene, die nicht beim Fotoworkshop dabei waren, aber gerne etwas darüber erfahren möchten.

Am Freitag, 16. Februar 2018, sind wir nachmittags alle nach und nach im Hotel in Frankfurt eingetrudelt, haben eingecheckt und die Koffer aufs Zimmer gebracht, bevor es zum Seminarraum ging. Hier wurden wir von Oliver begrüßt und über den weiteren Verlauf des Wochenendes informiert. Des Weiteren wurden die Lebensgeschichten der fünf Models kurz vorgestellt. Für diese sollten wir am darauffolgenden Tag in einem professionellen Fotostudio mit dem den meisten von uns bereits bekannten Profifotografen Christian Borth (#CSH123, anyone?) passende Schnappschüsse machen.

Witzigerweise war parallel in einem benachbarten Seminarraum eine andere Veranstaltung der DCIG: ein Workshop für Eltern mit hörgeschädigtem Kind. Wir trafen dort Barbara und haben uns und unsere Junge Selbsthilfe spontan kurz den anwesenden Eltern vorgestellt. Dadurch können sie sich vielleicht ein Bild von der glorreichen Zukunft ihrer Töchter und Söhne in der besten Community überhaupt machen. 🙂

Zu Abend gab es dann typisch hessisch Speis und Trank, z. B. Frankfurter Schnitzel mit grüner Soße, Handkäs-Salat und Apfelwein. Zu guter Letzt wurde noch im Hotelzimmer 402 der 30. Geburtstag von Ole reingefeiert – wie es sich gehört mit Sekt, Musik und Tanz!

Am Samstag ging es nach einem ordentlichen Hotelfrühstück zum Fotostudio. Hier wurden wir von Christian Borth in die höhere Kunst der Fotografie und Ausstattung eingewiesen. Dazu gehörte der Aufbau der drei Sets und ganz besonders wichtig: die richtige Belichtung! Während wir Christian durchs Studio folgten und aufmerksam seinen Erklärungen zu den Kameraeinstellungen per Induktionsschleife lauschten, wurden die fünf Models von einer Stylistin und einer Kostümbildnerin mit Make-up und Garderobe kameragerecht aufgepeppt.

Schließlich wurden bis in den Abend hinein bestimmt tausende Fotos mit verschiedensten Posen und Perspektiven geknipst.  Wir bildeten drei Teams, die regelmäßig die Sets austauschten, damit wir jedes einzelne austesten konnte. Es war sehr interessant und ich glaube, viele von uns haben an dem Tag einiges dazu gelernt. Vielleicht gibt es sogar jemanden, der sich jetzt durch diese Erfahrung zum Hobbyfotografen entwickelt? Oder die, die es bereits sind, sind jetzt noch vertrauter mit den Möglichkeiten der Kameraeinstellungen.

Der Tisch wurde zum Abend wieder mit Frankfurter Spezialitäten gedeckt. Erschöpft, aber glücklich und um einiges schlauer, tauschten wir uns beim Essen über den Tag aus und genossen die Gesellschaft.

Sonntag haben wir nach dem Frühstück im hoteleigenen Seminarraum gemeinsam Ideen für die Veröffentlichung der fünf Stories samt Fotos erarbeitet. Wir durften auch schon eine Auswahl der Bilder vom Vortag einsehen und waren richtig begeistert von den kleinen Meisterwerken!

Ihr dürft gespannt sein auf die Veröffentlichung in der „Schnecke“! Ich werde hier nicht spoilern. Nur so viel sei gesagt: Es sind fünf tolle Models mit spannenden Stories, die sich um den Alltag mit CI (und ohne CI) drehen!

Ich finde, wir können stolz auf unser Werk sein! 🙂

Das Beitragsfoto hat übrigens unser top Assi-Assi Andi gemacht.

Gefühlswelt auf der Bühne

2
Nov
18
Katja

Improvisation – selbst mit dabei

Zwei Menschen sitzen auf dem Boden, Rücken an Rücken. Sie können sich nicht sehen, nur spüren. „Für einen kurzen Moment Zärtlichkeit.“ „Wo?“ „Am Rücken.“ „Es ist warm.“ Stille im Raum. Beide spüren nach, was sie fühlen. Doch plötzlich: „ Es ist mir zu viel! Ich habe Angst.“ Sie wendet sich von ihrem Gegenüber ab und entfernt sich. Es fällt schwer, den plötzlichen Abstand auszuhalten. Sie sitzen sich gegenüber auf dem Boden und schaffen es nicht, sich in die Augen zu schauen. „Es ist kalt hier.“ Die Hände tasten sich langsam vor und wandern über den Boden auf einander zu – ganz langsam. Es wird wärmer. Die Hände finden zueinander, die Arme berühren sich. „Spürst du es auch?“ „Ja, es wird wärmer!“ Sie umarmen sich und kommen zur Ruhe.

Improvisation – auf der Bühne

Eine Person steht auf der Bühne. Zwei Personen kommen dazu und sprechen sie an. „Deine Haare sind kürzer als meine. Und sie sind heller.“ Die Person bekommt Angst, ist verunsichert und verwirrt. Die zweite Person sagt: „Und dein Haar länger als meins und sie sind dunkler.“
Nein, das ist nicht wahr. Sie versucht sich zu verteidigen. „Aber sie sind heller als ihre.“ Sie zeigt auf die andere Person.
„Du bist anders als wir.“
„Nein.“
Doch und beide zugleich: „Anders!“
„ANdersANDersANDErsANDERs ANDERS!“ Sie wird kleiner. „Nein!“ Die Person sackt zu Boden. Sie kauert sich zusammen. Die anderen beiden umringen sie, zeigen auf sie und werden immer lauter.
Auch ich sacke zusammen, doch dabei stehe ich nur am Rand, nur als Zuschauer. Doch trifft mich diese Szene aus unserem Tanztheater mitten im Herz, das dröhnende ANDERS klingt nach in den Ohren. Und doch bin ich selbst nicht in dieser Situation, ich bin nur ein Zuschauer. Ich sehe etwas, was in mir eingeschlossen war. Das Erlebte wird aus den Untiefen herausgeholt, freigelassen, ohne dass ich selbst es noch einmal erlebe. Ich kann geschützt die Szene betrachten, denn es ist „nur“ ein Schauspiel. Ich kann etwas sehen, ich sehe es auf der Bühne, es ist nicht länger nur ein Gefühl im Bauch. Es wurde in Worte gefasst, dargestellt und ich kann der Vogel sein, der die Situation aus einem sicheren Abstand betrachtet.

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“

Rückblick – vor meiner ersten Blogwerkstatt:

Ich besuche eine Familie mit einem kleinen Kind. Wir sitzen zusammen bei Kuchen und Tee. Die Kleine möchte mit mir Memory spielen. Dem Papa  fällt ein, dass die Schwester Geburtstag hat, schnappt sich sein Tablet und schaltet Skype ein. „Hallo! Happy Birthday to you!“ Die Kleine rennt hin und singt mit. Dann fangen sie ein Gespräch an, die Kleine kommt zu mir zurück und wir spielen weiter Memory. Wir lassen uns dabei nicht ablenken. Doch plötzlich klingt ein schallendes Gelächter zu uns und die anderen im Raum lachen mit, nur wir zwei nicht. Ich und die Kleine. Ich denke: Hmm. Jetzt lachen alle und du hast den Witz nicht verstanden… Naja. Doch dann fange ich den Blick der Kleinen auf, sie schaut traurig, sie hat auch nichts verstanden und wendet sich aber dem Spiel wieder zu. Sie hat auch ein CI. Die Mama merkt unseren Gemütszustand und erklärt uns beiden den Witz. In Gedanken habe ich die Kleine umarmt und gleichzeitig habe ich irgendwie auch das Kind in mir getröstet und umarmt. Ja, sie und ich sind nicht allein.

Jetzt weiß ich es nicht nur, sondern habe dieses Gemeinschaftsgefühl wieder einmal mit noch mehr Taubsis erlebt:

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“ Wir sind nicht länger allein.

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Warum die Kaffeepause für mich keine Pause ist

0
Nov
15
fehrhoert

Jeder kennt es: Eine feine Gesprächsrunde bei Kaffee und Jause mit mehreren Menschen in einem Raum. Viele Themen werden in kurzer Zeit abgesprochen: Witze werden erzählt, Pläne fürs Wochenende werden geschmiedet, Erfahrungen und Informationen werden ausgetauscht. Locker wird gefachsimpelt, über Interna geplaudert und auch über Vorurteile philosophiert. Die Stimmung ist heiter und offen, das Gesprächsklima freundlich. Es wird gelacht, geschimpft, diskutiert, argumentiert und auch ein wenig geneckt. Oft ist ein Einzelner am Wort und die anderen hören zu, aber es wird auch durcheinander gesprochen. Soweit so gut und auch harmonisch.

Mitten darunter: Ich. Angestrengt und konzentriert versuche ich der Unterhaltungsrunde zu folgen, was mir nicht durchgehend gelingt. Es ist auch eine Geschichte der Tagesverfassung: Mal höre und verstehe ich Einiges, Mal vieles nicht. Ich möchte nicht dumm und begriffsstutzig wirken und den Gesprächsfluss ständig stören – deswegen Frage ich nicht immer nach, wenn ich was nicht höre. Obwohl ich mich unwohl fühle, versuche ich, zumindest nach außen Selbstbewusstsein auszustrahlen und frage mich ständig, ob mir das auch gelingt.

Ich verstehe viele Wortfetzen aber nicht alle, mein Gehirn ist ständig mit Hören, Lippenabsehen und kombinieren des Wahrgenommenen beschäftigt. Sprecher- und Themenwechsel, Tassen- und Geschirrgeräusche sowie die schlechte akustische Raumausstattung machen mir nach und nach zu schaffen. Einige verdecken auch ihr Mundbild mit Kaffeetassen oder Pausenbroten oder kauen während dem Sprechen, andere wenden mir gar das Profil zu.

Plötzlich wird ein mir geläufiges Thema diskutiert und ein Gesprächspartner in meiner unmittelbarer Nähe ergreift die Initiative. Es ergibt sich für mich kurzfristig eine akustisch sehr angenehme Situation. Ich überlege: Soll ich mich nun auch an der Diskussion beteiligen oder nicht? Soll ich meine Meinung kundtun oder ruhig sein? Doch was ist, wenn ich nicht alles gehört habe und was „falsches“ sage? Das wäre peinlich und ich stehe wieder mal als „dumm“ da. Noch während ich darüber nachdenke, ergreift die Person mir gegenüber das Wort und wechselt das Thema. Chance vertan.

Ich höre weiter angestrengt zu und das Gespräch plätschert dahin. Ich kann nicht allen Teilnehmern folgen und fühle mich zunehmen unsicherer. Deswegen halte ich mich auch überwiegen aus der Diskussion heraus. Um nicht völlig unbeteiligt zu sein und komisch angeglotzt zu werden, nicke ich manchmal bejahend oder schüttle den Kopf bzw. lache, wenn andere es tun.

Plötzlich herrscht Stille in der Diskussionsrunde. Panik macht sich in mir breit. Hat mich wer angesprochen, ohne dass ich es bemerkt habe? Ich schaue unauffällig nach links und nach rechts. Doch aus der Mimik der Menschen in der Diskussionsrunde kann ich erkennen, dass mich niemand was gefragt hat. Ich bin erleichtert. Zu oft habe ich mich schon geschämt, weil ich nicht bemerkt hatte, dass ich angesprochen wurde. Zu oft wurde ich deswegen schon ausgelacht.

Doch die Stille hält an. Die Runde sucht offenbar nach einem Gesprächsthema. Da ich mich bisher noch kaum an der Unterhaltung beteiligt habe, verspüre ich zunehmend den Druck, etwas sagen zu müssen. Schnell denke ich durch, welches Thema wohl passen würde: Wo bin ich thementechnisch und argumentativ so sicher, dass ich nicht alles zwingend verstehen muss und auf etwaige Fragen gut reagieren kann? Ich entscheide mich dafür, eine Person welche zufällig auch in meiner Nähe sitzt, nach den Baufortschritt seiner Wohnung zu befragen – das ist taktisch deswegen klug, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Frage beantworten muss, ist eher gering. Darüber hinaus erzählen Menschen gerne von sich und was sie beschäftigt. Nebenbei muss ich nicht zwingend alles verstehen was gesagt wird, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ein Privatbauvorhaben so abläuft.

Die von mir befragte Person erzählt und erzählt und es folgt eine hitzige Diskussion über die hohen Mietpreise in Tirol und die Kosten für Wohnungseigentum im Allgemeinen. Es wird kurz über Rechtliches, wie z.B. die höchst zulässige Baudichte oder Bebauungspläne gefachsimpelt. Am Ende wird noch die Wohnbauförderung besprochen. Über all dies hätte ich viel zu sagen. Ich kenne mich durch meine vorherige Arbeit mit Bebauungsplänen und auch mit den Vorrausetzungen der Wohnbauförderung aus. Trotzdem bleibe ich still.

Gerne würde ich auch mein Wissen preisgeben oder was Witziges sagen. Gerne würde ich auch zeigen, dass ich nicht „dumm“ und durchaus gesprächig und argumentativ sicher bin. Doch die Angst, was nicht zu verstehen und ins Fettnäpfchen zu treten, wie schon viele Male vorher in meinem Leben, ist größer als der Wunsch, sich in der Runde gesprächstechnisch zu profilieren.

Daher bin ich froh, wenn die Kaffee-Runde sich endlich auflöst. Das angestrengte Zuhören hat mich müde gemacht, meine Kaffeetasse ist auch schon leer und ich spüre wie meine Konzentrationsfähigkeit sehr nachlässt. Der Gedanke an das Kundengespräch unmittelbar nach dieser „Pause“ lässt mich schaudern, doch ich werde es schon irgendwie schaffen.

Ich halte noch einige Minuten durch, eine Kollegin meinte zum Abschied: “Morgen wieder zur selben Zeit am selben Ort? Ich nehme Kuchen mit!“ Alle nicken begeistert und auch ich tue es. Let’s try again…

Orginallink zu diesem Blogeintrag:
http://www.fehrhoert.com/index.php/blog/67-warum-die-kaffeepause-fuer-mich-keine-pause-ist

Mehr von mir gibt es unter meinem Blog:
www.fehrhoert.com

Auch auf facebook zu finden:
https://www.facebook.com/fehrhoert/

Knotenlöser

1
Nov
5
Katja

Emotionen mit dem Körper erleben und sichtbar werden lassen. Tanztheater. Singen, auch wenn wir glauben, nicht singen zu können. Theatertanz. Die Macht der Stimmen ziehen mit, lassen Gänsehaut die Arme hochwandern. Tanztheater. Alle tanzen gemeinsam, alle schauen in den Spiegel. Theatertanz. Und doch ist auch Zeit, für sich alleine. Bewegung fließen lassen, hören wie ich atme, völlig frei ohne Blockaden und ohne sich komisch zu fühlen, jeder ganz bei sich selbst und dann fällt es mir leichter. Tanz.

Nicht nachdenken, welche Bewegung ich als nächstes mache, sondern einfach dem Körper freien Lauf lassen. Und plötzlich traue ich mich, plötzlich entweicht meinen Lippen ein Ton und ja, ich höre mich selbst. Wir hören uns selbst. Ich schaue den anderen an, fange Bewegungen von ihm auf, überwinde mich, lasse mich auf ihn ein. Ein ganz feines Beobachten, um jede Chance zu ergreifen. Kein Suchen nach Chancen, sondern ein Wahrnehmen von ihnen. Es fühlt sich gut an und auf einmal bin ich überrascht. Da, da kommt die nächste Bewegung, sie bahnt sich an. Ausprobieren, es gucken alle…

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Ein Vertrauen schwebt in der Luft, wir sind getragen und geborgen. Gegenseitiger Respekt stärkt uns und lässt uns wachsen.

Hier eine Ecke des Tanzraumes, die entdeckt werden will, dort ein ganzer Raum, wir ziehen Kreise, laufen Schulter an Schulter, berühren uns, kommen uns näher, da entsteht etwas, da bewegt sich etwas, da rührt sich was. Und das nicht nur einmal im Raum, nein, die Begegnungen entstehen immer wieder neu und immer wieder mit anderen Menschen aus der Gruppe. Ein Blick wird aufgefangen, die Augen sagen Ja, die Körper nähern sich, steigen übereinander, Rücken an Rücken, ist der Boden oben oder unten? Ja, ich vertraue.

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Man verliert das Gefühl für Raum und Zeit. Ich bin ich. Im Hier und jetzt. Eine Atmosphäre, in der man sich traut zu sein, in der alle sind und ich bin. Wo ich mich in dem Moment verliere, wo ich mich meinen Ängsten stelle und mich konfrontiere. Ein Trommeln der Hände macht die Musik. Die eine Hälfte gibt den Rhythmus vor, wir lauschen, folgen und vertrauen Gruppe. Niemand weißt was in fünf Minuten sein wird, einfach treiben lassen und das aktiv, nicht das Ergebnis zählt, sondern das Gefühl und die Momente, die dabei entstehen.

Fokus gibt Intensität.

Pausen zum richtigen Zeitpunkt verändern den Klang. Sätze in Sprechchören erfüllen den Raum, Bewegungen unterstreichen das Gesagte, lassen es authentisch wirken. Die Stimmen tragen und stärken und plötzlich ist da Gänsehaut.

Aus einem Satz, der auf Papier steht, wird ein gesprochenes Wort, aus dem Wort ein Satz, aus dem Satz eine Betonung, aus der Betonung eine Bedeutung und plötzlich ist er da. Da Satz mit Leben gefüllt, nicht länger nur schwarze Tinte, sondern ein Klang mit Gefühl. Deine Welt, dein Zugang zum Gegenüber. Ein Aktionsraum nimmt Form an, er wird lebendig und füllt die Erinnerung.

Das DU gehört zum WIR!