Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

CI-Scouts in Budapest

0
Mrz
5
CI-Scouts

Im Rahmen des CI-Scouts-Projekts ging es für Carolin und Marilen nach Ungarn. Nach der Ankunft am Bahnhof in Budapest ging es erstmal ins Hotel. Der erste Tag in Budapest wurde genutzt, um dieses etwas kennen zu lernen und sich zu orientieren. Ein Freund von Marilens Familie teilte dabei begeistert sein Wissen über die Geschichte der Stadt mit den beiden und gab einen ersten Überblick über das ungarische Gesundheits- und Schulsystem. In Ungarn gibt es beispielsweise nur eine „Krankenkasse“, die dafür aber auf nationaler Ebene arbeitet.

Der folgende Tag begann für Carolin und Marilen mit einem Treffen mit den jungen Erwachsenen Dóri, Linda, Mario und Patricia, um sich genauer über die Hörsituation von hörgeschädigten und gehörlosen Menschen in Ungarn auszutauschen. Das war ein besonders wertvoller Termin, denn von den Gesprächsteilnehmern ist jeder unterschiedlich versorgt (CI- und Hörgeräte). Während des Gesprächs fiel immer wieder das Stickwort „SINOSZ“. „SINOSZ“ ist eine sehr einflussreiche und landesweite Organisation für Gehörlose und Hörgeschädigte in Ungarn, die stark von der Gehörlosenkultur geprägt und auch politisch engagiert ist. Ein großer Erfolg von „SINOSZ“ ist zum Beispiel, dass die Gebärdensprache als offizielle Sprache anerkannt wurde. Mitglieder dieser Organisation erhalten gegen einen jährlichen Beitrag von 17,00 € bis 18,00 € eine SINOSZ-Karte, mit der man den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen und auch viele weitere, starke Vergünstigungen erhalten kann. Sehr überraschend war, dass ein Teil des Nachteilsaugleich vorsieht, dass man als hörbehinderte Person an Inklusionsschulen selbst entscheiden kann, ob man den Sprach- und den Singunterricht abwählt oder vereinfachte Klassenarbeiten schreiben möchte.

Am Freitag trafen unsere CI-Scouts auf Reka Kovács vom Cochlear Implant Knowledge Center, die ihnen wertvolle Informationen über die CI-Versorgung in Ungarn mit auf den Weg gab. Besonders interessant ist, dass in Ungarn neben zwei Akkus pro Prozessor, ein Minimikrofon Teil des CI-Pakets ist, weshalb FM-Anlagen kaum genutzt werden. Es gibt insgesamt vier Kliniken, die CI-OPs anbieten. Zur Anpassung gibt es dann aber keine Reha, sondern nur einen Tagesaufenthalt für die Einstellung des CIs, der zu Beginn alle vier Wochen stattfindet und später mindestens einmal im Jahr von den CI-Trägern wahrgenommen werden sollte.

Abschließend waren Carolin und Marilen noch einmal mit Mario und Linda verabredet. Bei diesem Treffen fragten die CI-Scouts, was Mario und Linda in Bezug auf Barrierefreiheit und den Umgang mit der Behinderung in Ungarn gerne ändern würden. Sie wünschen sich generell eine bessere Aufklärung und Sensibilisierung der Gesellschaft, speziell aber auch für Ärzte, Lehrer und Kollegen. Ein weiterer Wunsch von ihnen ist, dass es für jeden verpflichtend sein wird, regelmäßig Hörtests zu machen. Zu guter Letzt finden sie es notwendig, dass CI-OPs an mehr als vier Kliniken im Land durchgeführt werden.

Das Fazit der Reise von Carolin und Marilen: „Insgesamt waren wir von der allgemeinen Situation der Gehörlosen und Hörgeschädigten in Ungarn positiv überrascht. Wir entdeckten immer wieder Parallelen, aber auch starke Kontraste in Bezug auf die Situation in Deutschland und unsere persönlichen Erfahrungen.

Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit im Rahmen der DCIG CI-Scouts diese absolut wertvolle und aufschlussreiche Erfahrung gemacht zu haben. Uns in einem fremden Land mit Gleichgesinnten über die Hörsituation und Versorgung auszutauschen, war ein echtes Highlight. Wir können jeden nur ermutigen, trotz Hörschädigung ins Ausland zu gehen.“

Europa auch für uns! Junge gehörlose Erwachsene als Europakundschafter: Europa ist auch ein Thema für hörgeschädigte Menschen. So einfach, wie das klingt, so wenig ist das Thema tatsächlich in der Selbsthilfe präsent. So wenig wird es wirklich gelebt und gelernt, so wenig gibt es persönliche Kontakte und Begegnungen. Daher möchte die DCIG zum ersten Mal die Möglichkeit anbieten, direkte Verbindung mit schwerhörigen Menschen aufzunehmen, die in unseren Partnerländern in Europa leben.

Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein um einen Kommentar zu hinterlassen.