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Erfahrungsbericht: Vergleich Nucleus N7 und Kanso 2

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Jun
17
andreasdaniel

Eines vorweg: Dies ist nicht unbedingt ein neutraler Beitrag, da ich Träger zweier Implantate der Firma Cochlear bin. Somit kann ich auch nur über Geräte dieser Firma schreiben.

Nach fünf Jahren mit dem N6 beidseitig war es wieder so weit: Es ist Zeit für einen Nachfolger! Ich hatte beschlossen, die Gelegenheit bei meinem CI-Zentrum zu nutzen und den Nucleus N7 und den Nucleus Kanso 2 im direkten Vergleich zu testen (Leihgeräte).

Beide haben dieselbe Technologie mit SmartSound, ForwardFocus, dieselbe True Wireless-Zubehörkomponenten und können über die Nucleus Smart App bedient werden. Sie unterscheiden sich im Grunde nur über die Bauform: Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO, N7) und Frei-vom-Ohr-Gerät (FvO, Kanso 2). Beim Kanso 2 sind also der Sprachprozessor, das Akkufach und die Spule in einem All-in One-Gerät untergebracht.

Endlich ist der N7 da!

Es ist bestimmt das erste Mal, dass ich mich statt auf den Nachfolger meines N6 mehr auf die neue Bedienung mit der Nucleus Smart-App gefreut hatte!
Die App hält was sie verspricht: Man kann problemlos den Batterie/Akkuzustand auslesen, die Lautstärke/Mikrofonempfindlichkeit einstellen und alle True Wireless-Komponenten direkt auswählen und verbinden. Das beste Feature ist jedoch die Bluetooth-Kompatibiliät zu meinem Iphone (oder Android) – seither verpasse ich keinen Anruf mehr, da es direkt „in meinen Ohren“ klingelt und man kann das Gespräch direkt stereo verfolgen. Den Telefonclip selbst benötigt man eigentlich nicht mehr, er kann jedoch weiterhin für andere Geräte (z.B. DECT-Telefon mit Bluetooth) verwendet werden.

Jetzt aber ein paar Worte zum N7: Ich bekam bei der Erstanpassung aus Vergleichsgründen dieselben Programme wie beim Vorgänger N6. Schon in den ersten Tagen bekam ich positive Rückmeldungen, dass ich Stimmen aus dem Hintergrund leichter mitverfolgen könne. Mir fiel das Hören insgesamt leichter, da ich mich beim Zuhören weniger anstrengen muss. Beim Richtungshören bemerke ich auch Fortschritte. Ansonsten ist das Gerät recht vertraut im Umgang und in der Handhabung – hier hat sich kaum etwas geändert – von dem Wechsel des Mikrofonschutzes abgesehen, das jetzt leichter sein soll. Dass es eine Taste weniger hat als der N6, stört seit der Bedienung mit der App überhaupt nicht.

Ich werde mir vermutlich eine iWatch zulegen -mit der kann man den N7 auch bedienen 🙂

Nun der Kanso 2

Spannend wurde es, als ich nach 4 Wochen den Kanso 2 testen durfte! Die Erstanpassung verlief wie gewohnt, auch hier bekam ich dieselben Programme aufgespielt. Beim Ansetzen am Kopf am Implantat fiel mir gleich auf, dass meine Magnetstärke nicht mehr ausreichend für einen sicheren Halt ist. Es musste eine Stufe stärker sein. Der Kanso hat schließlich ein etwas höheres Gewicht als die Spule alleine!

Am Tragekomfort war es für mich ein deutlicher Gewinn, endlich mal die „Ohren frei zu haben“, wenn man mal Brille und Maske tragen muss.

Auch wenn es laut Cochlear die kleinste und leichteste Einheit der Welt sei, ist es in meinen Augen (und der wenigen Bekannten) doch recht klobig im Vergleich zur flachen Spule des N7 – spätestens dann zu spüren, wenn man einen Helm diverser Art (Fahrrad, Ski, Motorrad) anziehen möchte – es wäre mir nicht mehr möglich gewesen.

Bei vielen üblichen Dingen und gewohnten Abläufen im Alltag merkte ich doch eine Umstellung: Sei es beim Umziehen von T-Shirts, Pullover – da sind mir die Kanso gerne schon mal „um die Ohren geflogen“, bis man sich daran gewöhnt hat diese vorher abzulegen. Generell verliert man den Kanso schneller bei heftigerem Kopfschütteln, wenn man den Kopf streift oder auch die Brille hochsetzt. Beim N7 „rettet“ meistens das Ohr beim Abfallen der Spule vor dem Verlust des ganzen Gerätes. Es gibt zur Vermeidung solcher Fälle extra eine Sicherheitsschnur, mit der man den Kanso via Haarklammer oder an der Bekleidung fixieren kann. Am Haar ist es für mich als Kurzhaarträger keine Option, und eine Schnur zwischen Kopf und Bekleidung finde ich schon störend.

Wenn man die Wireless-Zubehörgeräte mit Kanso 2 koppeln möchte – dann wird es zu einem Geduldsspiel: Man muss das Gerät zum Koppeln aus- und wieder einschalten. Hierfür muss man eine Touchtaste mehrmals kurz und schnell antippen (An: 2x, Aus: 3x) – Hier habe ich gut und gerne 10 Versuche pro Seite gebraucht bis es geklappt hat. Selbst nach einigen Wochen ging es zwar etwas besser, aber immer noch sehr umständlich. Hier muss Cochlear unbedingt nachbessern!

Bei Unterhaltungen im Freien ist es deutlich auffallend, wie empfindlicher der Kanso 2 dann doch bei Windgeräuschen ist – da die Mikrofone etwas exponierter angeordnet sind. Der Störlärm ist dabei markanter. Akustisch gibt es sonst keine Unterschiede zum N7 – es ist “nur” eine andere Trageform.

Über den Akku /Batterie möchte ich keinen Vergleich ziehen da dies nicht fair wäre (Ich hatte den N7 nicht mit dem Akkumodul). Aber falls es jemand interessiert:

Nach einem 16-18 stündigen Tag und laut App bis zu 4 Stunden „Zeit mit Sprache“ am Tag hat der Akku des Kanso noch eine Restkapazität von ca. 35-45%. Der N7 mit Batteriefach hält ca. 45 Stunden durch.

Pros Kanso 2:

– Tragekomfort
– Einheit hat einen höheren Spritzwasserschutz
– Trockenkapsel und Ladestation in einem
– Standby-Modus (schaltet sich automatisch An und Aus)

Contra Kanso 2:

– Empfindlicher bei Windgeräuschen
– Fällt leicht vom Kopf ab
– Ladestation brummt laut (für andere Personen im Schlafzimmer)
– Tragen von Helmen eingeschränkt
– „Touch-Taste“

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