Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Knotenlöser

1
Nov
5
Katja

Emotionen mit dem Körper erleben und sichtbar werden lassen. Tanztheater. Singen, auch wenn wir glauben, nicht singen zu können. Theatertanz. Die Macht der Stimmen ziehen mit, lassen Gänsehaut die Arme hochwandern. Tanztheater. Alle tanzen gemeinsam, alle schauen in den Spiegel. Theatertanz. Und doch ist auch Zeit, für sich alleine. Bewegung fließen lassen, hören wie ich atme, völlig frei ohne Blockaden und ohne sich komisch zu fühlen, jeder ganz bei sich selbst und dann fällt es mir leichter. Tanz.

Nicht nachdenken, welche Bewegung ich als nächstes mache, sondern einfach dem Körper freien Lauf lassen. Und plötzlich traue ich mich, plötzlich entweicht meinen Lippen ein Ton und ja, ich höre mich selbst. Wir hören uns selbst. Ich schaue den anderen an, fange Bewegungen von ihm auf, überwinde mich, lasse mich auf ihn ein. Ein ganz feines Beobachten, um jede Chance zu ergreifen. Kein Suchen nach Chancen, sondern ein Wahrnehmen von ihnen. Es fühlt sich gut an und auf einmal bin ich überrascht. Da, da kommt die nächste Bewegung, sie bahnt sich an. Ausprobieren, es gucken alle…

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Ein Vertrauen schwebt in der Luft, wir sind getragen und geborgen. Gegenseitiger Respekt stärkt uns und lässt uns wachsen.

Hier eine Ecke des Tanzraumes, die entdeckt werden will, dort ein ganzer Raum, wir ziehen Kreise, laufen Schulter an Schulter, berühren uns, kommen uns näher, da entsteht etwas, da bewegt sich etwas, da rührt sich was. Und das nicht nur einmal im Raum, nein, die Begegnungen entstehen immer wieder neu und immer wieder mit anderen Menschen aus der Gruppe. Ein Blick wird aufgefangen, die Augen sagen Ja, die Körper nähern sich, steigen übereinander, Rücken an Rücken, ist der Boden oben oder unten? Ja, ich vertraue.

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Man verliert das Gefühl für Raum und Zeit. Ich bin ich. Im Hier und jetzt. Eine Atmosphäre, in der man sich traut zu sein, in der alle sind und ich bin. Wo ich mich in dem Moment verliere, wo ich mich meinen Ängsten stelle und mich konfrontiere. Ein Trommeln der Hände macht die Musik. Die eine Hälfte gibt den Rhythmus vor, wir lauschen, folgen und vertrauen Gruppe. Niemand weißt was in fünf Minuten sein wird, einfach treiben lassen und das aktiv, nicht das Ergebnis zählt, sondern das Gefühl und die Momente, die dabei entstehen.

Fokus gibt Intensität.

Pausen zum richtigen Zeitpunkt verändern den Klang. Sätze in Sprechchören erfüllen den Raum, Bewegungen unterstreichen das Gesagte, lassen es authentisch wirken. Die Stimmen tragen und stärken und plötzlich ist da Gänsehaut.

Aus einem Satz, der auf Papier steht, wird ein gesprochenes Wort, aus dem Wort ein Satz, aus dem Satz eine Betonung, aus der Betonung eine Bedeutung und plötzlich ist er da. Da Satz mit Leben gefüllt, nicht länger nur schwarze Tinte, sondern ein Klang mit Gefühl. Deine Welt, dein Zugang zum Gegenüber. Ein Aktionsraum nimmt Form an, er wird lebendig und füllt die Erinnerung.

Das DU gehört zum WIR!

 

Wir können mit dem Herzen mehr hören, als manch Guthörender hören kann
Eine Antwort
  1. Norma | Redakteur sagte am 6. November 2017

    Malerisch schön, danke für die Erinnerungen, Katja. “und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir” – Gänsehaut-Feeling!

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