Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Kopfhörerparty

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Die Vielfalt des Hörens ist genauso groß, wie die Vielfalt des Nichthörens. Deswegen gibt es auch verschiedene Hilfsmittel, die helfen die Welt zu verstehen. Das CI, das Hörgerät und das Knochenleitungshörgerät in verschiedenen Formen.

Zu meiner Person. Seit meinem 16. Lebensmonat trage ich auf beiden Seiten ein Knochenleitungshörgerät. Die Geräte trage ich, weil meine Gehörgange verknöchert sind und das operative Öffnen nicht möglich ist. Jedenfalls kann man sich das so vorstellen, dass ich ohne Geräte so höre, als hätte man Wattebäusche in den Ohren ( also die Normalhörenden können sich das jetzt am besten vorstellen….). Die Geräte nehmen die Geräusche der Umwelt über ein Mikrofon auf und verstärken sie.

Dafür das ich schlecht höre, höre ich gut. Trotzdem muss ich mich auch den Herausforderungen des Alltages stellen, wie das Telefonieren, den Wind der durch die Geräte pfeift oder den Gruppenveranstaltungen mit lauter Geräuschkulisse.

Zurück zu den Knochenleitungsgeräten. Diese habe ich bis zu meinem 13. Lebensjahr in einem dicken Stirnband von FILS oder Adidas getragen.  Ästhetisch sah es nie aus und in der Pubertät litt  ich ziemlich darunter. Dann kam die Erlösung. Die Fixierung der Geräte an einen Stirnreif. Ein Accessoire mit Funktion. Durch meine dicken Locken sind die Geräte gar nicht mehr aufgefallen. Die Lebensqualität hatte sich schlagartig verbessert.

Natürlich gehen sie auch mal kaputt, so wie vor ein paar Monaten. Zum Glück konnte meine Akustikerin gleich mit einem Leihgerät, einem Baha von Cochlea (Knochenleitungsgerrät , Mikro und Verstärker in einem) aushelfen. Allerdings waren die Geräte an einem Stirnband befestigt. Das war viel schmaler, als die die ich damals hatte und fast so braun wie meine Haare, fiel also kaum auf. Aber ich musste es die ganze Zeit vorne, ganz nah an der Stirn tragen, sonst wäre es immer nach hinten gerutscht. Die Schiebreglerschnalle, mit der man das Band verstellen konnte saß genau mitten auf der Stirn. Einige haben es überhaupt nicht bemerkt und andere fragten, ob es ein BH- Band wäre. Mit dem Band habe ich mich  unwohl gefühlt und konnte es kaum erwarten, nach unendlichen drei Monaten, meine Geräte wieder abzuholen. Die Firma ist normalerweise immer schnell bei der Reparatur, aber zu meinen Leidwesen,  ließen sie sich diesmal ordentlich Zeit.

Da ich glaube, dass nichts einfach so passiert, hat sich das Warten gelohnt. Denn wenn es nicht so lange gedauert hätte, hätte sich folgende Konversation mit meiner neuen Kollegin nicht abgespielt:

Mit meinen Kollegen war ich auf einer Kopfhörerparty. ‘Kann ich das alles auch hören, also sind die Kopfhörer laut genug und haben sie ordentlich Bass?’, dachte ich. Den Gedanken teilte ich mit meinen Kollegen. Dennoch beschloss ich mit zu gehen, da ihrer Meinung nach, auch das einfache Beobachten des Geschehens amüsant sein konnte. Die Sorgen waren unbegründet , die Kopfhörer  waren laut genug und ohne die Geräte konnte ich die Musik sogar besser hören, da ich die Umgebungsgeräusche nicht wahr nahm. Das war der Hammer!  Meiner liebe Kollegin Melli, die sich mit mir freute  klärte ich  ein bisschen über meine Hörgeräte auf. Ich klagte über die lange Abwesenheit meiner Hörgeräte und über das verhasste Stirnband.

” Das ist mir gar nicht aufgefallen, mir ist es egal, ob du jetzt ein Band oder einen Stirnreif trägst”, sagte sie.  Da ist mir wieder bewusst geworden, das Äußerlichkeiten eben nur Äußerlichkeiten sind. Nicht die Hörschädigung ist das was von mir wahrgenommen wird, sondern ich als Person. Klar, die Hörschädigung ist ein Teil, aber eben nicht alles. Jetzt habe ich meine Hörgeräte wieder, die ich wie Kopfhörer aufsetzen kann- die Party geht also weiter.

 

 

”Die Phantasie wird siegen” - Max Prosa
Eine Antwort
  1. Norma | Redakteur sagte am 4. Dezember 2018

    Vielen Dank für den schönen Einblick in das Leben eines Knochenleitungshörgeräte-Trägers. Da gibt es ja doch einige feine Unterschiede. Und ja, ich kann bestätigen, dass Optik oft gar nicht so wichtig ist. Hauptsache die Technik funktioniert. 🙂

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