Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Nass oder trocken – trocken oder nass?

1
Apr
4
Katja

Rückblende 2003

Wasser ist mein Element. Aber geht das mit einem CI? Na klaro, es kommt einfach ab, davon lass ich mich nicht vom Schwimmen oder Kajaking abhalten. Beim Segeln mit der Familie jedoch waren die Ratschläge und gut gemeinten Hinweise nicht weit: „Hast du deinen Sprachprozessor in die Dose eingepackt?“, „Pass auf, dass du nicht mit dem CI hängen bleibst!“ (Es war noch der SPrint-Prozessor von ganz früher). Nach einer Brille kann man tauchen gehen, nach einem CI auch, nur verträgt sich Elektrizität mit Wasser nicht gerade optimal…

Bei befreundeten Seglern saßen wir nachmittags auf dem Schiff zusammen bei Kaffee und Kuchen. Ich saß mit den anderen Kindern auf der Kante und trank Apfelsaft. Plötzlich rutschte mir der Becher aus der Hand und landete mit einem Platsch in der Ostsee. Nichtsahnend dass auch ich gleich im Wasser sein würde, kletterte ich auf die kleine Heck-Plattform und hielt mich an der Badeleiter fest. Der Haken an der Sache war: die Badeleiter war nicht fest – ergo konnte sie mich nicht halten. Ich lehnte mich vor und griff nach dem Becher und ehe ich mich versah, war ich unter Wasser. Ei glitzerte die Sonne schön! … Irgendwas ist faul hier, irgendwas passt nicht mit meinem Weltbild zusammen. Ich mit CI hörend im Wasser, da ist was ganz schief, oder ganz, ganz still…

Japsend kam ich wieder an die Wasseroberfläche und ergriff die Hände, die mich aufs sichere Boot hochzogen. Da saß ich nun und mir dämmerte, dass mein Sprachprozessor unwiederbringlich kaputt war. Und das auf einer kleinen Insel irgendwo in Dänemark.

Ein Glück hatten wir im Holidaypack ein Ersatzgerät dabei. Mein größter Wunsch in dem Moment war, ich möchte doch nur einfach mal segeln und am Wasser sein, ohne ständig aufpassen zu müssen, an spontanen Wasserschlachten teilnehmen…

Ein paar Jahre später (2015)

Ich stehe auf der Slipanlage an einem großen See. Das Wasser glitzert in der Sonne, die Sonne scheint warm auf den Rücken. Trau ich mich oder trau ich mich nicht. Doch der Wunsch nach dem Erlebnis unter Wasser zu sein und ja, was dann? Was würde ich hören…? Was würde ich unter Wasser hören, was mir in meinem bisherigen Leben – immerhin ein Vierteljahrhundert – noch nicht möglich war. Wie würde es sich unter Wasser anhören…?

Mit einem Köpfer springe ich in den See hinein und blubb, blubb, blubb… ich schwebe im Wasser und ist es still. Eine Stille, die ich noch nicht kenne. Eine Stille, die ich hier nur im Wasser erlebe. Und ja, sie ist anders als wenn ich meine CI ablege. Ich schwimme tauchend ein paar kräftige Züge durch den See. Ein Glücksgefühl breitet sich in mir aus, ich gleite sanft durch die Wogen des Sees, das Wasser rauscht in meinem Ohr. Und ich ziehe immer mehr Züge und freue mich so sehr über das Plätschern.

Wieder zurück am Ufer – die Wassertaufe hat das CI mit der Wasserschutzhülle erfolgreich überstanden. Nun hole ich mein Laser-Boot und ziehe mit der Segler-Gruppe auf das Wasser. Bei einer kräftigen Windböe hänge ich meine Beine in den Gurt ein und reite aus. Das Boot fängt fast zu fliegen an, ich lasse meine Kopf baumeln und ziehe rücklings meine Haare durchs Wasser und es ist nicht länger still!

Wir können mit dem Herzen mehr hören, als manch Guthörender hören kann
Eine Antwort
  1. KF sagte am 5. April 2016

    Superschön erzählt 🙂 man taucht direkt in Deine Geschichte hinein….. erst recht wenn -Leser- den Sport selbst mal ausübt bzw. ausgeübt hat (Kajaking/Segeltörn/Schwimmsport …. Meine Eskimorollen hatte ich zu meinen HG-Zeiten lieber ohne “Blech am Ohr” trainiert…)

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