Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Schnipp, schnapp! CI ab!

3
Dez
20
Norma

Nein, nein, natürlich andersherum! Erst kommen die Hörprothesen ab, dann darf es “Schnipp, schnapp” heißen. 🙂


Selbst einem Cyborg wachsen unerbitterlich die Haare und er muss dann und wann mal den Gang zum Friseur antreten. Davon bleibt keiner verschont.

Aus Sicherheitsgründen lege ich beide CIs ab, bevor sich die Friseurin über meine Mähne hermachen darf. Zum einen weil die Haare gewaschen werden und die Geräte ja nicht unter Wasser dürfen. Zum anderen weil ich sonst beim Haareschneiden immer fürchten muss, dass im mehr oder weniger blinden Eifer das Kabel der Spule durchgetrennt werden könnte. Horrorvorstellung! Also lieber ab mit den Geräten und den Stummfilm genießen.

Ja, nun, wie ist das denn eigentlich, wenn man gehörlos auf dem Stuhl sitzt und einem die Haare gestutzt werden? Ich kann es euch sagen. Schließlich kenne ich es nicht anders. Wenn ich einen neuen Friseur habe, informiere ich ihn vorher über meine für ihn vermutlich ungewöhnliche Situation. Das heißt eigentlich, ich warne ihn. 😉 Sobald meine CI’s abgelegt sind, kann ich mich nicht ohne Weiteres mit ihm unterhalten. Also besser vorher den Haarschnitt klären.

Üblicherweise habe ich immer die gleiche Friseurin, mit der ich wortlos auskomme. Sobald ich mich ihren geschickten Händen übergebe, stöpsele ich mich von der Welt ab. Ich nehme den Trubel um mich herum nun nur noch lautlos wahr. Höre kein Geschnatter und keinen Haartrockner. Meist drifte ich in Gedanken ab, fixiere dabei Gegenstände im Blickfeld wie etwa Gemälde oder beobachte Leute im Spiegel. Hin und wieder habe ich Blickkontakt mit meiner Friseurin und wir lächeln uns zu (oder eher:  grinsen dämlich). 😀

Bei mir haben die Friseure keine richtige Kommunikation mit dem Kunden. Früher hatte ich deswegen immer ein schlechtes Gewissen, da ich davon ausging, dass denen ohne Gespräch langweilig wird. Ich bin deswegen sogar eine ganze Zeit lang bevorzugt zusammen mit meinem Vater zu seinem Friseur gegangen. Dann konnte sich mein Vaddern mit ihm unterhalten, während er uns nacheinander bearbeitete. Andernfalls hätte ich mich verantwortlich gefühlt, mit ihm zu schnacken. Denn vielleicht gehört die Plauderei ja zum Job?! Möglicherweise nehmen sich die Hairstylisten selber wie Entertainer oder freiwillige Therapeuten wahr und haben das Gefühl, ihren Job nicht richtig zu machen, wenn man sich nur stumpf anschweigt und ab und zu im Spiegel anguckt. Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich meine Friseurin einfach mal fragen?


Originalbeitrag auf meinem Blog *klick*

schaut auch mal in meinem Blog vorbei: https://sweetcyborg.wordpress.com/
3 Antworten
  1. Oliver | Redakteur sagte am 28. Dezember 2017

    @laurahaertel – genauso geht es mir auch 😀

  2. Ach, ich seh das pragmatischer – bei mir dauert der Friseurbesuch nur halb so lange wie bei allen anderen, weil sich die Friseurin ausnahmsweise auf ihre Arbeit konzentrieren muss und nicht aufs Gespräch 😉 Allerdings ist es schon echt strange, sich selbst ne halbe Stunde lang still im Spiegel gegenüber zu sitzen

  3. Katja | Redakteur sagte am 21. Dezember 2017

    Genial! – wie oft hab ich das auch schon gedacht, während ich nachdenklich auf meinem Stuhl saß 🙂 Du sprichst mein Dilemma aus – Danke für den Schmunzler 😃

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