Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Sprich mit mir: Glücksmomente unter Hörenden

1
Nov
19
laurahaertel

An diesem Wochenende bin ich zum ersten Mal nach längerer Zeit mal wieder an der Uni. Anlass ist eine Konferenz, die jedes Jahr von den Studierenden meines Fachs organisiert wird. Dieses Jahr war jedoch der nachfolgende Jahrgang mit der Orga betraut, sodass schon im Vorwege klar war, dass ich kaum jemanden kennen würde. Und vor allem – Die kennen mich noch nicht! Und damit auch meine FM-Anlage nicht… Gefühlsmäßig noch auf der letztes Blogwerkstatt und somit im Schlaraffenland der wunderbaren Kommunikation, hatte ich also ein bisschen Bammel vor diesem Wochenende. Zu meiner Erleichterung werden ich und meine Mikros (Yeah, wir bilden so ne Art unzertrennliche Einheit an der Uni :-D) selbstverständlich in die Gruppe aufgenommen.

In der Mittagspause passiert es dann: Ich sitze mit drei anderen am Esstisch, unterhalte mich vornehmlich mit einen bekannten Kommilitonen und „oute“ mich den anderen gegenüber nicht. Als wir aufbrechen wollen und ich meinen Rucksack unter dem Tisch hervorziehe, fällt einer der „Ich bin taub, sprich mit mir“-Button daran auf. Prompt kommt die Frage, die Hörende dann fast immer stellen: „Kannst du auch Gebärdensprache?“ Mit einen Unterschied zu sonst: Sie wird in Gebärden gestellt! Ich bin erst mal baff. Dann kommen wir schnell ins Gespräch über das Wieso und Woher. Plötzlich sind es die Anderen, Hörenden, die auf einmal daneben stehen und uns nicht folgen können. Mehr im Scherz als ernsthaft meine ich zu meiner Gesprächspartnerin, wir könnten ja am Abend beim Open Space einen Gebärdenkurs anbieten. Wir grinsen uns an. Juhu, eine Verbündete!

Der Nachmittag vergeht und am Abend kommen alle zusammen, um Pläne für den Open Space-Abend zu schmieden. Im Angebot sind unter anderem Improtheater, Tauchabenteuer und weiblicher Orgasmus (fragt lieber nicht…). Das reicht dem Orgateam jedoch noch nicht. Da gebärdet mich meine neue Bekannte aus der Mittagspause an: „Wollen wir?“ Ich grinse und gebärde “Ja”. „Wir machen einen Gebärdensprachkurs. Wer Lust hat…“ Ernsthaft rechne ich nicht mit großen Interesse. Abends um neun nach einen anstrengenden Tag noch Sprachkurs? Und außerdem: Ist das nicht viel „exotisch“? Ich befinde mich unter lauter „Weltrettern“, es soll hier eigentlich vor allem um Nachhaltigkeit gehen. Interessiert die das?

Aber als wir in den Raum kommen, sind ca. 15 Leute da. Mit ersthaften Interesse und voll motiviert. Und wir improvisieren einfach. Erzählen erstmal ein bisschen Allgemeines zu DGS und LBG, zeigen ein Gebärdenmusikvideo und bringen den Teilnehmern das Fingeralphabet bei, sodass bald alle stolz ihren Namen fingern. Aber vor allem kommen wir ins Gespräch: Übers Hören und Nicht-Hören, über das (Uni-)Leben mit Hörschädigung, über die liebe Technik, über das CIs… Ich bin baff, wie viel Interesse, Neugier und Wissen-Wollen mir entgegenschlägt!

An diesem Abend passierte genau das, was auf meinen Rucksack prangt: Ich bin taub, sprich mit mir. Diese Aufforderung zum Gespräch, zum Kennenlernen und Nachfragen wurde hier so begeistert aufgegriffen wie selten.

Danke für den coolen Button! 😀

 

Eine Antwort
  1. Katja | Redakteur sagte am 20. November 2017

    Das ist ja ein richtig tolles Erlebnis – Inklusion mal anders herum 🙂 und wieder wissen 15 Menschen mehr, dass es junge Taubsis gibt – was so ein Ansteckbutton bewirken kann!

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