Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Auf der Mauer, auf der Lauer…

1

Freitag, 27.September, 18:00 Uhr; eine Jugendherberge in Kaub am Mittelrhein. Nach und nach füllte sich der Seminarraum “Stadt Kaub”. Grund für dieses Zusammentreffen ist die Blogwerkstatt der DCIG in ihrer 9. Auflage mit dem Thema >> Inklusive JULEICA <<. Innerhalb einer Woche wurden uns die Inhalte und rechtlichen Grundlagen im Bereich der Jugendarbeit vermittelt. Das Besondere daran war, dass unsere Ausbildung zum Jugendleiter speziell auf hörgeschädigte Kinder und Jugendliche bezogen war. Unser Referent Andreas Beier hat uns auf wunderbare Art durch die verschiedenenThemenbereiche geführt. Wir lernten beispielsweise an uns selbst die verschiedenen Gruppenphasen kennen, die es auch typischerweise in jeder Kinder- und Jugendgruppe gibt. Die Herausforderung des Gruppenleiters ist dabei die einzelnen Phasen (ein)zuleiten, wie z.B die Kennenlernphase, Phasen zu erkennen und, nur falls notwendig, darauf zu reagieren. Hier ist uns allen sehr bewusst geworden, dass es viele verschiedene Lösungen gibt und man unter Umständen blitzschnell eine Entscheidung treffen muss. Morgens zu Beginn, aber auch mittags und zwischendurch als Refresher, gab es Bewegungs- oder Konzentrationsspiele, die uns entweder von unserem Referenten oder einem der Teilnehmer vorgestellt wurden. Was im ersten Moment wie Lockerungsübungen wirkte, war in Wirklichkeit ein Teil des Seminars, denn als Jugendleiter muss man jederzeit ein passendes Spiel parat haben, das nicht nur Spaß macht und die Müdigkeit vertreibt, sondern auch einen tieferen, pädagogischen Zweck erfüllt. Andreas teilte daher seine Schier unerschöpfliche Schatzkiste an Gruppenspielen mit uns: Von “Esel-Palme-Elefant” aka “Kotzendes Känguru” über die Schnick-Schnack-Schnuck-Variante “Riese-Zauberer-Zwerg” oder “Jing-Jang-Wusch”. Und wenn dann bei “StillerPost” ausschließlich mit Lippenlesen aus >Sonnenschein -> Klo-Roulette< wird, lagen wir uns lachend in den Armen. Diese Spiele haben wir nicht nur ausgiebig am eigenen Leib getestet, sondern auch ausführlich über die Möglichkeiten und Einsatzgebiete diskutiert. Um unsere Spontanität gleich unter Beweis zu stellen organisierten 3 Teilnehmer für den Rest der Gruppe in nur wenigen Minuten eine interaktive Schnitzeljagd durch die Weinberge zur Burg Gutenfels. ‘Auf der Mauer’ begann die Schnitzeljagd, und was ist naheliegender, als das Kinderlied “Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Wanze” zu singen. Und so sangen 12 Teilnehmer dieses Lied in voller Länge, denn nur nach erbrachtem Videobeweis bekamen wir unsere nächsten Hinweise. Neben all den Spielen und dem Spaß den unsere Gruppe von 12 Teilnehmern, zwei Organisatoren und unserem Referenten hatte, wurden auch sehr ernste Themen behandelt und besprochen. In Rollenspielen wurden wir auch an unsere Grenzen gebracht, indem die ein oder andere herausfordernde Situation nachgespielt, aber auch Ängste thematisiert wurden. Das Thema Mobbing und Ausgrenzung in Gruppen besprachen wir ausführlich und tauschten uns dazu aus.

Wir lernten, wie man seinem Gegenüber klare Grenzen setzen kann, autoritäres Auftreten und wie man Konfliktsituationen durch gewaltfreie Kommunikation löst oder sogar vermeidet. Trotz langer Schulungstage, oder wie Barbara Gängler treffend sagte unserem “Juleica-Thon”, führten wir zu zweit sehr intensive Gespräche und saßen abends zusammen bei einem Glas Wein oder Bier und jeder menge Spaß. Als am letzten gemeinsamen Abend die Idee aufkam Weihnachtslieder zu singen, waren alle mit dabei und wie selbstverständlich begleitete uns Andreas Beier auf der Gitarre dazu -> Taub und trotzdem singen. Mit vielen Emotionen und einem großen Paket an neuen Projekten mit hörgeschädigten Kindern ging unsere Juleica und damit die Blogwerkstatt 9 zu Ende. Vielen Dank an die Organisatoren Barbara Gängler, Geschäftsführerin der DCIG und Oliver Hupka, Vizepräsident der DCIG, so wie ein großes Lob an unseren Referenten Andreas Beier. In diesem Sinne -> KAA TSCHIN!

Stefanie Ziegler, Oliver Faulstich, Annika Rauscher, Laura Härtel, Jan Röhrig

ICH gehör zum WIR: Warum die Junge Selbsthilfe keine Eventagentur ist

3
Okt
8
laurahaertel

Ich geb´s ja zu: ich wollte einfach nur Skifahren. Die junge Selbsthilfe der DCIG bot eine „Blogwerkstatt im Schnee“ an, ich dachte mir „Skifahren – super und mit anderen Schwerhörigen ist es ja auch ein bisschen entspannter als unter Hörenden und was die da sonst noch so von Workshops labern… auch, da musst du dann halt auch durch.“ Ich hatte ja keine Ahnung!

Was ich bei der Blogwerkstatt erfahren habe, übertraf nicht nur meine Erwartungen, sondern auch meine Vorstellungskraft. Meine Erfahrungen mit Gruppen waren nie die besten gewesen. Zu groß die Anstrengungen unter lauter Hörenden, zu groß und andauernd der Kampf, nicht nur akzeptiert, sondern selbstverständlich Teil der Gruppe zu sein. Unter anderen Schwerhörigen ist das natürlich besser. Aber auf der Blogwerkstatt habe ich ein ganz neues Gruppengefühl kennengelernt, das von Vertrauen, bedingungsloser Akzeptanz, Wohlwollen und echten Interesse am Anderen geprägt ist. Man kann es eigentlich nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.

Kurz bevor ich das erste Mal nach St. Jakob fuhr, erschien die Ankündigung für die folgende Blogwerkstatt: Tanztheater in Kassel. Ich dachte mir „Soweit kommt es noch. Okay, fährst du jetzt mal mit zum Skifahren. Aber Tanztheater – nie im Leben!“ Kaum war ich wieder zu Hause, füllte ich das Anmeldeformular für Kassel aus. Denn inzwischen weiß ich: Es ist nicht wichtig, was wir machen. Wichtig ist, wie wir es machen. Das offizielle Programm, das tatsächlich oft wie eine einzige Party, oft aber auch nach harter Arbeit aussieht und beides auch ist, ist das eine. Aber das andere ist der inoffizielle Part, das „Drumherum“ – hier findet unheimlich viel statt. Die vielen intensiven Gespräche, der Erfahrungsaustausch, aber auch einfach die Art und Weise, miteinander umzugehen sowie das Gefühl, selbstverständlich dazuzugehören. Zusammen können wir über uns hinauswachsen und Dinge tun, die ich mich alleine nie getraut hätte: Im Bikini die Skipiste runterfahren oder auf der Alm vor aller Leute Augen Linedance tanzen, oder auf der Wiese im Park mitten in Berlin tanzen und dabei von außen betrachtet vermutlich ein bisschen wie bekiffte Hippies aussehen – all das ist nicht nur möglich, sondern fühlt sich auch noch verdammt gut an.

Jetzt sitze ich im Zug zurück nach Hause. Es fühlt sich komisch an, irgendwie leer und alleine, aber gelichzeitig emotional komplett erfüllt von der Zeit in Berlin. Die meisten von uns sind jetzt auf dem Weg zurück in die „hörende Welt“. Aber auch in dieser Welt spielt die Blogwerkstatt inzwischen eine sehr wichtige Rolle. Sie ist wie eine Kur, eine Kraftquelle, die ich von Zeit zu Zeit einfach brauche, um weitermachen zu können.

Ja, die Blogwerkstatt ist jedes Mal ein riesiges Event. Aber sie ist viel mehr als das. Wir können zwischen Workshops, intensiver Gruppenarbeit, Sport, tiefsinnigen Gesprächen (für die andere Leute einen teuren Psychologen bezahlen) und rauschenden Partys hin- und herwechseln, und das oft übergangslos. Zusammen mit dem einmaligen WIR-Gefühl entsteht so das Blogwerkstattfeeling – und das ist reine Selbsthilfe.

 

Familientreffen der besonderen Art #BW6

0
Mrz
26
Norma

Bald ist Ostern. Ostern ist ein Familienfest, so wie Weihnachten und Geburtstage. Die ganze Familie kommt zusammen und feiert. Oder auch nur ein Teil.

Dann gibt es da noch die Blogwerkstatt. Jede Blogwerkstatt ist ein Familientreffen auf einem ganz anderen Level. Zahlreiche junge Erwachsene mit Hörschädigung begegnen sich und sofort ist das familiäre Gefühl da! Das Vertrauen füreinander, keine Scheu vor Nähe!

Die Blogwerkstatt VI fand erneut in St. Jakob in Defereggen statt. Auf dem Tagesprogramm standen Skifahren und anschließend Workshops rund um Öffentlichkeitsarbeit. Trotz straffem Tagesablauf und teilweise wenig Schlaf (zumindest für die, die bis in die späten Stunden schnackten und spielten) strotzten wir immer vor Energie – sowohl auf der Piste als auch in der Arbeitsgruppe.

Wie schon zuvor in Kassel und Frankfurt erlebte ich ein großartiges Gefühl in der Gemeinschaft. Wir helfen einander. Wir vertrauen einander. Wir machen einander stark. Zusammen sind wir einfach unschlagbar! Nirgendwo sonst habe ich so viele Umarmungen in so kurzer Zeit erhalten – besonders nicht mit Leuten, die ich erst seit ein paar Stunden oder Tage kenne! Diese Art von Nähe ist nicht selbstverständlich, aber hier gibt es sie.

Was war noch?

Wetter war klasse! Nur anfangs gab es Nebel auf den höher gelegenen Pisten, ansonsten viel Sonnenschein, wie es sich gehört.

Statt Après-Ski gab es teilweise leckere Heißgetränke oder auch kühle Drinks im Café zwischen Herberge und Seminarraum. Man wollte ja wachbleiben für die Workshops.

Uuuund es wird noch ganz tolle Produkte geben, wie etwa ein ganz besonderes Drohnen-Video… mehr verrate ich hier nicht! ;P

Ach ja, die traditionelle Nacktabfahrt durfte natürlich auch nicht fehlen! 😉

Das schönste Geschenk am Ende dieser Familienfeier war die Nachricht: Wir kehren 2019 zurück nach St. Jakob!

Gefühlswelt auf der Bühne

2
Nov
18
Katja

Improvisation – selbst mit dabei

Zwei Menschen sitzen auf dem Boden, Rücken an Rücken. Sie können sich nicht sehen, nur spüren. „Für einen kurzen Moment Zärtlichkeit.“ „Wo?“ „Am Rücken.“ „Es ist warm.“ Stille im Raum. Beide spüren nach, was sie fühlen. Doch plötzlich: „ Es ist mir zu viel! Ich habe Angst.“ Sie wendet sich von ihrem Gegenüber ab und entfernt sich. Es fällt schwer, den plötzlichen Abstand auszuhalten. Sie sitzen sich gegenüber auf dem Boden und schaffen es nicht, sich in die Augen zu schauen. „Es ist kalt hier.“ Die Hände tasten sich langsam vor und wandern über den Boden auf einander zu – ganz langsam. Es wird wärmer. Die Hände finden zueinander, die Arme berühren sich. „Spürst du es auch?“ „Ja, es wird wärmer!“ Sie umarmen sich und kommen zur Ruhe.

Improvisation – auf der Bühne

Eine Person steht auf der Bühne. Zwei Personen kommen dazu und sprechen sie an. „Deine Haare sind kürzer als meine. Und sie sind heller.“ Die Person bekommt Angst, ist verunsichert und verwirrt. Die zweite Person sagt: „Und dein Haar länger als meins und sie sind dunkler.“
Nein, das ist nicht wahr. Sie versucht sich zu verteidigen. „Aber sie sind heller als ihre.“ Sie zeigt auf die andere Person.
„Du bist anders als wir.“
„Nein.“
Doch und beide zugleich: „Anders!“
„ANdersANDersANDErsANDERs ANDERS!“ Sie wird kleiner. „Nein!“ Die Person sackt zu Boden. Sie kauert sich zusammen. Die anderen beiden umringen sie, zeigen auf sie und werden immer lauter.
Auch ich sacke zusammen, doch dabei stehe ich nur am Rand, nur als Zuschauer. Doch trifft mich diese Szene aus unserem Tanztheater mitten im Herz, das dröhnende ANDERS klingt nach in den Ohren. Und doch bin ich selbst nicht in dieser Situation, ich bin nur ein Zuschauer. Ich sehe etwas, was in mir eingeschlossen war. Das Erlebte wird aus den Untiefen herausgeholt, freigelassen, ohne dass ich selbst es noch einmal erlebe. Ich kann geschützt die Szene betrachten, denn es ist „nur“ ein Schauspiel. Ich kann etwas sehen, ich sehe es auf der Bühne, es ist nicht länger nur ein Gefühl im Bauch. Es wurde in Worte gefasst, dargestellt und ich kann der Vogel sein, der die Situation aus einem sicheren Abstand betrachtet.

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“

Rückblick – vor meiner ersten Blogwerkstatt:

Ich besuche eine Familie mit einem kleinen Kind. Wir sitzen zusammen bei Kuchen und Tee. Die Kleine möchte mit mir Memory spielen. Dem Papa  fällt ein, dass die Schwester Geburtstag hat, schnappt sich sein Tablet und schaltet Skype ein. „Hallo! Happy Birthday to you!“ Die Kleine rennt hin und singt mit. Dann fangen sie ein Gespräch an, die Kleine kommt zu mir zurück und wir spielen weiter Memory. Wir lassen uns dabei nicht ablenken. Doch plötzlich klingt ein schallendes Gelächter zu uns und die anderen im Raum lachen mit, nur wir zwei nicht. Ich und die Kleine. Ich denke: Hmm. Jetzt lachen alle und du hast den Witz nicht verstanden… Naja. Doch dann fange ich den Blick der Kleinen auf, sie schaut traurig, sie hat auch nichts verstanden und wendet sich aber dem Spiel wieder zu. Sie hat auch ein CI. Die Mama merkt unseren Gemütszustand und erklärt uns beiden den Witz. In Gedanken habe ich die Kleine umarmt und gleichzeitig habe ich irgendwie auch das Kind in mir getröstet und umarmt. Ja, sie und ich sind nicht allein.

Jetzt weiß ich es nicht nur, sondern habe dieses Gemeinschaftsgefühl wieder einmal mit noch mehr Taubsis erlebt:

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“ Wir sind nicht länger allein.

Weiterlesen

Wo ist der rote Faden?

4
Nov
3
madeleine

Jeder von uns hat mit Sicherheit in Gesprächen oder Vorträgen schon einmal den “Faden verloren”, oder?

Doch hatte ich ihn überhaupt schon gefunden ? 

Diese Frage nahm ich aus Kassel, der 5. Blogwerkstatt mit nach Hause. Seit ich im August 2016 bei der 3. Blogwerkstatt, das erste Mal auf andere Hörgeschädigte in meinem Alter traf, versuche ich das Erlebte in Worte zu fassen, was mir bisher nicht wirklich gelang – zu intensiv waren und sind die Gefühle dabei. Zu Hause lebe ich in einem komplett “guthörenden” Umfeld. Natürlich bringen meine Freunde und die Familie Geduld und Verständnis für mich auf, dennoch fühle ich mich oft nicht wirklich verstanden.

“Gut gemeinte Ratschläge”

Ich müsse “einfach mehr üben”, “mein Hörgerät lauter stellen” oder mal wieder zur CI Einstellung gehen. Solche und ähnliche Aussagen beantworte ich zwar meistens mit einem Lächeln, empfinde sie aber häufig trotzdem als verletzend. Dem entsprechend ruhig und zurückhaltend war ich als ich damals in Diez (#BW3) ankam. Zu schlecht waren meine Erfahrungen in fremden Gruppen. Doch das änderte sich schnell. Jeder wurde herzlich aufgenommen, begrüßt und umarmt. Ein Umfeld in dem man sich auf Anhieb wohl fühlte.

Die 5 Tage vergingen wie im Flug. Zu Hause angekommen war ich noch tagelang überwältigt von den vielen Eindrücken und Emotionen der vergangenen Tage. Doch eines war bereits klar: “Ich komme wieder”.

Blogwerkstatt 4 – Spaß im Schnee 

Als Ski-Anfänger stellte ich mich der Herausforderung in St. Jakob, Osttirol (#BW4). 230 Tage warten hatte nun endlich ein Ende. Schnell war es wieder da, dieses Blogwerkstatt-Feeling”, das ich nicht wirklich beschreiben kann, aber so vermisst hatte. Eine Woche verbrachten wir gemeinsam in Österreich und wieder zeigte sich, was für eine tolle Gemeinschaft wir sind. Denn egal ob Anfänger oder Profi, jeder half jedem und der Spaß stand im Vordergrund. Selbstverständlich, dass ich nach all diesen Erlebnissen auch in Kassel bei der #BW5 wieder dabei sein wollte.

Diesesmal ging es beim Tanztheater sehr ruhig und gefühlvoll zu. Als Hörgeschädigter mit der eigenen Stimme zu arbeiten, ist mir und anderen anfangs sicherlich nicht leicht gefallen. Doch auch hier zeigte sich die Stärke in der Gruppe. Zusammen erzeugten wir einen fantastischen Klangteppich, der Gänsehaut entstehen ließ.

Der Weg ist das Ziel..

Es scheint, dass ich den roten Faden wohl gefunden habe – in der Gemeinschaft und im Kontakt unter Gleichgesinnten.

WIR sind der rote Faden !!

#wirsindallegleich #Focus #Gegensätze #roterFaden #ichdankeeuchallen #dcig #deafohralive

Alle Wege führen nach Kassel #BW5

4
Nov
2
Norma
Wege nach Kassel

“Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.”

Dieses Zitat ist aus dem Theaterstück, das wir im Rahmen der fünften Blogwerkstatt selber entwickelt haben. Es trifft die Stimmung innerhalb unserer Gruppe sehr gut. Denn wir sind alle hörgeschädigt und in der normalhörenden Welt werden wir nun mal „anders“ wahrgenommen oder fühlen uns selber „anders“.

Dies hier ist mein persönlicher Eindruck zur fünften Blogwerkstatt, meine erste und sicher nicht letzte! Ich war sehr überwältigt von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Schon bei der Ankunft fühlte man sich sehr herzlich aufgenommen und auch an den Folgetagen wurde sehr deutlich, wie wunderbar die Gruppe funktionierte. Es war kein T.e.a.m. („Toll, ein anderer macht’s!“), sondern tatsächlich ein TEAM.

Unter Normalhörenden bin ich immer diejenige, die etwas mehr Rücksicht braucht und viel aufmerksamer sein muss als andere. Ich fühle mich oft nicht richtig verstanden („Cool, du kannst also dein Gehör einfach abstellen, wenn du willst!“ – ja, aber zu was für einem Preis??) und Nichtgehörtes wird schnell abgewunken („Ach, ist nicht so wichtig!“). Jeder mit Hörschädigung kennt solche Situationen.

Umso schöner war es dann in Kassel, wo ich eine von vielen war.

  • Jeder weiß, was Hörschädigung tatsächlich bedeutet.
  • Keiner wird ausgelacht, weil er bedingt durch die Hörschädigung einen gewissen Dialekt hat oder aus dem Rahmen tanzt, weil etwas nicht gehört wurde.
  • Nichtverstandenes wird geduldig wiederholt, bis es angekommen ist. Egal, wie oft.
  • Hilfsmittel wie Gebärden und Fingeralphabet sind selbstverständlich.
  • Blickkontakt sowieso.

Es gab auch kleine Situationen, die mir sehr gefallen haben. Zum Beispiel, wenn zwei Hörgeschädigte mitten auf der Straße laufen und vertieft in ihrer Unterhaltung das von hinten kommende Auto erst spät bemerken. Sonst sind es ja die guthörenden Freunde, die einen frühzeitig zur Seite ziehen. 🙂

Schön ist auch, dass keiner sich vor Körperkontakt zu scheuen schien. Ich habe oft das Gefühl, dass gerade hörgeschädigte Menschen gerne andere berühren, etwa um Aufmerksamkeit zu erhalten oder ihr Mitgefühl zu zeigen. Sonst kenne ich das nur von guten Freunden oder Familie. Daher entstand auch sehr schnell eine familiäre Atmosphäre in der Gruppe.

Besonders ist auch: Niemand wird außen vorgelassen. Denn alle kennen das Gefühl, ausgeschlossen zu werden. Es ist jedem in der normalhörenden Gesellschaft mal passiert und innerhalb der Blogwerkstatt wurde eben jenes verhindert. Jeder war mittendrin statt nur dabei!

In den fünf Tagen, die wir gemeinsam in Kassel verbrachten, fühlte ich mich ungewohnt wohl und gut aufgehoben, das kenne ich von sonst nirgendwo so. Innerhalb der kurzen Zeit hatte ich dann plötzlich gefühlt 39 neue Freunde! Bestimmt ging es anderen auch so. 🙂

Bewundernswert, zumal jeder aus unterschiedlichsten Ecken in Deutschland (und Österreich) kam. Es haben also tatsächlich alle Wege nach Kassel geführt.

Junge Selbsthilfe goes Berlin

1

Die Blogwerkstatt 7 soll in der Hauptstadt stattfinden

Die Blogwerkstatt 5 vor Augen, die Blogwerkstatt 6 in St. Jakob im März 2018 (17.03.-24.03.2018) fest eingeplant, beschäftigen wir uns hinter den Kulissen bereits mit der Blogwerkstatt 7, welche in Kooperation mit der BBCIG e.V. im Herbst 2018 in Berlin stattfinden soll. Die Junge Selbsthilfe der DCIG lebt wie nie zuvor und das Engagement kennt keine Grenzen. Die ersten regionalen Untergruppen von Deaf-Ohr-Alive sind gegründet und ein Ende ist zum Glück nicht in Sicht. Immer mehr junge Aktive fordern, in die Planungen und die Konzeption weiterer Events involviert zu werden.

Jetzt habt IHR die Chance!

Gestaltet die Blogwerkstatt 7 in Berlin aktiv mit und bringt eure Ideen und Wünsche ein. Wir suchen eine Projektgruppe von etwa 5 Personen. Meldet euch bei Interesse direkt bei: oliver.hupka@dcig.de

WIR SIND DIE DCIG – WIR SIND DIE JUNGE SELBSTHILFE – WIR SIND DEAF-OHR-ALIVE

Glücksmomente auf der Blogwerkstatt 4

4
Apr
4
pialeven

Ein richtiger Artikel zur Blogwerkstatt 4 kommt von mir noch! Hier liste ich vorab einfach meine Glücksmomente auf. Alle anderen dürfen gerne in den Kommentaren ergänzen. 🙂

 

 

 

Alle meine Taubsis wieder sehen

Enge Freundschaften wieder beisammen

Neue Leute kennengelernt

BOMBEN Wetter

HAMMER Stimmung

Tiefgreifende Workshops

Snowboarding

Tanzen

Gebärdensprache

Kartoffelpommesmayo

Zusammen Wandern

Tolle Fotos

Tolle Videos

Zusammenhalt

Intensive Gespräche

Mooseralm

Gemeinsam Kreativ sein

Im Bus telefonieren

Zusammen Lachen

Zusammen Musik machen

Und noch vieles mehr…

DCIG Blogwerkstatt 5 – seid ihr dabei?

5

Junge Selbsthilfe: Im Fokus: Wir!

Tanztheater für hörgeschädigte Menschen

28. Oktober – 01. November 2017 | Jugendherberge Kassel (Schenkendorfstraße)
Du hast Spaß an Bewegung und Musik? Du hast Ideen und möchtest sie im künstlerischen Ausdruck umsetzen? Du hast Lust, Geschichten zu erfinden und Dich darin auszudrücken? Du möchtest gerne mit Dir und anderen Grenzen ausloten und auch überschreiten? Du bist offen für das, was sich in der Gruppe ergibt?

Dann bist Du hier genau richtig. Wir möchten mit Euch musikalische und tänzerische  Möglichkeiten entdecken. Wir möchten mit Euch gemeinsam Szenen erarbeiten, die Eure Bilder, Phantasien, Träume, Wünsche, Erlebnisse tänzerisch und musikalisch ausdrücken. Wir möchten mit Euch Euer eigenes Tanztheaterprojekt entwickeln. Elemente aus Tanz und Musik sind Mittel um Ausgangspunkte zu schaffen und Geschichten zu erzählen.
Was entsteht, entsteht aus der Phantasie der Akteure und ihrem Spiel mit den Mitteln aus Musik, Stimme, Bewegung, Begegnung. Ästhetik und Ausdruck stehen im Einklang mit dem Geschehen und nehmen Akteure und Zuschauer mit.
Wir arbeiten mit dem Staatstheater Kassel zusammen, das sich schon bei unserer ersten Anfrage von unserer Idee in den Bann ziehen ließ. Für unsere Arbeit stehen uns die Probebühnen dort zur Verfügung, und wir lernen professionellen Tänzer der Tanzkompanie des Theaters kennen.

Voraussetzung: Offenheit, Lust an der gemeinsamen Arbeit, Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen.
Keine musikalischen oder tänzerischen Vorkenntnisse erforderlich!

DCIG Blogwerkstatt 3 – seid ihr dabei?

31

Selbstmanagement und Neue Medien

Schon mal ein Feuer ohne Feuerzeug gemacht? Oder ein Floß gebaut?
Survivaltraining, Selbstverteidigung, Geocaching, Bogenschießen und vieles mehr warten auf UNS ebenso wie diverse Workshops von Christian Borth (Profifotograf), Peter Dieler (Audiotherapeut), Alexander Görsdorf (Autor Taube Nuss), Jana Verheyen (Audiocoach), Patrizia Wolfinger (Lehrerin für Selbstverteidigung) und vielen weiteren Referenten.

Muss man noch mehr sagen? Das vorläufige Programm, sowie das Anmeldeformular findet ihr bereits auf der Webseite der DCIG unter https://https://dcig.de/junge-selbsthilfe/blogwerkstatt/blogwerkstatt-3

Was sagt ihr zu dem Programm und habt ihr euch schon einen der begehrten Plätze gesichert?