Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Wo ist der rote Faden?

4
Nov
3
madeleine

Jeder von uns hat mit Sicherheit in Gesprächen oder Vorträgen schon einmal den “Faden verloren”, oder?

Doch hatte ich ihn überhaupt schon gefunden ? 

Diese Frage nahm ich aus Kassel, der 5. Blogwerkstatt mit nach Hause. Seit ich im August 2016 bei der 3. Blogwerkstatt, das erste Mal auf andere Hörgeschädigte in meinem Alter traf, versuche ich das Erlebte in Worte zu fassen, was mir bisher nicht wirklich gelang – zu intensiv waren und sind die Gefühle dabei. Zu Hause lebe ich in einem komplett “guthörenden” Umfeld. Natürlich bringen meine Freunde und die Familie Geduld und Verständnis für mich auf, dennoch fühle ich mich oft nicht wirklich verstanden.

“Gut gemeinte Ratschläge”

Ich müsse “einfach mehr üben”, “mein Hörgerät lauter stellen” oder mal wieder zur CI Einstellung gehen. Solche und ähnliche Aussagen beantworte ich zwar meistens mit einem Lächeln, empfinde sie aber häufig trotzdem als verletzend. Dem entsprechend ruhig und zurückhaltend war ich als ich damals in Diez (#BW3) ankam. Zu schlecht waren meine Erfahrungen in fremden Gruppen. Doch das änderte sich schnell. Jeder wurde herzlich aufgenommen, begrüßt und umarmt. Ein Umfeld in dem man sich auf Anhieb wohl fühlte.

Die 5 Tage vergingen wie im Flug. Zu Hause angekommen war ich noch tagelang überwältigt von den vielen Eindrücken und Emotionen der vergangenen Tage. Doch eines war bereits klar: “Ich komme wieder”.

Blogwerkstatt 4 – Spaß im Schnee 

Als Ski-Anfänger stellte ich mich der Herausforderung in St. Jakob, Osttirol (#BW4). 230 Tage warten hatte nun endlich ein Ende. Schnell war es wieder da, dieses Blogwerkstatt-Feeling”, das ich nicht wirklich beschreiben kann, aber so vermisst hatte. Eine Woche verbrachten wir gemeinsam in Österreich und wieder zeigte sich, was für eine tolle Gemeinschaft wir sind. Denn egal ob Anfänger oder Profi, jeder half jedem und der Spaß stand im Vordergrund. Selbstverständlich, dass ich nach all diesen Erlebnissen auch in Kassel bei der #BW5 wieder dabei sein wollte.

Diesesmal ging es beim Tanztheater sehr ruhig und gefühlvoll zu. Als Hörgeschädigter mit der eigenen Stimme zu arbeiten, ist mir und anderen anfangs sicherlich nicht leicht gefallen. Doch auch hier zeigte sich die Stärke in der Gruppe. Zusammen erzeugten wir einen fantastischen Klangteppich, der Gänsehaut entstehen ließ.

Der Weg ist das Ziel..

Es scheint, dass ich den roten Faden wohl gefunden habe – in der Gemeinschaft und im Kontakt unter Gleichgesinnten.

WIR sind der rote Faden !!

#wirsindallegleich #Focus #Gegensätze #roterFaden #ichdankeeuchallen #dcig #deafohralive

Alle Wege führen nach Kassel #BW5

4
Nov
2
Norma
Wege nach Kassel

“Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.”

Dieses Zitat ist aus dem Theaterstück, das wir im Rahmen der fünften Blogwerkstatt selber entwickelt haben. Es trifft die Stimmung innerhalb unserer Gruppe sehr gut. Denn wir sind alle hörgeschädigt und in der normalhörenden Welt werden wir nun mal „anders“ wahrgenommen oder fühlen uns selber „anders“.

Dies hier ist mein persönlicher Eindruck zur fünften Blogwerkstatt, meine erste und sicher nicht letzte! Ich war sehr überwältigt von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Schon bei der Ankunft fühlte man sich sehr herzlich aufgenommen und auch an den Folgetagen wurde sehr deutlich, wie wunderbar die Gruppe funktionierte. Es war kein T.e.a.m. („Toll, ein anderer macht’s!“), sondern tatsächlich ein TEAM.

Unter Normalhörenden bin ich immer diejenige, die etwas mehr Rücksicht braucht und viel aufmerksamer sein muss als andere. Ich fühle mich oft nicht richtig verstanden („Cool, du kannst also dein Gehör einfach abstellen, wenn du willst!“ – ja, aber zu was für einem Preis??) und Nichtgehörtes wird schnell abgewunken („Ach, ist nicht so wichtig!“). Jeder mit Hörschädigung kennt solche Situationen.

Umso schöner war es dann in Kassel, wo ich eine von vielen war.

  • Jeder weiß, was Hörschädigung tatsächlich bedeutet.
  • Keiner wird ausgelacht, weil er bedingt durch die Hörschädigung einen gewissen Dialekt hat oder aus dem Rahmen tanzt, weil etwas nicht gehört wurde.
  • Nichtverstandenes wird geduldig wiederholt, bis es angekommen ist. Egal, wie oft.
  • Hilfsmittel wie Gebärden und Fingeralphabet sind selbstverständlich.
  • Blickkontakt sowieso.

Es gab auch kleine Situationen, die mir sehr gefallen haben. Zum Beispiel, wenn zwei Hörgeschädigte mitten auf der Straße laufen und vertieft in ihrer Unterhaltung das von hinten kommende Auto erst spät bemerken. Sonst sind es ja die guthörenden Freunde, die einen frühzeitig zur Seite ziehen. 🙂

Schön ist auch, dass keiner sich vor Körperkontakt zu scheuen schien. Ich habe oft das Gefühl, dass gerade hörgeschädigte Menschen gerne andere berühren, etwa um Aufmerksamkeit zu erhalten oder ihr Mitgefühl zu zeigen. Sonst kenne ich das nur von guten Freunden oder Familie. Daher entstand auch sehr schnell eine familiäre Atmosphäre in der Gruppe.

Besonders ist auch: Niemand wird außen vorgelassen. Denn alle kennen das Gefühl, ausgeschlossen zu werden. Es ist jedem in der normalhörenden Gesellschaft mal passiert und innerhalb der Blogwerkstatt wurde eben jenes verhindert. Jeder war mittendrin statt nur dabei!

In den fünf Tagen, die wir gemeinsam in Kassel verbrachten, fühlte ich mich ungewohnt wohl und gut aufgehoben, das kenne ich von sonst nirgendwo so. Innerhalb der kurzen Zeit hatte ich dann plötzlich gefühlt 39 neue Freunde! Bestimmt ging es anderen auch so. 🙂

Bewundernswert, zumal jeder aus unterschiedlichsten Ecken in Deutschland (und Österreich) kam. Es haben also tatsächlich alle Wege nach Kassel geführt.

DCIG Blogwerkstatt 5 – seid ihr dabei?

5

Junge Selbsthilfe: Im Fokus: Wir!

Tanztheater für hörgeschädigte Menschen

28. Oktober – 01. November 2017 | Jugendherberge Kassel (Schenkendorfstraße)
Du hast Spaß an Bewegung und Musik? Du hast Ideen und möchtest sie im künstlerischen Ausdruck umsetzen? Du hast Lust, Geschichten zu erfinden und Dich darin auszudrücken? Du möchtest gerne mit Dir und anderen Grenzen ausloten und auch überschreiten? Du bist offen für das, was sich in der Gruppe ergibt?

Dann bist Du hier genau richtig. Wir möchten mit Euch musikalische und tänzerische  Möglichkeiten entdecken. Wir möchten mit Euch gemeinsam Szenen erarbeiten, die Eure Bilder, Phantasien, Träume, Wünsche, Erlebnisse tänzerisch und musikalisch ausdrücken. Wir möchten mit Euch Euer eigenes Tanztheaterprojekt entwickeln. Elemente aus Tanz und Musik sind Mittel um Ausgangspunkte zu schaffen und Geschichten zu erzählen.
Was entsteht, entsteht aus der Phantasie der Akteure und ihrem Spiel mit den Mitteln aus Musik, Stimme, Bewegung, Begegnung. Ästhetik und Ausdruck stehen im Einklang mit dem Geschehen und nehmen Akteure und Zuschauer mit.
Wir arbeiten mit dem Staatstheater Kassel zusammen, das sich schon bei unserer ersten Anfrage von unserer Idee in den Bann ziehen ließ. Für unsere Arbeit stehen uns die Probebühnen dort zur Verfügung, und wir lernen professionellen Tänzer der Tanzkompanie des Theaters kennen.

Voraussetzung: Offenheit, Lust an der gemeinsamen Arbeit, Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen.
Keine musikalischen oder tänzerischen Vorkenntnisse erforderlich!