Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Erfahrungsbericht: Vergleich Nucleus N7 und Kanso 2

0
Jun
17
andreasdaniel

Eines vorweg: Dies ist nicht unbedingt ein neutraler Beitrag, da ich Träger zweier Implantate der Firma Cochlear bin. Somit kann ich auch nur über Geräte dieser Firma schreiben.

Nach fünf Jahren mit dem N6 beidseitig war es wieder so weit: Es ist Zeit für einen Nachfolger! Ich hatte beschlossen, die Gelegenheit bei meinem CI-Zentrum zu nutzen und den Nucleus N7 und den Nucleus Kanso 2 im direkten Vergleich zu testen (Leihgeräte).

Beide haben dieselbe Technologie mit SmartSound, ForwardFocus, dieselbe True Wireless-Zubehörkomponenten und können über die Nucleus Smart App bedient werden. Sie unterscheiden sich im Grunde nur über die Bauform: Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO, N7) und Frei-vom-Ohr-Gerät (FvO, Kanso 2). Beim Kanso 2 sind also der Sprachprozessor, das Akkufach und die Spule in einem All-in One-Gerät untergebracht.

Endlich ist der N7 da!

Es ist bestimmt das erste Mal, dass ich mich statt auf den Nachfolger meines N6 mehr auf die neue Bedienung mit der Nucleus Smart-App gefreut hatte!
Die App hält was sie verspricht: Man kann problemlos den Batterie/Akkuzustand auslesen, die Lautstärke/Mikrofonempfindlichkeit einstellen und alle True Wireless-Komponenten direkt auswählen und verbinden. Das beste Feature ist jedoch die Bluetooth-Kompatibiliät zu meinem Iphone (oder Android) – seither verpasse ich keinen Anruf mehr, da es direkt „in meinen Ohren“ klingelt und man kann das Gespräch direkt stereo verfolgen. Den Telefonclip selbst benötigt man eigentlich nicht mehr, er kann jedoch weiterhin für andere Geräte (z.B. DECT-Telefon mit Bluetooth) verwendet werden.

Jetzt aber ein paar Worte zum N7: Ich bekam bei der Erstanpassung aus Vergleichsgründen dieselben Programme wie beim Vorgänger N6. Schon in den ersten Tagen bekam ich positive Rückmeldungen, dass ich Stimmen aus dem Hintergrund leichter mitverfolgen könne. Mir fiel das Hören insgesamt leichter, da ich mich beim Zuhören weniger anstrengen muss. Beim Richtungshören bemerke ich auch Fortschritte. Ansonsten ist das Gerät recht vertraut im Umgang und in der Handhabung – hier hat sich kaum etwas geändert – von dem Wechsel des Mikrofonschutzes abgesehen, das jetzt leichter sein soll. Dass es eine Taste weniger hat als der N6, stört seit der Bedienung mit der App überhaupt nicht.

Ich werde mir vermutlich eine iWatch zulegen -mit der kann man den N7 auch bedienen 🙂

Nun der Kanso 2

Spannend wurde es, als ich nach 4 Wochen den Kanso 2 testen durfte! Die Erstanpassung verlief wie gewohnt, auch hier bekam ich dieselben Programme aufgespielt. Beim Ansetzen am Kopf am Implantat fiel mir gleich auf, dass meine Magnetstärke nicht mehr ausreichend für einen sicheren Halt ist. Es musste eine Stufe stärker sein. Der Kanso hat schließlich ein etwas höheres Gewicht als die Spule alleine!

Am Tragekomfort war es für mich ein deutlicher Gewinn, endlich mal die „Ohren frei zu haben“, wenn man mal Brille und Maske tragen muss.

Auch wenn es laut Cochlear die kleinste und leichteste Einheit der Welt sei, ist es in meinen Augen (und der wenigen Bekannten) doch recht klobig im Vergleich zur flachen Spule des N7 – spätestens dann zu spüren, wenn man einen Helm diverser Art (Fahrrad, Ski, Motorrad) anziehen möchte – es wäre mir nicht mehr möglich gewesen.

Bei vielen üblichen Dingen und gewohnten Abläufen im Alltag merkte ich doch eine Umstellung: Sei es beim Umziehen von T-Shirts, Pullover – da sind mir die Kanso gerne schon mal „um die Ohren geflogen“, bis man sich daran gewöhnt hat diese vorher abzulegen. Generell verliert man den Kanso schneller bei heftigerem Kopfschütteln, wenn man den Kopf streift oder auch die Brille hochsetzt. Beim N7 „rettet“ meistens das Ohr beim Abfallen der Spule vor dem Verlust des ganzen Gerätes. Es gibt zur Vermeidung solcher Fälle extra eine Sicherheitsschnur, mit der man den Kanso via Haarklammer oder an der Bekleidung fixieren kann. Am Haar ist es für mich als Kurzhaarträger keine Option, und eine Schnur zwischen Kopf und Bekleidung finde ich schon störend.

Wenn man die Wireless-Zubehörgeräte mit Kanso 2 koppeln möchte – dann wird es zu einem Geduldsspiel: Man muss das Gerät zum Koppeln aus- und wieder einschalten. Hierfür muss man eine Touchtaste mehrmals kurz und schnell antippen (An: 2x, Aus: 3x) – Hier habe ich gut und gerne 10 Versuche pro Seite gebraucht bis es geklappt hat. Selbst nach einigen Wochen ging es zwar etwas besser, aber immer noch sehr umständlich. Hier muss Cochlear unbedingt nachbessern!

Bei Unterhaltungen im Freien ist es deutlich auffallend, wie empfindlicher der Kanso 2 dann doch bei Windgeräuschen ist – da die Mikrofone etwas exponierter angeordnet sind. Der Störlärm ist dabei markanter. Akustisch gibt es sonst keine Unterschiede zum N7 – es ist “nur” eine andere Trageform.

Über den Akku /Batterie möchte ich keinen Vergleich ziehen da dies nicht fair wäre (Ich hatte den N7 nicht mit dem Akkumodul). Aber falls es jemand interessiert:

Nach einem 16-18 stündigen Tag und laut App bis zu 4 Stunden „Zeit mit Sprache“ am Tag hat der Akku des Kanso noch eine Restkapazität von ca. 35-45%. Der N7 mit Batteriefach hält ca. 45 Stunden durch.

Pros Kanso 2:

– Tragekomfort
– Einheit hat einen höheren Spritzwasserschutz
– Trockenkapsel und Ladestation in einem
– Standby-Modus (schaltet sich automatisch An und Aus)

Contra Kanso 2:

– Empfindlicher bei Windgeräuschen
– Fällt leicht vom Kopf ab
– Ladestation brummt laut (für andere Personen im Schlafzimmer)
– Tragen von Helmen eingeschränkt
– „Touch-Taste“

Was Schildkröten im Schilde führen

1
Jun
18
MariaKeim

Wart ihr jemals von den Geräuschen in dieser Welt überfordert und wolltet in eine andere Welt flüchten?

Ich, Maria, habe das jeden Tag auf dem Schulhof getan.CI aus, Fantasie an. Mein kleines, zerfleddertes Notizbuch gefüllt mit Worten, die kein Ohr fanden.

Diese Worte wurden Sätze, Kapitel, Bücher, und mein größter Traum war es, diese Bücher zu veröffentlichen.

Jetzt, Jahre später, ist dieser Traum zum Greifen nahe. Mein Buch über eine kleine grüne Schildkröte hat es geschafft, ganz vorne bei einem Buchwettbewerb zu rennen und ist unter den Finalisten des #stayhomeandwrite-Wettbewerbes vom PIPER-Verlag und buchszene.de.

Ihr wollt wissen, was die Schildkröte im Schilde führt? Hier der Anfang des Buches:

Vor dem mächtigen Kölner Dom steht eine Schildkröte mit einem Schild. Nicht ein Schild im Sinne von Schildpanzer, sondern ein pappiges Pappplakat, das an einem Ast wackelt. Darunter das Tier, das gerade mal so groß ist wie meine Faust.
Ich steige von meinem knallroten Fahrrad ab und schiebe es näher heran. Der Wind hier oben zerrt an der Schildreklame – oder eher Schildkrötenreklame.
WECHSELWARMES KRIECHTIER SUCHT EINSIGARTIGE WOHNGEMEINSCHAFT MIT MÖGLICHST K(L)EINEM ÖKOLOGISCHEN FUSSABDRUCK!
PS: NIEDER MIT DER KOHLE!
„Schreibt man einzigartig nicht mit Z?“, frage ich niemand bestimmten.
„Laut Duden schon“, ertönt es. „Aber wenn alle ‚einzigartig‘ schreiben, dann wäre es ja nicht mehr einzigartig.“
Ich betrachte die Schildkröte. Dann schaue ich nach links. Nach rechts. Durch den einsetzenden Nieselregen sichte ich unzählige graue Gestalten, die unter Schirmen durch die Gegend huschen.
Da ertönt wieder die Stimme. „Das ist ähnlich wie beim Palindrom.“ Die schwarzen Glubschaugen des Reptils sehen zu mir hinauf.
Ich blinzele.
Das Tier blinzelt und öffnet seinen Mund…

“Ohne Mundbild ist alles doof”

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Mundschutz
– in aller Munde

Die Junge Selbsthilfe der DCIG zeigt mal wieder ihre Kreativität. Deaf-Ohr-Alive Rhein-Main möchte einen speziellen DOA Mundschutz anbieten, um auf die besondere Situation hörgeschädigter Menschen aufmerksam zu machen. Neben dem DOA Logo soll eine kurze, aber eindeutige Nachricht aufgedruckt werden. Lasst eurer Kreativität freien Lauf und schickt eine Nachricht an DOA Rhein-Main, oder hinterlasst eure Ideen einfach in den Kommentaren.

Bisherige Ideen:

  • Ich bin taub und brauche das Mundbild
  • Ich höre dein Lächeln nicht
  • Du kannst mich verstehen, aber was ist mit mir?
  • Ich sehe nicht was du sagst
  • Ich höre mit den Augen
  • Wo ist dein Mundbild?
  • Seh ich nix, versteh ich nix

Alle Rückmeldungen bis zum Freitag, den 01. Mai 2020 werden berücksichtigt und wer weiß, vielleicht begegnet ihr eurem Spruch dann schon bald auf der Straße.

CI-Scouts in Budapest

0
Mrz
5
CI-Scouts

Im Rahmen des CI-Scouts-Projekts ging es für Carolin und Marilen nach Ungarn. Nach der Ankunft am Bahnhof in Budapest ging es erstmal ins Hotel. Der erste Tag in Budapest wurde genutzt, um dieses etwas kennen zu lernen und sich zu orientieren. Ein Freund von Marilens Familie teilte dabei begeistert sein Wissen über die Geschichte der Stadt mit den beiden und gab einen ersten Überblick über das ungarische Gesundheits- und Schulsystem. In Ungarn gibt es beispielsweise nur eine „Krankenkasse“, die dafür aber auf nationaler Ebene arbeitet.

Der folgende Tag begann für Carolin und Marilen mit einem Treffen mit den jungen Erwachsenen Dóri, Linda, Mario und Patricia, um sich genauer über die Hörsituation von hörgeschädigten und gehörlosen Menschen in Ungarn auszutauschen. Das war ein besonders wertvoller Termin, denn von den Gesprächsteilnehmern ist jeder unterschiedlich versorgt (CI- und Hörgeräte). Während des Gesprächs fiel immer wieder das Stickwort „SINOSZ“. „SINOSZ“ ist eine sehr einflussreiche und landesweite Organisation für Gehörlose und Hörgeschädigte in Ungarn, die stark von der Gehörlosenkultur geprägt und auch politisch engagiert ist. Ein großer Erfolg von „SINOSZ“ ist zum Beispiel, dass die Gebärdensprache als offizielle Sprache anerkannt wurde. Mitglieder dieser Organisation erhalten gegen einen jährlichen Beitrag von 17,00 € bis 18,00 € eine SINOSZ-Karte, mit der man den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen und auch viele weitere, starke Vergünstigungen erhalten kann. Sehr überraschend war, dass ein Teil des Nachteilsaugleich vorsieht, dass man als hörbehinderte Person an Inklusionsschulen selbst entscheiden kann, ob man den Sprach- und den Singunterricht abwählt oder vereinfachte Klassenarbeiten schreiben möchte.

Am Freitag trafen unsere CI-Scouts auf Reka Kovács vom Cochlear Implant Knowledge Center, die ihnen wertvolle Informationen über die CI-Versorgung in Ungarn mit auf den Weg gab. Besonders interessant ist, dass in Ungarn neben zwei Akkus pro Prozessor, ein Minimikrofon Teil des CI-Pakets ist, weshalb FM-Anlagen kaum genutzt werden. Es gibt insgesamt vier Kliniken, die CI-OPs anbieten. Zur Anpassung gibt es dann aber keine Reha, sondern nur einen Tagesaufenthalt für die Einstellung des CIs, der zu Beginn alle vier Wochen stattfindet und später mindestens einmal im Jahr von den CI-Trägern wahrgenommen werden sollte.

Abschließend waren Carolin und Marilen noch einmal mit Mario und Linda verabredet. Bei diesem Treffen fragten die CI-Scouts, was Mario und Linda in Bezug auf Barrierefreiheit und den Umgang mit der Behinderung in Ungarn gerne ändern würden. Sie wünschen sich generell eine bessere Aufklärung und Sensibilisierung der Gesellschaft, speziell aber auch für Ärzte, Lehrer und Kollegen. Ein weiterer Wunsch von ihnen ist, dass es für jeden verpflichtend sein wird, regelmäßig Hörtests zu machen. Zu guter Letzt finden sie es notwendig, dass CI-OPs an mehr als vier Kliniken im Land durchgeführt werden.

Das Fazit der Reise von Carolin und Marilen: „Insgesamt waren wir von der allgemeinen Situation der Gehörlosen und Hörgeschädigten in Ungarn positiv überrascht. Wir entdeckten immer wieder Parallelen, aber auch starke Kontraste in Bezug auf die Situation in Deutschland und unsere persönlichen Erfahrungen.

Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit im Rahmen der DCIG CI-Scouts diese absolut wertvolle und aufschlussreiche Erfahrung gemacht zu haben. Uns in einem fremden Land mit Gleichgesinnten über die Hörsituation und Versorgung auszutauschen, war ein echtes Highlight. Wir können jeden nur ermutigen, trotz Hörschädigung ins Ausland zu gehen.“

Deutschland sucht die hörgerechte Super-Behörde

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Hallo zusammen – es ist CI-Botschafter-Zeit!

Und: Deutschland sucht die hörgerechte* Super-Behörde!

Was ist ein CI-Botschafter?
CI-Botschafter sind Menschen, die schwerhörig und mit CI oder HG versorgt sind und die überall in Deutschland mit Unterstützung der DCIG zu einem bestimmten Thema unterwegs sind. Was wir in den letzten Jahren gemacht haben, kann man hier: https://dcig.de/veranstaltungen/ci_tag/ nachlesen. CI-Botschafter sind engagiert, kompetent und überzeugend! Denn sie berichten aus erster Hand und vertreten ihre eigenen Anliegen.

Was muss ich als CI-Botschafter tun?
In diesem Jahr eine oder mehrere Behörden aufsuchen und auf Hörgerechtigkeit hin untersuchen. Sie bekommen dazu einen Beobachtungsbogen und andere Materialien. Den ausgefüllten Beobachtungsbogen schicken Sie an die DCIG-Geschäftsstelle zurück und nehmen an der Verlosung von zahlreichen attraktiven Preisen teil. Wie wäre es mit einem Urlaub für Körper und Seele für Zwei?

Was muss ich tun, wenn ich CI-Botschafter sein möchte?
Einfach anmelden unter https://dcig.de/veranstaltungen/ci_tag/ci_tag-2020. Jede/r Angemeldete erhält automatisch ein Materialien-Paket zugesandt, das folgendes enthält:

  • ein Anschreiben mit genauer Anleitung
  • einen Beobachtungsbogen für den Besuch einer Behörde
  • eine Info-Broschüre zur hörgerechten Gestaltung öffentlicher Behörden
  • eine Visitenkarte
  • die aktuelle Schnecke

Dieses Mal werden Punkte vergeben!
Aufgrund des erreichten Punktestands auf dem Beobachtungsbogen zeichnen wir die vorbildlich ausgestatteten Behörden mit Höchstpunktzahlen aus. Aber auch die Ämter, die hörtechnisch deutlich hinterherhinken, bekommen von uns eine – Erinnerung. Die dazu gehörige Urkunde entwickeln wir gerade noch.

Gewinnen als CI-Botschafter!
Unter den ausgefüllten und an uns zurückgesandten Beobachtungsbögen verlosen wir wie jedes Jahr wieder zahlreiche tolle Preise! Und: Jeder Beobachtungsbogen nimmt an der Verlosung teil!

Also nix wie los und auf in den Frühling! Meldet Euch gleich an auf:  https://dcig.de/veranstaltungen/ci_tag/ci_tag-2020

Auf der Mauer, auf der Lauer…

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Freitag, 27.September, 18:00 Uhr; eine Jugendherberge in Kaub am Mittelrhein. Nach und nach füllte sich der Seminarraum “Stadt Kaub”. Grund für dieses Zusammentreffen ist die Blogwerkstatt der DCIG in ihrer 9. Auflage mit dem Thema >> Inklusive JULEICA <<. Innerhalb einer Woche wurden uns die Inhalte und rechtlichen Grundlagen im Bereich der Jugendarbeit vermittelt. Das Besondere daran war, dass unsere Ausbildung zum Jugendleiter speziell auf hörgeschädigte Kinder und Jugendliche bezogen war. Unser Referent Andreas Beier hat uns auf wunderbare Art durch die verschiedenenThemenbereiche geführt. Wir lernten beispielsweise an uns selbst die verschiedenen Gruppenphasen kennen, die es auch typischerweise in jeder Kinder- und Jugendgruppe gibt. Die Herausforderung des Gruppenleiters ist dabei die einzelnen Phasen (ein)zuleiten, wie z.B die Kennenlernphase, Phasen zu erkennen und, nur falls notwendig, darauf zu reagieren. Hier ist uns allen sehr bewusst geworden, dass es viele verschiedene Lösungen gibt und man unter Umständen blitzschnell eine Entscheidung treffen muss. Morgens zu Beginn, aber auch mittags und zwischendurch als Refresher, gab es Bewegungs- oder Konzentrationsspiele, die uns entweder von unserem Referenten oder einem der Teilnehmer vorgestellt wurden. Was im ersten Moment wie Lockerungsübungen wirkte, war in Wirklichkeit ein Teil des Seminars, denn als Jugendleiter muss man jederzeit ein passendes Spiel parat haben, das nicht nur Spaß macht und die Müdigkeit vertreibt, sondern auch einen tieferen, pädagogischen Zweck erfüllt. Andreas teilte daher seine Schier unerschöpfliche Schatzkiste an Gruppenspielen mit uns: Von “Esel-Palme-Elefant” aka “Kotzendes Känguru” über die Schnick-Schnack-Schnuck-Variante “Riese-Zauberer-Zwerg” oder “Jing-Jang-Wusch”. Und wenn dann bei “StillerPost” ausschließlich mit Lippenlesen aus >Sonnenschein -> Klo-Roulette< wird, lagen wir uns lachend in den Armen. Diese Spiele haben wir nicht nur ausgiebig am eigenen Leib getestet, sondern auch ausführlich über die Möglichkeiten und Einsatzgebiete diskutiert. Um unsere Spontanität gleich unter Beweis zu stellen organisierten 3 Teilnehmer für den Rest der Gruppe in nur wenigen Minuten eine interaktive Schnitzeljagd durch die Weinberge zur Burg Gutenfels. ‘Auf der Mauer’ begann die Schnitzeljagd, und was ist naheliegender, als das Kinderlied “Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Wanze” zu singen. Und so sangen 12 Teilnehmer dieses Lied in voller Länge, denn nur nach erbrachtem Videobeweis bekamen wir unsere nächsten Hinweise. Neben all den Spielen und dem Spaß den unsere Gruppe von 12 Teilnehmern, zwei Organisatoren und unserem Referenten hatte, wurden auch sehr ernste Themen behandelt und besprochen. In Rollenspielen wurden wir auch an unsere Grenzen gebracht, indem die ein oder andere herausfordernde Situation nachgespielt, aber auch Ängste thematisiert wurden. Das Thema Mobbing und Ausgrenzung in Gruppen besprachen wir ausführlich und tauschten uns dazu aus.

Wir lernten, wie man seinem Gegenüber klare Grenzen setzen kann, autoritäres Auftreten und wie man Konfliktsituationen durch gewaltfreie Kommunikation löst oder sogar vermeidet. Trotz langer Schulungstage, oder wie Barbara Gängler treffend sagte unserem “Juleica-Thon”, führten wir zu zweit sehr intensive Gespräche und saßen abends zusammen bei einem Glas Wein oder Bier und jeder menge Spaß. Als am letzten gemeinsamen Abend die Idee aufkam Weihnachtslieder zu singen, waren alle mit dabei und wie selbstverständlich begleitete uns Andreas Beier auf der Gitarre dazu -> Taub und trotzdem singen. Mit vielen Emotionen und einem großen Paket an neuen Projekten mit hörgeschädigten Kindern ging unsere Juleica und damit die Blogwerkstatt 9 zu Ende. Vielen Dank an die Organisatoren Barbara Gängler, Geschäftsführerin der DCIG und Oliver Hupka, Vizepräsident der DCIG, so wie ein großes Lob an unseren Referenten Andreas Beier. In diesem Sinne -> KAA TSCHIN!

Stefanie Ziegler, Oliver Faulstich, Annika Rauscher, Laura Härtel, Jan Röhrig

Olá! – CI Scouts in Portugal

0
Okt
9
CI-Scouts

Unsere CI-Scouts Emir und Kilian sind im tiefen Südwesten Europas angekommen und machen nun Portugal unsicher. Das erste Treffen wird mit Joana in Porto sein, die erst im fortgeschrittenen Alter mit Hörhilfen versorgt wurde und diesen Oktober ihr Psychologie-Studium angefangen hat.

Es wird spannend!

 

Tag 1

Emir hatte die Ehre, sich mit der spätertaubten Psychologiestudentin Joana in Porto zu unterhalten. Ihr Lebensweg war nicht einfach, denn vor drei Jahren hat sie die Diagnose bekommen, dass sie immer schlechter hören wird. Mit der Zeit nahm Ihr Hörvermögen rapide ab.

Im Gespräch wurde klar, dass Joana die größten Barrieren für Hörgeschädigte in der Gesellschaft sieht. Gerade in ihrer kleineren Heimatstadt waren diese Barrieren deutlich spürbar. Aber genau das kennen wir auch aus Deutschland: Viele große Barrieren entstehen in der Gesellschaft und in unseren Umfeldern.

Aus diesem Grund ist unsere kontinuierliche Aufklärungsarbeit so wichtig!

Was uns an dem Treffen mit Joana besonders erstaunt hat, ist, dass Emir der erste Hörgeschädigte ist, den Joana jemals getroffen hat.

 

Tag 2

Nach einem entspannten Abstecher in die Altstadt von Lissabon mit seinen schmalen Wegen, kunstvollen Wandmalereien und der historischen Straßenbahn, sowie dem Genuss von “Pastel de Nata” (kleine leckere Törtchen) mit Kaffee, stand am Abend das nächste Treffen auf dem Plan.

Emir und Killian fuhren mit der Fähre zu einem Nachbarort, an dem Sie mit Alice – einer sehr engagierten CI-Trägerin – verabredet waren. Zusammen mit Alice und ihren Eltern folgte ein intensiver, dreistündiger Austausch über die Situation der Hörgeschädigten in Portugal und Deutschland. Dabei kamen einige erstaunliche Fakten und Erkenntnisse zu Tage, zum Beispiel, dass eine CI-Versorgung in Portugal sehr schwierig zu bekommen ist. Dies spiegelt sich auch in der Zahl der CI-Träger wider, denn in Portugal gibt es aktuell bei 300.000 hörgeschädigten Menschen erst 1.800 CI-Träger.

Dank des Engagements von Menschen wie Alice konnten bereits erste Erfolge wie einfache beidseitige CI-Versorgung für hörgeschädigte Kinder erzielt werden, aber bis sich die Situation für alle Hörgeschädigten – vor allem für die Älteren –  verbessert, ist es noch ein langer Weg, und hier kämpft Alice mit weiteren Mitstreitern für eine bessere Welt.

 

Tag 3

Heute hatten Emir und Killian die Möglichkeit, an einer Veranstaltung junger portugiesischer Hörgeschädigter teilzunehmen. Diese Gruppe trifft sich nur 1 – 2 Mal pro Jahr und die Veranstaltung wurde extra für den Besuch von unseren CI-Scouts organisiert. Ein großes Dankeschön geht hier an Barbara von UPA, die dieses Treffen initiiert hat.

In einem wunderschönen Garten in Lissabon wurden Emir und Kilian von Barbara, die derzeit in London studiert, empfangen. Die Nervosität über mögliche Barrieren in der Kommunikation verflog schnell, denn mit der Zeit stießen immer mehr Leute zu dem Treffen und tauschten sich immer intensiver aus.

Dabei gab es mehrere Erkenntnisse: Da es in Portugal so wenige CI-Träger gibt, leidet die Vernetzung sehr und eine effektive Vereinsarbeit gestaltet sich als sehr schwierig, auch wenn die Motivation und das Engagement der CI-Träger sehr hoch sind. Die wohl interessantesten Themen waren für sie unsere Verbandsarbeit und -strukturen in Deutschland, unsere Schwerbehindertenausweise und das DCIG CI-Scouts-Projekt. Emir und Killian haben offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn alle Anwesenden wirkten sehr inspiriert von den Strukturen in Deutschland.

Das Treffen ging insgesamt über 7 Stunden! Nach dieser Fülle an Informationen waren Emir und Kilian am Abend fix und fertig und fielen in ihr wohlverdientes Bett.

 

Tag 4

Nach den ereignisreichen Tagen mussten alle gesammelten Informationen erst einmal verarbeitet und reflektiert werden. Alle Erkenntnisse wollen schließlich für die Tagung in München in den richtigen Kontext gesetzt und festgehalten werden.

Um die Energiespeicher nach der ersten Aufarbeitung wieder aufzufüllen, ließen Emir und Killian einen ruhigen Nachmittag am Strand im Westen von Lissabon folgen. Unter anderem durch das Fotografieren mit der Europaflagge kommen die CI-Scouts immer wieder mit anderen Strandbesuchern in interessante Gespräche über Hörschädigungen, was deutlich zeigt, dass Öffentlichkeitsarbeit nie endet, denn nur so verbessert sich die Situation! Am Strand macht sie aber offenbar besonders viel Spaß. 😉

Emir und Killian sagen aber, dass dabei nicht vergessen werden darf, dass wir dank der Europäischen Union so viele Privilegien genießen dürfen, die unsere Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit erleichtern.

 

Daher….

Europa braucht uns und wir brauchen Europa!

Europe needs us and we need Europe!

Evropa nás potřebuje a potřebujeme Evropu!

A Europa precisa de nós e nós precisamos da Europa!

 

Die CI-Scouts-Karawane zieht weiter, jetzt geht es nach Tschechien!

0
Sep
16
CI-Scouts

In den letzten vier Wochen verbrachte ich in der hlavní město, der Hauptstadt Prag auf der Letní škola slovanských studií – eine Sommerschule an der Philosohpischen Fakultät der Karls-Universität. Dort lernte ich Tschechisch – dank CI kein Hindernis für mich! Inklusion klappt übrigens auch an der Univerzita Karlova ziemlich gut: selbstverständlich wurde meine FM-Anlage eingesetzt und ich bekam sogar Einzelunterricht in Phonetik!

Nun geht es weiter nach Brno in Mähren, dort werde ich Katka treffen die zwei CI trägt. Katka ist von Spolek uživatelů kochleárního implantátu SUKI, dem tschechischen CI-Verband.

Wir haben eine tolle Zeit zusammen und tauschen uns eifrig zu Inklusion, CI- und Hörgeräte-Versorgung sowie Schule, Studium und Arbeit in Tschechien und Deutschland aus! Wusstet ihr z.B., dass es im tschechischen TV mehr Sendungen mit Untertitel gibt als in Deutschland?

Nachdem ich viele spannende Stunden und Tage mit Katka gequatscht, diskutiert und gelacht habe, habe ich mit ihr zusammen den Verein Tichý svět, “stille Welt”, besucht. Dort trafen wir Ilona, die in Brno die zentrale Anlaufstelle für dem gesamten

Jihomoravský kraj (Südmähren) ist. Ilona hilft gehörlosen und schwerhörigen Menschen bei der Jobsuche und begleitet ihre Integration im Berufsleben. Das ist leider in Tschechien etwas schwieriger als in Deutschland, denn bspw. ein Eingliederungszuschuss, wie es ihn in Deutschland gibt, existiert nicht in Tschechien. Umso wichtiger ist der unermüdliche Einsatz von Ilona und Tichý svět – Jihomoravský kraj!

Nach dem ersten Teil des Gesprächs fuhren wir zusammen mit dem Zug nach Břeclav an der Grenze zu Österreich, wo wir nicht nur weiter diskutieren konnten, sondern auch zusammen mit ihrem Hund spazieren und natürlich noch ein Bierchen trinken waren. Danke für die Einladung, Ilona! Děkuju moc za pozvání, Ilono!

Folgt uns!

0
Aug
30
CI-Scouts

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Welcome to Sweden – English version

0
Aug
30
CI-Scouts
Welcome to sweden

Day 1

After arriving in Stockholm last night, we spent the day exploring the city to get an overview of Stockholm and did some sightseeing. In doing so, we were already able to collect many impressions for you. Of course, we did not forget about our project and have our first appointment at the Karolinska Institute (University Hospital of Stockholm) scheduled for tomorrow. We will keep you updated on how the appointment went!

Day 2

Today we visited the Karolinska Institute and met Elisbet and her team. Elisbet is a speech and language therapist and has been working with CI kids, who come to the university hospital for adjustments and rehab, for many years.

Our first findings: the differences differences between Germany and Sweden are not that big. In the medical and educational sector, the development ran widely parallel since the 1980s/90s. It is now a standard that the Swedish health insurance covers all the cost for bilateral cochlear implants for children. Adults usually only get one CI.

Whilst being in Elisabet’s office, we also met Tove. Tove is 17 years old, visits a regular school, currently plans a year abroad in Paris and has got two cochlear implants since she was a baby. It was still unusual to have two cochlear implants as a baby in Tove’s age, because the health insurance covered one cochlear implant in Sweden back then. Tove’s parents had to pay for the second cochlear implant by themselves. Later Elisabet asked Tove, where she sees the biggest room for improvements regarding cochlear implants and the self-confident young woman replied, “Waterproof CIs are needed to make it easier for me to go swimming with my hearing friends.” If that’s all… 😉

Elisabet also gave us the directions to the best view over the city (honestly, we start assuming that there are more than one best views…) and to the bakery with the best Kanelbulle (=cinnamon rolls/ “slugs”” in German – HELLO? They are eating our mascot here! (Indeed, they are so delicious that we hardly could withstand them.)

Day 3

On today’s agenda was a visit to the office of the HRF (Hörselskadades Riksförbund) – Sweden’s organisation for hard of hearing people. Here we encountered Stefan, the editor of the “auris” magazine, which is literally the Swedish sister of our “slug” (Die Schnecke) magazine.

After lunch, we had a very exciting meeting with some employees of the Swedish organisation for hard of hearing people. Elida, Frida and Hanna, all of them were either CI or hearing aid users themselves, told us a lot of about their lives and their experiences in Sweden’s society and educational system. We discovered that many of our experiences, developments and also possibilities are very similar. Differences we could rather find in the details. It was super nice meeting with them. We also experienced two sign language interpreters and watched in awe how they were able to translate between spoken English and Swedish sign language. Which leads us to our next discovery: the German and Swedish sign language seems to have many similarities, too – including the spike-helmet-sign for “German”. A coffee with milk could also be ordered in sign language without any problems.

Did we already mention “Fika”? We could really get used to the Swedish coffee ritual. The motto: “One Kanelbulle a day keeps the doctor away.” (If you don’t stay physically healthy with it, you will stay socially and mentally healthy at least.)

Tomorrow we will return to the HFR and have the opportunity to speak to one of the board members of the HFR.

Day 4

Today started early – right after breakfast we went to Stockholm’s borough Kista where the office of the HFR is. Agneta, a member of the HFR board and CI user herself, already awaited us and fed us with further information about the national organization HFR. From a German point of view, the big, well-equipped office with its many full-time employees, who support the elected board at its political and educational work, caught our attention. This is possible because of the funds from the government and the support of approx. 25,000(!) HFR members.

Agneta was also able to give us an accurate number about CI users in Sweden. Compared to a total population of 10 million people in Sweden, there are about 3,600 CI users. Some political issues preyed on her mind too: the complicated health insurance system in order to get the cost of the cochlear implants covered which differs from state to state and the difficulty to get the cost covered for second cochlear implant during adulthood.

After being busy in the wee hours of the morning, we did an expedition through the Swedish history in the afternoon. The Skansen open-air museum offers Sweden like we know it from the Astrid Lindgren books. Then we relaxed in the royal gardens and sauntered back to the city through Strandvägen, passing marina and luxury hotels.

Day 5

Uppsala (oops!) – no, we didn’t fall over one of the e-scooters lying all around, there really is a town named like this in Sweden. That’s where Nadine lives. She’s originally from Germany but has been working as a doctor at the local university hospital  where she leads the CI team for many years. When we heard that there is a German CI doctor in Sweden, it was clear: we want to meet her! Luckily, Nadine actually had time for us and gave us a tour through the clinic. Nadine happily shared more details about CI or hearing aid care in Sweden. With the help from her colleague Karin, who works a social worker at the clinic and has a cochlear implant herself, she was able to fill last knowledge gaps in our questionnaire. It is completed now!

The meeting with Nadine and Karin was the last one with our Swedish “experts”. Now that we have all the needed information gathered, we have the pleasure of writing them down and keeping them in mind until the final CI scouts meeting in December. Before we leave Sweden the day after tomorrow, we want to enjoy as much of the Swedish lifestyle as possible and explore the Stockholm archipelago.

Day 6

Finally, weekend! For the people in Stockholm it means get on a boat and cruise to the Swedish archipelago. And we’ve been there! As announced, we had a free Saturday today and wanted to enjoy a special Swedish experience. That’s why there is no long report for today, but instead, we have lots of pictures in store for you to get an overview of the Swedish weekend lifestyle. Have fun whilst enjoying our pictures!

What you can see in the pictures: the island of Vaxholm and impressions from the ferry route Stockholm – Vaxholm.

What you can’t see in the pictures: summerly 25 degrees, the splashing of the waves, the air-filling smell of ripe apples and the ultimate holiday feeling.

Day 7

Adjö Stockholm! After a last stroll through the old town (Gamla stan) we are flying home today. We’re leaving Stockholm with a lot of new knowledge and information for our CI scout project as well as many unforgettable experiences and memories.

We thank everybody who supported us in Sweden and in Germany and we are curious to find out what the following CI scouts will learn about their assigned countries!