Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Mein Leben und Ich

0
Mai
11
madeleine

Ich durfte bei einer Veranstaltung des CIV BaWü zum Thema Selbstbestimmt/Fremdbestimmt dabei sein und nahm dort an einem wundervollen Workshop teil. Wir sollten uns einen “unschlagbaren Vorteil”, den wir durch unsere Hörschädigung haben, aussuchen, oder uns ein “persönliches Ziel” setzen und dieses “künsterlerisch” festhalten… ich habe versucht ein kleines “Mut-mach-Gedicht” zu schreiben:

Poetry Slam

Mein Leben und Ich

Mein ganzes Leben lang, wurde mir gesagt was ich nicht kann.

Du reagierst nicht wenn man mit dir spricht! Dabei ist es deine Pflicht! Es ist unhöflich, gehört sich nicht.

Ich sehe sie an, sehe sie reden, wie sie Ihre Lippen bewegen, versuche mich zu konzentrieren, ihre Mimik zu studieren.

Kann alles sehen, doch nicht verstehen. Jetzt, jetzt fühl ich mich allein und klein, wünsche mir ein Teil der Kommunikation  zu sein.

Hab wieder einmal alles gegeben, doch gefühlt ging es daneben.

Dabei will ich doch hören, einfach nur dazu gehören.

Im Leben ist nicht immer alles Gold was glänzt, es ist wichtig dass du das erkennst.

Und so erinnere ich mich an meine Ziele, erreicht hab ich davon schon viele.

Kenne nicht nur die Fische im Wasser, nein, es geht sogar noch krasser.

Es kostete mich Kraft, doch ich habe es geschafft, ohne Sinn fürs Gleichgewicht, den Motorradführerschein gemacht.

Wenn auch nur für kurze Zeit, dafür gesorgt das vom Leben auch was bleibt.

Jetzt stehe ich hier, sehe mich um, eine wunderschöne Erinnerung.

Ich liebe nicht nur Goethe, Schiller, Shakespeare und das Dichten, sondern auch lebendige Geschichten.

Träume nicht dein Leben, nein lebe deinen Traum! Es gibt deinem Leben soviel mehr Raum.

Bin durch Höhen und Tiefen gegangen, fühlte mich oft in der Stille gefangen.

Doch heute weiß ich, auch das kann ein Vorteil sein, nicht immer in der hektisch-lauten Welt zu sein.

Nun fragt ihr euch zurecht, was will sie nur mit diesem Text?

Ich möchte euch an diesen schönen Tagen, eines gerne sagen:

“Lasst euch nichts einreden, lasst euch nicht klein reden, lebt euer Leben und sagt niemals nie.” Auch ich bin glücklich mit Hörgerät und CI.

Sehe froh und mit Zuversicht in die Welt hinein, bin froh und stolz ganz ich selbst zu sein…

#deafohralive #dcig #freundschaftdieverbindet #nevergiveup #taubundtrotzdemhören #blog #cochleaimplantat #meinLebenundIch

Familientreffen der besonderen Art #BW6

0
Mrz
26
Norma

Bald ist Ostern. Ostern ist ein Familienfest, so wie Weihnachten und Geburtstage. Die ganze Familie kommt zusammen und feiert. Oder auch nur ein Teil.

Dann gibt es da noch die Blogwerkstatt. Jede Blogwerkstatt ist ein Familientreffen auf einem ganz anderen Level. Zahlreiche junge Erwachsene mit Hörschädigung begegnen sich und sofort ist das familiäre Gefühl da! Das Vertrauen füreinander, keine Scheu vor Nähe!

Die Blogwerkstatt VI fand erneut in St. Jakob in Defereggen statt. Auf dem Tagesprogramm standen Skifahren und anschließend Workshops rund um Öffentlichkeitsarbeit. Trotz straffem Tagesablauf und teilweise wenig Schlaf (zumindest für die, die bis in die späten Stunden schnackten und spielten) strotzten wir immer vor Energie – sowohl auf der Piste als auch in der Arbeitsgruppe.

Wie schon zuvor in Kassel und Frankfurt erlebte ich ein großartiges Gefühl in der Gemeinschaft. Wir helfen einander. Wir vertrauen einander. Wir machen einander stark. Zusammen sind wir einfach unschlagbar! Nirgendwo sonst habe ich so viele Umarmungen in so kurzer Zeit erhalten – besonders nicht mit Leuten, die ich erst seit ein paar Stunden oder Tage kenne! Diese Art von Nähe ist nicht selbstverständlich, aber hier gibt es sie.

Was war noch?

Wetter war klasse! Nur anfangs gab es Nebel auf den höher gelegenen Pisten, ansonsten viel Sonnenschein, wie es sich gehört.

Statt Après-Ski gab es teilweise leckere Heißgetränke oder auch kühle Drinks im Café zwischen Herberge und Seminarraum. Man wollte ja wachbleiben für die Workshops.

Uuuund es wird noch ganz tolle Produkte geben, wie etwa ein ganz besonderes Drohnen-Video… mehr verrate ich hier nicht! ;P

Ach ja, die traditionelle Nacktabfahrt durfte natürlich auch nicht fehlen! 😉

Das schönste Geschenk am Ende dieser Familienfeier war die Nachricht: Wir kehren 2019 zurück nach St. Jakob!

Hinter den Ohren unter die Haut!

2
Feb
22
Norma

Eine kleine Berichterstattung für all jene, die nicht beim Fotoworkshop dabei waren, aber gerne etwas darüber erfahren möchten.

Am Freitag, 16. Februar 2018, sind wir nachmittags alle nach und nach im Hotel in Frankfurt eingetrudelt, haben eingecheckt und die Koffer aufs Zimmer gebracht, bevor es zum Seminarraum ging. Hier wurden wir von Oliver begrüßt und über den weiteren Verlauf des Wochenendes informiert. Des Weiteren wurden die Lebensgeschichten der fünf Models kurz vorgestellt. Für diese sollten wir am darauffolgenden Tag in einem professionellen Fotostudio mit dem den meisten von uns bereits bekannten Profifotografen Christian Borth (#CSH123, anyone?) passende Schnappschüsse machen.

Witzigerweise war parallel in einem benachbarten Seminarraum eine andere Veranstaltung der DCIG: ein Workshop für Eltern mit hörgeschädigtem Kind. Wir trafen dort Barbara und haben uns und unsere Junge Selbsthilfe spontan kurz den anwesenden Eltern vorgestellt. Dadurch können sie sich vielleicht ein Bild von der glorreichen Zukunft ihrer Töchter und Söhne in der besten Community überhaupt machen. 🙂

Zu Abend gab es dann typisch hessisch Speis und Trank, z. B. Frankfurter Schnitzel mit grüner Soße, Handkäs-Salat und Apfelwein. Zu guter Letzt wurde noch im Hotelzimmer 402 der 30. Geburtstag von Ole reingefeiert – wie es sich gehört mit Sekt, Musik und Tanz!

Am Samstag ging es nach einem ordentlichen Hotelfrühstück zum Fotostudio. Hier wurden wir von Christian Borth in die höhere Kunst der Fotografie und Ausstattung eingewiesen. Dazu gehörte der Aufbau der drei Sets und ganz besonders wichtig: die richtige Belichtung! Während wir Christian durchs Studio folgten und aufmerksam seinen Erklärungen zu den Kameraeinstellungen per Induktionsschleife lauschten, wurden die fünf Models von einer Stylistin und einer Kostümbildnerin mit Make-up und Garderobe kameragerecht aufgepeppt.

Schließlich wurden bis in den Abend hinein bestimmt tausende Fotos mit verschiedensten Posen und Perspektiven geknipst.  Wir bildeten drei Teams, die regelmäßig die Sets austauschten, damit wir jedes einzelne austesten konnte. Es war sehr interessant und ich glaube, viele von uns haben an dem Tag einiges dazu gelernt. Vielleicht gibt es sogar jemanden, der sich jetzt durch diese Erfahrung zum Hobbyfotografen entwickelt? Oder die, die es bereits sind, sind jetzt noch vertrauter mit den Möglichkeiten der Kameraeinstellungen.

Der Tisch wurde zum Abend wieder mit Frankfurter Spezialitäten gedeckt. Erschöpft, aber glücklich und um einiges schlauer, tauschten wir uns beim Essen über den Tag aus und genossen die Gesellschaft.

Sonntag haben wir nach dem Frühstück im hoteleigenen Seminarraum gemeinsam Ideen für die Veröffentlichung der fünf Stories samt Fotos erarbeitet. Wir durften auch schon eine Auswahl der Bilder vom Vortag einsehen und waren richtig begeistert von den kleinen Meisterwerken!

Ihr dürft gespannt sein auf die Veröffentlichung in der „Schnecke“! Ich werde hier nicht spoilern. Nur so viel sei gesagt: Es sind fünf tolle Models mit spannenden Stories, die sich um den Alltag mit CI (und ohne CI) drehen!

Ich finde, wir können stolz auf unser Werk sein! 🙂

Das Beitragsfoto hat übrigens unser top Assi-Assi Andi gemacht.

Wo ist der rote Faden?

4
Nov
3
madeleine

Jeder von uns hat mit Sicherheit in Gesprächen oder Vorträgen schon einmal den “Faden verloren”, oder?

Doch hatte ich ihn überhaupt schon gefunden ? 

Diese Frage nahm ich aus Kassel, der 5. Blogwerkstatt mit nach Hause. Seit ich im August 2016 bei der 3. Blogwerkstatt, das erste Mal auf andere Hörgeschädigte in meinem Alter traf, versuche ich das Erlebte in Worte zu fassen, was mir bisher nicht wirklich gelang – zu intensiv waren und sind die Gefühle dabei. Zu Hause lebe ich in einem komplett “guthörenden” Umfeld. Natürlich bringen meine Freunde und die Familie Geduld und Verständnis für mich auf, dennoch fühle ich mich oft nicht wirklich verstanden.

“Gut gemeinte Ratschläge”

Ich müsse “einfach mehr üben”, “mein Hörgerät lauter stellen” oder mal wieder zur CI Einstellung gehen. Solche und ähnliche Aussagen beantworte ich zwar meistens mit einem Lächeln, empfinde sie aber häufig trotzdem als verletzend. Dem entsprechend ruhig und zurückhaltend war ich als ich damals in Diez (#BW3) ankam. Zu schlecht waren meine Erfahrungen in fremden Gruppen. Doch das änderte sich schnell. Jeder wurde herzlich aufgenommen, begrüßt und umarmt. Ein Umfeld in dem man sich auf Anhieb wohl fühlte.

Die 5 Tage vergingen wie im Flug. Zu Hause angekommen war ich noch tagelang überwältigt von den vielen Eindrücken und Emotionen der vergangenen Tage. Doch eines war bereits klar: “Ich komme wieder”.

Blogwerkstatt 4 – Spaß im Schnee 

Als Ski-Anfänger stellte ich mich der Herausforderung in St. Jakob, Osttirol (#BW4). 230 Tage warten hatte nun endlich ein Ende. Schnell war es wieder da, dieses Blogwerkstatt-Feeling”, das ich nicht wirklich beschreiben kann, aber so vermisst hatte. Eine Woche verbrachten wir gemeinsam in Österreich und wieder zeigte sich, was für eine tolle Gemeinschaft wir sind. Denn egal ob Anfänger oder Profi, jeder half jedem und der Spaß stand im Vordergrund. Selbstverständlich, dass ich nach all diesen Erlebnissen auch in Kassel bei der #BW5 wieder dabei sein wollte.

Diesesmal ging es beim Tanztheater sehr ruhig und gefühlvoll zu. Als Hörgeschädigter mit der eigenen Stimme zu arbeiten, ist mir und anderen anfangs sicherlich nicht leicht gefallen. Doch auch hier zeigte sich die Stärke in der Gruppe. Zusammen erzeugten wir einen fantastischen Klangteppich, der Gänsehaut entstehen ließ.

Der Weg ist das Ziel..

Es scheint, dass ich den roten Faden wohl gefunden habe – in der Gemeinschaft und im Kontakt unter Gleichgesinnten.

WIR sind der rote Faden !!

#wirsindallegleich #Focus #Gegensätze #roterFaden #ichdankeeuchallen #dcig #deafohralive

Alle Wege führen nach Kassel #BW5

4
Nov
2
Norma
Wege nach Kassel

“Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.”

Dieses Zitat ist aus dem Theaterstück, das wir im Rahmen der fünften Blogwerkstatt selber entwickelt haben. Es trifft die Stimmung innerhalb unserer Gruppe sehr gut. Denn wir sind alle hörgeschädigt und in der normalhörenden Welt werden wir nun mal „anders“ wahrgenommen oder fühlen uns selber „anders“.

Dies hier ist mein persönlicher Eindruck zur fünften Blogwerkstatt, meine erste und sicher nicht letzte! Ich war sehr überwältigt von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Schon bei der Ankunft fühlte man sich sehr herzlich aufgenommen und auch an den Folgetagen wurde sehr deutlich, wie wunderbar die Gruppe funktionierte. Es war kein T.e.a.m. („Toll, ein anderer macht’s!“), sondern tatsächlich ein TEAM.

Unter Normalhörenden bin ich immer diejenige, die etwas mehr Rücksicht braucht und viel aufmerksamer sein muss als andere. Ich fühle mich oft nicht richtig verstanden („Cool, du kannst also dein Gehör einfach abstellen, wenn du willst!“ – ja, aber zu was für einem Preis??) und Nichtgehörtes wird schnell abgewunken („Ach, ist nicht so wichtig!“). Jeder mit Hörschädigung kennt solche Situationen.

Umso schöner war es dann in Kassel, wo ich eine von vielen war.

  • Jeder weiß, was Hörschädigung tatsächlich bedeutet.
  • Keiner wird ausgelacht, weil er bedingt durch die Hörschädigung einen gewissen Dialekt hat oder aus dem Rahmen tanzt, weil etwas nicht gehört wurde.
  • Nichtverstandenes wird geduldig wiederholt, bis es angekommen ist. Egal, wie oft.
  • Hilfsmittel wie Gebärden und Fingeralphabet sind selbstverständlich.
  • Blickkontakt sowieso.

Es gab auch kleine Situationen, die mir sehr gefallen haben. Zum Beispiel, wenn zwei Hörgeschädigte mitten auf der Straße laufen und vertieft in ihrer Unterhaltung das von hinten kommende Auto erst spät bemerken. Sonst sind es ja die guthörenden Freunde, die einen frühzeitig zur Seite ziehen. 🙂

Schön ist auch, dass keiner sich vor Körperkontakt zu scheuen schien. Ich habe oft das Gefühl, dass gerade hörgeschädigte Menschen gerne andere berühren, etwa um Aufmerksamkeit zu erhalten oder ihr Mitgefühl zu zeigen. Sonst kenne ich das nur von guten Freunden oder Familie. Daher entstand auch sehr schnell eine familiäre Atmosphäre in der Gruppe.

Besonders ist auch: Niemand wird außen vorgelassen. Denn alle kennen das Gefühl, ausgeschlossen zu werden. Es ist jedem in der normalhörenden Gesellschaft mal passiert und innerhalb der Blogwerkstatt wurde eben jenes verhindert. Jeder war mittendrin statt nur dabei!

In den fünf Tagen, die wir gemeinsam in Kassel verbrachten, fühlte ich mich ungewohnt wohl und gut aufgehoben, das kenne ich von sonst nirgendwo so. Innerhalb der kurzen Zeit hatte ich dann plötzlich gefühlt 39 neue Freunde! Bestimmt ging es anderen auch so. 🙂

Bewundernswert, zumal jeder aus unterschiedlichsten Ecken in Deutschland (und Österreich) kam. Es haben also tatsächlich alle Wege nach Kassel geführt.

Junge Selbsthilfe goes Berlin

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Die Blogwerkstatt 7 soll in der Hauptstadt stattfinden

Die Blogwerkstatt 5 vor Augen, die Blogwerkstatt 6 in St. Jakob im März 2018 (17.03.-24.03.2018) fest eingeplant, beschäftigen wir uns hinter den Kulissen bereits mit der Blogwerkstatt 7, welche in Kooperation mit der BBCIG e.V. im Herbst 2018 in Berlin stattfinden soll. Die Junge Selbsthilfe der DCIG lebt wie nie zuvor und das Engagement kennt keine Grenzen. Die ersten regionalen Untergruppen von Deaf-Ohr-Alive sind gegründet und ein Ende ist zum Glück nicht in Sicht. Immer mehr junge Aktive fordern, in die Planungen und die Konzeption weiterer Events involviert zu werden.

Jetzt habt IHR die Chance!

Gestaltet die Blogwerkstatt 7 in Berlin aktiv mit und bringt eure Ideen und Wünsche ein. Wir suchen eine Projektgruppe von etwa 5 Personen. Meldet euch bei Interesse direkt bei: oliver.hupka@dcig.de

WIR SIND DIE DCIG – WIR SIND DIE JUNGE SELBSTHILFE – WIR SIND DEAF-OHR-ALIVE

Glücksmomente auf der Blogwerkstatt 4

4
Apr
4
pialeven

Ein richtiger Artikel zur Blogwerkstatt 4 kommt von mir noch! Hier liste ich vorab einfach meine Glücksmomente auf. Alle anderen dürfen gerne in den Kommentaren ergänzen. 🙂

 

 

 

Alle meine Taubsis wieder sehen

Enge Freundschaften wieder beisammen

Neue Leute kennengelernt

BOMBEN Wetter

HAMMER Stimmung

Tiefgreifende Workshops

Snowboarding

Tanzen

Gebärdensprache

Kartoffelpommesmayo

Zusammen Wandern

Tolle Fotos

Tolle Videos

Zusammenhalt

Intensive Gespräche

Mooseralm

Gemeinsam Kreativ sein

Im Bus telefonieren

Zusammen Lachen

Zusammen Musik machen

Und noch vieles mehr…

Ändere die Situation oder Deine Einstellung

2
Nov
6
pialeven

All unser Handeln ist die Fortsetzung unserer Vergangenheit. Da wir nur aus dem gespeicherten Wissen heraus handeln können, sollten wir ab und an unsere Programmierung überprüfen, ob sich da nicht zu viele hinderliche Programme und falsche Verhaltensweisen eingeprägt, eingeschlichen haben, die ein Vorankommen unmöglich machen.

Ich brauche kein CI!

Immer wenn das Thema CI zur Sprache kam, habe ich sofort die Schotten dicht gemacht. „Ich brauche kein CI – mit meinen Hörgeräten komme ich super zu recht.“ Das war der Satz, den ich immer wieder sagte. Meine Schwerhörigkeit habe ich bisher immer sehr gut versteckt und Hörgeräte sind unauffälliger als ein CI. Ich wollte mich einfach nicht mit diesem Thema auseinandersetzen.

Von klein auf trage ich meine Hörgeräte und lebe damit ein normales Leben in der hörenden Welt. Doch vor noch nicht all zu langer Zeit stand ich völlig neben der Spur… Ich litt unter Panikattacken und fing an die Außenwelt zu meiden. Ich zog mich in meine Komfortzone zurück und kämpfte gegen die Angst. In dieser Zeit setzte ich mich mit mir auseinander, ich führte Gespräche und wollte einfach aus diesem Teufelskreis heraus. Ich hatte meine Grenzen weit überschritten! Aber seitdem öffnete ich mich mehr und mehr und war auch endlich bereit dazu, mich mit meiner Schwerhörigkeit auseinander zu setzen und somit auch mit dem Thema CI.

Entscheidungsseminar in Bad Nauheim

Im Juni wurde in der Median-Klinik Bad Nauheim ein Seminar zur Entscheidungsfindung: “Cochlea-Implantat: ja oder nein?” angeboten. Ein ganzes Wochenende lang beschäftigte ich mich nur mit diesem Thema und lernte alles rund um das CI. Wie funktioniert ein CI? Wie wird es implantiert? Welche Technik steckt dahinter? Welche Hersteller gibt es? Und und und…
Zusätzlich wurden Einzelgespräche geführt und Untersuchungen gemacht, ob man überhaupt ein Kandidat für das CI ist.
Im Laufe dieses Seminares wurde mir erst einmal bewusst, wie viel mir wirklich entgeht. Ich wusste ja schon vorher, dass ich hochgradig schwerhörig bin – aber dass mit meinem Hörgerät SO wenig bei mir ankommt war mir nie richtig klar. Ich bin Meister im Lippenlesen und Kombinieren, wie die meisten anderen Hörgeschädigten auch. Diese Erkenntnis kostete mich ein paar Tränen und ich musste zugeben, dass ich mir selber etwas vorgemacht habe. Ich erkannte auch, dass ich ständig unter enormen Druck stehe, um alles zu verstehen. Ich merkte das vorher auch schon, aber ich gönnte mir nie eine Pause. Eigentlich bin ich mit dem Gedanken nach Bad Nauheim gefahren – „Mich einfach mal zu informieren schadet nicht“. Aber dass ich so schnell mit einer anderen Einstellung zum CI wieder nach Hause fahre, habe ich nicht erwartet. Ich betrachtete meine Schwerhörigkeit und das CI mit ganz neuen Blickwinkeln. Ich bin gar nicht mehr so abgeneigt von einem CI.

Die Lebensqualität ist das DAS was zählt!

Seit diesem Seminar pflegte ich intensiv den Kontakt zu Gleichgesinnten und nahm an Selbsthilfe-Gruppen teil und lernte somit immer mehr neue Leute kennen. Ich entwickelte immer mehr Vertrauen zum CI und merkte einfach, wie glücklich sie alle sind! Ich muss zugeben, dass ich in gewisser Maßen sehr eitel bin. Ich dachte immer… “Dieses CI am Kopf sieht doch sehr befremdlich aus.“ Aber wenn man das ganze einmal anders hinterfragt – macht es Dich attraktiver, wenn Du jemanden so unglaublich konzentriert anstarrst??? Oder jeden Abend völlig erschöpft und viel zu früh ins Bett fällst??? – NEIN – Ich glaube, mit einem CI steigert sich die Lebensqualität und man ist viel entspannter und fühlt sich wieder mitten drin. Und DAS ist für mich viel wichtiger!

Die Zeitspanne von Juni bis heute war für mich eine sehr intensive Zeit und es ist noch lange nicht zu Ende… Ich lernte so viel Neues dazu und fange an, zu meiner Schwerhörigkeit zu stehen und die Hilfe anzunehmen, die mir geboten wird. Anfang dieses Jahres hätte ich nicht im Geringsten geglaubt, dass ich noch dieses Jahr ein CI bekommen werde. Aber doch – in wenigen Tagen steht meine erste CI-Operation an und ich bin stolz darauf, diesen Schritt zu gehen!

Ich bin auf diese Veränderung gespannt und werde sicherlich davon erzählen. 🙂

“Ich wusste schon ungefähr, was dort passieren wird”

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SHG-Leiter Seminar in Königswinter 14.-16.10.2016

Ich möchte von meinem ganzen Herzen einen Bericht über das Geschehen in Königswinter schreiben, natürlich hat jeder die Programme, Diskussionen, schöne Momente mit junge Selbsthilfe u.v.m. gesehen, der dabei war. Aber ich bin davon fest überzeugt, dass die meisten Teilnehmer – UND natürlich jeder Leser und Leserinnen, die gerade mein Schreiben lesen – vielleicht noch nicht so richtig begriffen haben, was die junge Selbsthilfe überhaupt wirklich wollen! Ich werde genau das schreiben, was ich erlebt habe! Deswegen habe ich es mir überlegt, okay das bringe ich mal aufs Papier.

Ein paar Wochen vor dieser Veranstaltung bimmelte mein Handy ständig in einer von meiner WhatsApp-Gruppe über dieses Thema, denn es wurde geschrieben/diskutiert und gesagt, dass die junge Selbsthilfe bitte dabei sein sollen bei so einer Rentnerveranstaltung, wo nur die… die alte Säcke meistens davon die Rede war! Doch etwas Unglaubliches ist geschehen, denn wir die junge Selbsthilfe waren so motiviert und begeistert, sodass wer zu der Zeitraum Zeit hat, tatsächlich auch körperlich dabei war! Letztendlich waren ca. 10 junge Leute dabei in Königswinter. Selbst ich war davon sehr überzeugt und wenn ich ehrlich bin, wusste ich bereits schon ungefähr, was dort passieren wird!

Alleine schon am Freitag ging es los, gleich nach der Ankunft in Königswinter sah man die pure Freude des Wiedersehens meiner Freunde und der bekannte Gesichter, es wurde viel erzählt, gequatscht, gequasselt, gebärdet und was weiß ich noch alles. Anschließend gab es noch Begrüßungsworte von unserem Präsidenten Roland Zeh und Oliver Hupka und danach eine Kennenlernrunde. Soweit alles ganz gut und nett. Das war’s dann auch schon für den Freitagabend, aber für uns junge Selbsthilfe selbstverständlich nicht, denn bei uns hat erst gerade angefangen. Okay ich fasse mal kurz – außerdem darf ich sowieso nicht alles erzählen, denn was dort passiert ist, bleibt auch da! – die Nacht wurde durchgefeiert bis zum Frühstück mit großem Maß an Humor, Freude, Erzählungen, Unterhaltungen, Spiele wurden gespielt, Unglaubliches ist passiert und so weiter und so weiter… Ahja wenn ich dies lese, gehen meine Erinnerungen wieder hoch!

Dennoch muss ich mich ab jetzt entschuldigen,     ich     habe     die     sämtliche    Programme   verpasst, da ich gleich nach dem Frühstück direkt pennen gegangen bin, wobei aber alles erst gerade angefangen hat! Ich weiß es zu schätzen, dass vorallem für uns junge Selbsthilfe durch die Programme/Seminare etc. vieles lernen können (deswegen sind wir ja auch da, oder?) und bis heute habe ich immer noch keine Ahnung, was gemacht wurde! Aber gleich danach meinte doch der Herr Hupka zu mir „Alles gut, du hast nichts verpasst.“

Ups? Ja genau das hat er zu mir gesagt und genau das will ich versuchen zu schreiben, was gemeint ist!

Jeder, fast wirklich jeder weiß was los ist in den SHG-Vereinen. Kaum junge Leute sind da, wohl eher mehr ältere Menschen und da fragt man sich, warum? Ich möchte da jetzt nicht tiefer eingehen. Auch ich werde auf diese Frage keine Antwort geben können, da ich selber nicht weiß. Aber vielleicht macht es bei den einen oder anderen einen Klick im Kopf, sodass es vielleicht klar ist was zu machen ist.

Ich bin umgebend sehr viel mit meinen Freunden beschäftigt und oft unterwegs am Wochenenden, gemischte Freunde habe ich, Hörgeschädigte, CI-Träger, Gehörlosen, Hörende. Ok Hörende lassen wir mal weg. Unterschiedliche Freundeskreise habe ich und daraus konnte ich jede Menge lernen! Es ist egal wo ich bin, wie spät es ist, wann es ist und was es passieren wird! Nur durch so habe ich die unterschiedlichste und interessanteste Erfahrungen gemacht. Es spielt überhaupt keine Rolle zur welche Zeit und zur welche Ort es sich gerade befindet, ob es in einer Kneipe ist, aufm Weihnachtsmarkt, aufm Weinfest, Zuhause im Wohnzimmer, Geburtstagsfeier, am Bahnhof, auf einer Veranstaltung oder sonstwo! Nur so kann man tolle Erfahrungen austauschen, ich könnte jetzt viel zu viele Beispiele nennen wie zum Beispiel fragt Einer in der Runde, wie genau es funktioniert mit der Wertmarke bezüglich der Behindiausweis und schon ist da jemand, der sich damit auskennt. Oder da will jemand Gebärdensprache lernen und zack kommt man zum Thema und bringt es bei. Oder da ist jemand unsicher mit der CI-Operation und schon werden Erzählungen ausgetauscht. Oder da will jemand wissen, wie es im Studium mitm Dolmetscher genau läuft und schon hat jemand da Erfahrung gehabt und gibt es weiter, oder oder oder…!     Das     ist     für     mich     Selbsthilfe!

Noch etwas möchte ich hinzufügen, wie unglaublich wichtig und vor allem Spaß es macht! Denn wirklich jedes Mal, wenn ich mich unter solche Freundeskreise befinde, ist für mich Entspannung und NO-Stress pur angesagt! Ich habe wirklich sehr selten erlebt, dass die Hörgeschädigten so gut wie gar nicht bzw. sehr selten nachfragen, was eben gerade bei einem Thema/Diskussion/etc. gesprochen wurde, weil man nicht verstanden hat. Ja ganz eindeutig, weil wir genau wissen, was zu tun ist und genau wissen, was wir für Probleme im Alltag haben und von daher unterstützen wir uns gegenseitig. Wäre diesbezüglich auf einer Aktion für Hörende gewesen, wäre man, seien wir mal ehrlich, längst ins Bett gegangen. In andere Worte gefasst und gesagt ist das für mich Kommunikationstraining und Peer Counseling! Wir beraten uns gegenseitig, wir helfen uns miteinander, wir zeigen denen Mut, wir zeigen, was wir können und vor allem zeigt es uns, was wir sind!

Nun wieder zurück zu Oliver Hupkas Worte,     genau     das     ist     was     junge     Menschen     wollen! Er hat es begriffen! Genau so habe ich es erlebt und verstanden, was uns wirklich Spaß macht! Daran glaube ich! Das ist auch der Hauptpunkt, warum ich bei dieser Rentnerveranstaltung in Königswinter dabei war.

Ich bedanke mich und viele liebe Grüße! 🙂

Chris

Was ist passiert?! – Video-Tour

1
Mrz
24
damian
https://pixabay.com/de/rad-panne-auto-reifenpanne-1017023/

Es ist ein Wunder, dass mein alter Wagen die 2000 Kilometer durchgehalten hat. Leider muss ich euch mitteilen, dass es bei dieser Tour ein Opfer gab. Ein Reifen ist geplatzt. Möge er in Frieden ruhen. Der Wechsel des Reifens wurde unter großer Anteilnahme am letzten Tag der Reise begleitet. Anders gesagt: Ein kleiner alter roter Wagen zwischen fettem BMW und Mini mit einem Platten war für einige amüsant, zumal der Wagen keinen Wagenheber hatte und drei Leute den Wagen anheben mussten, damit der Reifen gewechselt werden kann.

Gehen wir zurück zum Anfang der Reise. In München startete ich meine Reise in Richtung Frankfurt. Dort war die 5te Ci-Fachtagung an der Uni-Klinik in Frankfurt. Toll war, dass neben den üblichen Anzugträgern und Erwachsenen eine nicht unbeachtliche Zahl an jungen Erwachsenen da waren. Allgemein war die Veranstaltung sehr interessant. Da ich ja die Reise machte für Videos für das Projekt “Dr. Whaaat”, musste ich überlegen, was für ein Video ich machen könnte. Als ich dann die ganzen CI´s sah, fiel mir ein, wie viele Leute sehr gereizt reagieren, wenn man das CI wegnimmt. Man klaut immerhin ihr Gehör. Dennoch wollte ich einen “Prank” machen. Ich lief von hinten mit der Kamera zu den Leuten und schob den Magneten des CIs weg. Die Reaktionen waren meist überrascht und verwundert. Keine negativen Reaktionen. Selbst beim Präsidenten der DCIG hab ich versucht den Magneten zu entfernen. Er hatte aber einen besonders starken Magneten, was die Sache schwer machte (Zu sehen auf “schnecke-online”).

Dank vieler Freunde ersparte ich mir teure Hotels. Am dritten Tag ging es nach Worms zu einem Paar, wo sie gerade ein neues CI bekommen hatte. Sie beschrieb den Klang des neuen CIs als Vogelgezwitscher. (Merken: Video mit Vogelgezwitscher machen!). Wir überlegten welches Video wir machen könnten und sind auf die Idee mit dem Magneten wieder gekommen. Er kann sehr hilfreich sein. Als sie erkannte, dass das CI auch für andere Sachen toll ist, lief sie durch die ganze Wohnung und schaute, wo der Magnet alles hängen bleiben kann. Als Videos kamen hierbei der “Hammer” und die Geschichte mit dem “Schwerhörigen Spion” zustande.

Toll an der Fahrt war, dass ich mit dem Wagen nicht schneller als 100 km/h kam. Also fuhr ich täglich mehr als entspannt auf der ganz rechten Spur brav hinter den LKW´s. Überholen war Lebensgefährlich. Ich hab im Nacken immer noch den Abdruck der vier Ringe eines Audi´s, der mich regelrecht auf der Autobahn anschob. Als nächste Station kamen Mainz und Wiesbaden. Anstatt Videos zu machen vertrieben wir uns die Zeit im Wiesbadener Casino. Erst großer Gewinn, dann kleiner Verlust. Schade. Aber wir haben Ideen gesammelt, die später auch verfilmt wurden.

Entlang des Rhein´s durch wunderschöne Weinlandschaften (sehr zu empfehlen) ging es dann an Köln vorbei in den Norden. Dort schafften wir in zwei tagen 11 kurze Videos und ein langes. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir den halben Tag lang “League of legends” gespielt haben. Dort oben haben wir uns der Schwerhörigkeit gewidmet und dem Magneten. Die 11 Videos werden nach und nach hochgeladen und am Ende auch als ganzer Film gezeigt.

Am 6ten tag der Reise ging es dann nach Bonn. Dort besuchte ich den Alexander Görsdorf (“Taube Nuss”). Im Gespräch bei gemütlichen Bier kamen wir auf weitere neue Ideen. Zu einem Video haben wir es leider nicht geschafft. Am Abend ging es nach Siegen zu einem tollen Bierabend mit einem alten Freund. Man sagt uns nach, dass wenn wir aufeinander treffen das Chaos vorprogrammiert ist. Dem war es dann auch. Aber es ist positiv ausgegangen.

Bei der letzten Etappe ging es in die Nähe von Stuttgart zu einer Geburtstagsfeier, wo es zu dem tragischen Vorfall mit dem Reifen kam. So viele Kurven übers Land bin ich noch nie gefahren. Danach ging es es wieder zurück nach München mit vielen tollen Erinnerungen und genug Videos. Die 2000 Kilometer haben sich gelohnt.

Vielen Dank an meine Freunde, die mich so herzlich aufgenommen haben und versorgt haben 🙂

Hier findet ihr die Videos von “Dr. Whaaat”.