Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Olá! – CI Scouts in Portugal

0
Okt
9
CI-Scouts

Unsere CI-Scouts Emir und Kilian sind im tiefen Südwesten Europas angekommen und machen nun Portugal unsicher. Das erste Treffen wird mit Joana in Porto sein, die erst im fortgeschrittenen Alter mit Hörhilfen versorgt wurde und diesen Oktober ihr Psychologie-Studium angefangen hat.

Es wird spannend!

 

Tag 1

Emir hatte die Ehre, sich mit der spätertaubten Psychologiestudentin Joana in Porto zu unterhalten. Ihr Lebensweg war nicht einfach, denn vor drei Jahren hat sie die Diagnose bekommen, dass sie immer schlechter hören wird. Mit der Zeit nahm Ihr Hörvermögen rapide ab.

Im Gespräch wurde klar, dass Joana die größten Barrieren für Hörgeschädigte in der Gesellschaft sieht. Gerade in ihrer kleineren Heimatstadt waren diese Barrieren deutlich spürbar. Aber genau das kennen wir auch aus Deutschland: Viele große Barrieren entstehen in der Gesellschaft und in unseren Umfeldern.

Aus diesem Grund ist unsere kontinuierliche Aufklärungsarbeit so wichtig!

Was uns an dem Treffen mit Joana besonders erstaunt hat, ist, dass Emir der erste Hörgeschädigte ist, den Joana jemals getroffen hat.

 

Tag 2

Nach einem entspannten Abstecher in die Altstadt von Lissabon mit seinen schmalen Wegen, kunstvollen Wandmalereien und der historischen Straßenbahn, sowie dem Genuss von “Pastel de Nata” (kleine leckere Törtchen) mit Kaffee, stand am Abend das nächste Treffen auf dem Plan.

Emir und Killian fuhren mit der Fähre zu einem Nachbarort, an dem Sie mit Alice – einer sehr engagierten CI-Trägerin – verabredet waren. Zusammen mit Alice und ihren Eltern folgte ein intensiver, dreistündiger Austausch über die Situation der Hörgeschädigten in Portugal und Deutschland. Dabei kamen einige erstaunliche Fakten und Erkenntnisse zu Tage, zum Beispiel, dass eine CI-Versorgung in Portugal sehr schwierig zu bekommen ist. Dies spiegelt sich auch in der Zahl der CI-Träger wider, denn in Portugal gibt es aktuell bei 300.000 hörgeschädigten Menschen erst 1.800 CI-Träger.

Dank des Engagements von Menschen wie Alice konnten bereits erste Erfolge wie einfache beidseitige CI-Versorgung für hörgeschädigte Kinder erzielt werden, aber bis sich die Situation für alle Hörgeschädigten – vor allem für die Älteren –  verbessert, ist es noch ein langer Weg, und hier kämpft Alice mit weiteren Mitstreitern für eine bessere Welt.

 

Tag 3

Heute hatten Emir und Killian die Möglichkeit, an einer Veranstaltung junger portugiesischer Hörgeschädigter teilzunehmen. Diese Gruppe trifft sich nur 1 – 2 Mal pro Jahr und die Veranstaltung wurde extra für den Besuch von unseren CI-Scouts organisiert. Ein großes Dankeschön geht hier an Barbara von UPA, die dieses Treffen initiiert hat.

In einem wunderschönen Garten in Lissabon wurden Emir und Kilian von Barbara, die derzeit in London studiert, empfangen. Die Nervosität über mögliche Barrieren in der Kommunikation verflog schnell, denn mit der Zeit stießen immer mehr Leute zu dem Treffen und tauschten sich immer intensiver aus.

Dabei gab es mehrere Erkenntnisse: Da es in Portugal so wenige CI-Träger gibt, leidet die Vernetzung sehr und eine effektive Vereinsarbeit gestaltet sich als sehr schwierig, auch wenn die Motivation und das Engagement der CI-Träger sehr hoch sind. Die wohl interessantesten Themen waren für sie unsere Verbandsarbeit und -strukturen in Deutschland, unsere Schwerbehindertenausweise und das DCIG CI-Scouts-Projekt. Emir und Killian haben offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn alle Anwesenden wirkten sehr inspiriert von den Strukturen in Deutschland.

Das Treffen ging insgesamt über 7 Stunden! Nach dieser Fülle an Informationen waren Emir und Kilian am Abend fix und fertig und fielen in ihr wohlverdientes Bett.

 

Tag 4

Nach den ereignisreichen Tagen mussten alle gesammelten Informationen erst einmal verarbeitet und reflektiert werden. Alle Erkenntnisse wollen schließlich für die Tagung in München in den richtigen Kontext gesetzt und festgehalten werden.

Um die Energiespeicher nach der ersten Aufarbeitung wieder aufzufüllen, ließen Emir und Killian einen ruhigen Nachmittag am Strand im Westen von Lissabon folgen. Unter anderem durch das Fotografieren mit der Europaflagge kommen die CI-Scouts immer wieder mit anderen Strandbesuchern in interessante Gespräche über Hörschädigungen, was deutlich zeigt, dass Öffentlichkeitsarbeit nie endet, denn nur so verbessert sich die Situation! Am Strand macht sie aber offenbar besonders viel Spaß. 😉

Emir und Killian sagen aber, dass dabei nicht vergessen werden darf, dass wir dank der Europäischen Union so viele Privilegien genießen dürfen, die unsere Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit erleichtern.

 

Daher….

Europa braucht uns und wir brauchen Europa!

Europe needs us and we need Europe!

Evropa nás potřebuje a potřebujeme Evropu!

A Europa precisa de nós e nós precisamos da Europa!

 

Here we go – Willkommen in Schweden

0
Aug
23
CI-Scouts

Laura und Josy haben sich in offizieller DCIG CI-Scout Mission nach Schweden aufgemacht. Mit einem nordischen „Hej“ meldeten sie sich auf Facebook direkt aus der Hauptstadt Stockholm.

Bereits am zweiten Tag ihrer Reise stand das erste große Ereignis an: Ein Besuch in der Stockholmer Uniklinik bei der Sprachtherapeutin Elisabet und ihrem Team, die seit vielen Jahren mit CI-Kindern arbeiten, die zur Anpassung und zur Reha in die Uniklinik kommen. Die ersten wichtigen Erkenntnisse: So groß sind die Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland nicht. Medizinisch und schulisch liefen die Entwicklungen seit den 1980/90er Jahren weitestgehend parallel ab und heute ist eine beidseitige CI-Versorgung bei voller staatlicher Kostenübernahme der Standard.

Die Reise geht turbulent weiter zur HRF, einer schwedischen Organisation für Hörgeschädigte, bei der Laura und Josy den Editor des Magazins „Auris“ – der schwedischen Schwester unserer „Schnecke“ – Stefan treffen konnten.

Darauf folgte ein reger Austausch mit einigen Mitgliedern der „Unga Hörselskadade“, einer Organisation für junge Menschen mit Hörschädigung. Elida, Frida und Hanna, allesamt selber CI- bzw. Hörgeräteträgerinnen, berichteten uns aus ihrem Alltag und von ihren Erfahrungen in der schwedischen Gesellschaft und Bildungslandschaft. Wieder zeigen sich deutliche Parallelen, denn viele von den eigenen Erfahrungen, Entwicklungen und den Möglichkeiten decken sich mit unseren. Unterschiede zeigten sich hier eher im Detail. Während des Treffens wurde eines klar: Selbst die schwedische Gebärdensprache ähnelt der deutschen. So konnte problemlos ein Kaffee mit Milch in Gebärdensprache bestellt werden.

Ein Besuch im Stockholmer Vorort Kista ermöglichte Laura und Josy ein Treffen mit Agneta, Vorstandsmitglied des HRF und selbst CI-Trägerin. Was Laura und Josy sofort auffiel, war das gut ausgestattete Büro und die vielen hauptamtlichen Mitarbeiter der HRF, die den neunköpfigen, gewählten Vorstand bei seiner politischen und aufklärenden Arbeit unterstützten. Möglich wird das neben den staatlichen Mitteln durch die 25.000 (!) Mitglieder.

Agneta wartete mit tiefergehenden Informationen zur national agierenden HRF und mit konkreten Zahlen zur CI-Versorgung auf. So kommen auf 10 Millionen Einwohner ca. 3.600 CI-Träger. Auch ein paar politische Themen, wie z. B. das komplizierte System der Kostenübernahme, das große regionale Unterschiede aufweist, und die Schwierigkeit, im Erwachsenenalter ein zweites CI genehmigt zu bekommen, brennen ihr besonders unter den Nägeln.

Vielen Dank für die ersten aufschlussreichen Einblicke in das CI-Herz Schwedens.

Du willst nichts verpassen? Folge Laura und Josy auf Facebook – Es bleibt spannend.

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Deaf Youngsters Go Europe

0
Aug
2
CI-Scouts
Deaf Youngsters Go Europe

Im Juni haben sich die CI-Scouts der Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e.V. getroffen, bevor es bald auf Reisen geht. Denn wir wollen wissen: Wie steht es um Versorgung, Barrierefreiheit und Bildungschancen für Hörgeschädigte in unseren Nachbarländern? Ab Sommer 2019 reisen junge CI- und Hörgeräte-Träger in ein Land ihrer Wahl und recherchieren vor Ort, was es bedeutet, mit Hörschädigung im jeweiligen Land zu leben.


Mit freundlicher Unterstützung von

   CI-Scouts mit freundlicher Unterstützung von MED EL