Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Von im Fokus: Wir! zum Solo

0
Mrz
22
Katja
Bewegungen erfüllen den Raum. Ich bin ich und wir sind wir. Oder Ich im Wir? Diesmal ist keine Sprache hörbar im Raum, aber sie ist sichtbar. In den Bewegungen. Im Raum zwischen den Menschen. Arbeite an der Qualität deiner Bewegungen! Mache dir bewusst, dass ein und dieselbe deiner Bewegungen ganz unterschiedlich sein kann. Qualität – was ist Qualität? Mit welcher Qualität willst du die Bewegung ausfüllen? DU kannst es entscheiden. Ich kann es entscheiden? Ja, du hast es in der Hand. Es ist dein Tanz. Ja, aber Qualität hat doch was mit Leistung, mit Richtigsein zu tun? Ich muss leisten und das will ich hier nicht. Nein, das ist es nicht. Qualität kann auch Intention oder Ausprägung heißen. Das klingt so abstrakt.

Aber ich ahne, dass es was mit mir machen wird.

Aus einer Farbe entstehen Assoziationen, aus Assoziationen entstehen Klänge. Aber wir bleiben bei den Bewegungen. Ich kann ganz kleine Bewegungen machen, ganz schnelle, eher fließend der Melodie folgend, eher rhythmisch, dem Takt folgend. Phasen der Gruppen, Phasen des Alleinseins, Phasen des Durcheinanders, Phasen der Zielstrebigkeit. Und dann die Dynamik in der Gruppe einfach treiben lassen. Wir trauen uns ein Solo zu. Wir wissen, wir sind nicht allein. Getragen von der Gruppe wächst jeder einzelne über sich hinaus. Das ICH im Wir. Der Rückhalt, der uns mutig werden lässt.
Im Schonraum der Tanztangente geübt, verlassen wir nun unterm freiem Himmel unsere Komfortzone. Im botanischen Garten laufen andere Menschen um uns herum. Wir sind auf der Wiese, die nun fortan unser Reich sein wird.
Wo erst vielleicht Zweifel im Raum standen, wie soll das denn da draußen werden, entwickelte sich unbeschreibliches. Kaum hatte unsere Gruppe sich eingestimmt, unsere Anfangspositionen eingenommen, entfaltete die Natur ihre Kraft und spornte uns förmlich mit Sinneseindrücken an. Tanzend auf dem Boden, den Rasen in den Händen spüren, mit der Nase im frischen Gras versinken. Wir waren in unserem Element. Die Bäume drumherum werden mit einbezogen. Der Wind streicht um die Körper und gibt einen Impuls für eine Änderung der Qualität. Wir bleiben nicht länger an Ort und Stelle, sondern entdecken die Natur um uns herum und beziehen sie in unseren Tanz zur Farbe grün mit ein. Wir haben uns was getraut, was keiner zuvor dachte.

Nachklänge

Ich kann entscheiden, wie ich mit einer Situation umgehe. Ich kann entscheiden, welche Qualität diese Situation für mich haben soll. Auf einmal bin ich dem ganzen nicht mehr so ausgeliefert. Es ist eine Sache der Perspektive. Ich lausche auf meine Impulse, gehe einen Schritt zurück. Was spüre ich, was nehme ich wahr?  ich akzeptiere das was da ist. Und dann kann ich entscheiden, was ich davon ausleben möchte.
Am letzten Tag wo wir die Aufnahmen der Projekte realisieren, regnet es in Strömen. Der Rasen ist rutschig, es ist kühl. Es ist nicht die Komfortzone vom vorherigen Tag bei Sonnenschein. Aber gerade das holt eine Intensität aus jedem Einzelnen von uns heraus.
Ich kann entscheiden, ob ich den Satz: „ich MUSS immer alles akustisch verstehen“ als wahr betrachte. Oder ich lasse eine andere Qualität zur Geltung kommen: ich habe die Freiheit, auch ich darf mal nicht alles nicht verstehen 😉

Das Ich im Wir…

2
Okt
9
rannika

Wenn man früh morgens aus dem Bett aufsteht und das Pegel der Vorfreude immer weiter nach oben steigt, sobald man im Zug oder Auto sitzt, dann ist wieder klar, dass eine neue Blogwerkstatt vor der Tür steht. Das Ziel dieses Mal: Berlin, unsere Bundeshauptstadt und ein ganz heißes Pflaster was die Sache mit der Schwerhörigkeit anbelangt. Es standen fünf Tage an. Fünf Tage mit Gleichgesinnten zusammen zu sein: Das heißt sich auszutauschen über seine Erlebnisse im Alltag, sich gegenseitig Tipps und Ratschläge zu geben oder auch voneinander zu profitieren und zu lernen. Kurz gesagt, gelebte Selbsthilfe eben. Dann natürlich alte Gesichter wiedersehen und neue Gesichter kennenlernen; Spaß haben und tanzen.

Das Motto dieses Mal lautete: Tanztheater Level 2 – Du gehörst zum Wir! Es sollte eine Fortsetzung zur Blogwerkstatt 5 sein, welche in Kassel stattfand und auch das Thema Tanztheater hatte. Dort stand das WIR im Fokus. Dieses Mal in Berlin ging es um das ICH. Roman Windisch gab uns hierzu am ersten Tag folgende Frage mit auf den Weg, mit der wir uns die Tage über beschäftigten: Wer bist DU im WIR? und auch das wir ihm und uns selbst vertrauen sollen. Wohin das alles hinführen wird, wussten alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es ging in den fünf Tagen darum, aus uns herauszukommen, neue Bewegungen auszuprobieren. Sich selber spüren oder auch zu spüren was sich noch alles so in einem selbst versteckt, was bis dahin noch unentdeckt blieb. Wir arbeiteten in Kleingruppen. Dabei ging es darum, sich selbst zu finden und sich gleichzeitig mit der Kleingruppe auseinanderzusetzen, auf der Suche nach dem eigenen ICH. Die meiste Zeit waren wir in den Räumen der Tanztangente.

Doch nein, wir versteckten uns nicht. So machten wir uns zwei Mal auf den Weg, den Botanischen Garten zu besuchen. Dort vertieften wir unsere Choreographien weiter. Es waren für alle total neue Erfahrungen. Denn wer fängt plötzlich in der Öffentlichkeit einfach so an zu tanzen? Blicke der anderen Besucher und Besucherinnen des Botanischen Gartens waren somit vorprogrammiert. Doch wer am Anfang noch Sorge hatte, dass wir dabei bei unseren Bewegungen beobachten werden und am liebsten im Boden versunken wäre, wurde eines Besseren belehrt. Zumindest mir ging es so. Man ist so fokussiert auf sich selbst, da ist es ganz egal wo man gerade ist und wie man sich bewegt. Die Eindrücke der Umwelt werden zwar wahr genommen, wie beispielsweise der Wind, die Menschen, das Gras, der Himmel und die Erde oder auch das Wetter (das erste Mal traumhaft sonnig, das zweite Mal nasskalt und regnerisch), aber man wird Eins mit sich selbst. Man vergisst alles um sich rum, bis der Tanz zu Ende ist. Ganz nach dem Motto von Fred Astaire: „Tanzen ist Träumen mit den Füßen“.

Damit das Tanzen nicht zu einseitig wird für uns, wurden wir an einem Nachmittag mit dem Auftrag überrascht in 70 Minuten ein Musikvideo zu drehen, zum Lied „Die Fantastischen Vier – Zusammen feat Clueso“, das nicht geschnitten wird. Das bedeutete für alle Beteiligten volle Konzentration von Anfang bis zum Ende. Wir haben uns alle so sehr in unseren Auftrag gestürzt. Das Ergebnis ist der Hammer! Es war für uns alle sehr positiv und überraschend anzusehen, wie wandelbar wir sind.

Doch auch der Spaß sollte nicht zu kurz kommen. Das unbeschreibliche Gefühl der Gemeinschaft. Gruppenkuscheln. Wärme spüren. Berlin erleben. Die Zeit der Blogwerkstatt 7 fiel auf die Tage vor dem 3. Oktober. Der Feiertag für Deutschland und wir an dem Ort wo vor 28 Jahren Geschichte geschrieben wurde. Der Tag der deutschen Einheit und auch wir merkten, wir sind eine Einheit und trotzdem ICH. Eine Einheit deshalb, weil die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich anreisten. Die Tage vergingen wie im Flug und viel zu schnell mussten wir wieder voneinander Abschied nehmen. Aber das Gefühl und die Erlebnisse der letzten Tage lassen einen gestärkt in den Alltag zurückkehren.

 

 

ICH gehör zum WIR: Warum die Junge Selbsthilfe keine Eventagentur ist

3
Okt
8
laurahaertel

Ich geb´s ja zu: ich wollte einfach nur Skifahren. Die junge Selbsthilfe der DCIG bot eine „Blogwerkstatt im Schnee“ an, ich dachte mir „Skifahren – super und mit anderen Schwerhörigen ist es ja auch ein bisschen entspannter als unter Hörenden und was die da sonst noch so von Workshops labern… auch, da musst du dann halt auch durch.“ Ich hatte ja keine Ahnung!

Was ich bei der Blogwerkstatt erfahren habe, übertraf nicht nur meine Erwartungen, sondern auch meine Vorstellungskraft. Meine Erfahrungen mit Gruppen waren nie die besten gewesen. Zu groß die Anstrengungen unter lauter Hörenden, zu groß und andauernd der Kampf, nicht nur akzeptiert, sondern selbstverständlich Teil der Gruppe zu sein. Unter anderen Schwerhörigen ist das natürlich besser. Aber auf der Blogwerkstatt habe ich ein ganz neues Gruppengefühl kennengelernt, das von Vertrauen, bedingungsloser Akzeptanz, Wohlwollen und echten Interesse am Anderen geprägt ist. Man kann es eigentlich nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.

Kurz bevor ich das erste Mal nach St. Jakob fuhr, erschien die Ankündigung für die folgende Blogwerkstatt: Tanztheater in Kassel. Ich dachte mir „Soweit kommt es noch. Okay, fährst du jetzt mal mit zum Skifahren. Aber Tanztheater – nie im Leben!“ Kaum war ich wieder zu Hause, füllte ich das Anmeldeformular für Kassel aus. Denn inzwischen weiß ich: Es ist nicht wichtig, was wir machen. Wichtig ist, wie wir es machen. Das offizielle Programm, das tatsächlich oft wie eine einzige Party, oft aber auch nach harter Arbeit aussieht und beides auch ist, ist das eine. Aber das andere ist der inoffizielle Part, das „Drumherum“ – hier findet unheimlich viel statt. Die vielen intensiven Gespräche, der Erfahrungsaustausch, aber auch einfach die Art und Weise, miteinander umzugehen sowie das Gefühl, selbstverständlich dazuzugehören. Zusammen können wir über uns hinauswachsen und Dinge tun, die ich mich alleine nie getraut hätte: Im Bikini die Skipiste runterfahren oder auf der Alm vor aller Leute Augen Linedance tanzen, oder auf der Wiese im Park mitten in Berlin tanzen und dabei von außen betrachtet vermutlich ein bisschen wie bekiffte Hippies aussehen – all das ist nicht nur möglich, sondern fühlt sich auch noch verdammt gut an.

Jetzt sitze ich im Zug zurück nach Hause. Es fühlt sich komisch an, irgendwie leer und alleine, aber gelichzeitig emotional komplett erfüllt von der Zeit in Berlin. Die meisten von uns sind jetzt auf dem Weg zurück in die „hörende Welt“. Aber auch in dieser Welt spielt die Blogwerkstatt inzwischen eine sehr wichtige Rolle. Sie ist wie eine Kur, eine Kraftquelle, die ich von Zeit zu Zeit einfach brauche, um weitermachen zu können.

Ja, die Blogwerkstatt ist jedes Mal ein riesiges Event. Aber sie ist viel mehr als das. Wir können zwischen Workshops, intensiver Gruppenarbeit, Sport, tiefsinnigen Gesprächen (für die andere Leute einen teuren Psychologen bezahlen) und rauschenden Partys hin- und herwechseln, und das oft übergangslos. Zusammen mit dem einmaligen WIR-Gefühl entsteht so das Blogwerkstattfeeling – und das ist reine Selbsthilfe.

 

Gefühlswelt auf der Bühne

2
Nov
18
Katja

Improvisation – selbst mit dabei

Zwei Menschen sitzen auf dem Boden, Rücken an Rücken. Sie können sich nicht sehen, nur spüren. „Für einen kurzen Moment Zärtlichkeit.“ „Wo?“ „Am Rücken.“ „Es ist warm.“ Stille im Raum. Beide spüren nach, was sie fühlen. Doch plötzlich: „ Es ist mir zu viel! Ich habe Angst.“ Sie wendet sich von ihrem Gegenüber ab und entfernt sich. Es fällt schwer, den plötzlichen Abstand auszuhalten. Sie sitzen sich gegenüber auf dem Boden und schaffen es nicht, sich in die Augen zu schauen. „Es ist kalt hier.“ Die Hände tasten sich langsam vor und wandern über den Boden auf einander zu – ganz langsam. Es wird wärmer. Die Hände finden zueinander, die Arme berühren sich. „Spürst du es auch?“ „Ja, es wird wärmer!“ Sie umarmen sich und kommen zur Ruhe.

Improvisation – auf der Bühne

Eine Person steht auf der Bühne. Zwei Personen kommen dazu und sprechen sie an. „Deine Haare sind kürzer als meine. Und sie sind heller.“ Die Person bekommt Angst, ist verunsichert und verwirrt. Die zweite Person sagt: „Und dein Haar länger als meins und sie sind dunkler.“
Nein, das ist nicht wahr. Sie versucht sich zu verteidigen. „Aber sie sind heller als ihre.“ Sie zeigt auf die andere Person.
„Du bist anders als wir.“
„Nein.“
Doch und beide zugleich: „Anders!“
„ANdersANDersANDErsANDERs ANDERS!“ Sie wird kleiner. „Nein!“ Die Person sackt zu Boden. Sie kauert sich zusammen. Die anderen beiden umringen sie, zeigen auf sie und werden immer lauter.
Auch ich sacke zusammen, doch dabei stehe ich nur am Rand, nur als Zuschauer. Doch trifft mich diese Szene aus unserem Tanztheater mitten im Herz, das dröhnende ANDERS klingt nach in den Ohren. Und doch bin ich selbst nicht in dieser Situation, ich bin nur ein Zuschauer. Ich sehe etwas, was in mir eingeschlossen war. Das Erlebte wird aus den Untiefen herausgeholt, freigelassen, ohne dass ich selbst es noch einmal erlebe. Ich kann geschützt die Szene betrachten, denn es ist „nur“ ein Schauspiel. Ich kann etwas sehen, ich sehe es auf der Bühne, es ist nicht länger nur ein Gefühl im Bauch. Es wurde in Worte gefasst, dargestellt und ich kann der Vogel sein, der die Situation aus einem sicheren Abstand betrachtet.

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“

Rückblick – vor meiner ersten Blogwerkstatt:

Ich besuche eine Familie mit einem kleinen Kind. Wir sitzen zusammen bei Kuchen und Tee. Die Kleine möchte mit mir Memory spielen. Dem Papa  fällt ein, dass die Schwester Geburtstag hat, schnappt sich sein Tablet und schaltet Skype ein. „Hallo! Happy Birthday to you!“ Die Kleine rennt hin und singt mit. Dann fangen sie ein Gespräch an, die Kleine kommt zu mir zurück und wir spielen weiter Memory. Wir lassen uns dabei nicht ablenken. Doch plötzlich klingt ein schallendes Gelächter zu uns und die anderen im Raum lachen mit, nur wir zwei nicht. Ich und die Kleine. Ich denke: Hmm. Jetzt lachen alle und du hast den Witz nicht verstanden… Naja. Doch dann fange ich den Blick der Kleinen auf, sie schaut traurig, sie hat auch nichts verstanden und wendet sich aber dem Spiel wieder zu. Sie hat auch ein CI. Die Mama merkt unseren Gemütszustand und erklärt uns beiden den Witz. In Gedanken habe ich die Kleine umarmt und gleichzeitig habe ich irgendwie auch das Kind in mir getröstet und umarmt. Ja, sie und ich sind nicht allein.

Jetzt weiß ich es nicht nur, sondern habe dieses Gemeinschaftsgefühl wieder einmal mit noch mehr Taubsis erlebt:

„Wir sind gleich, denn wir sind alle anders.“ Wir sind nicht länger allein.

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Knotenlöser

1
Nov
5
Katja

Emotionen mit dem Körper erleben und sichtbar werden lassen. Tanztheater. Singen, auch wenn wir glauben, nicht singen zu können. Theatertanz. Die Macht der Stimmen ziehen mit, lassen Gänsehaut die Arme hochwandern. Tanztheater. Alle tanzen gemeinsam, alle schauen in den Spiegel. Theatertanz. Und doch ist auch Zeit, für sich alleine. Bewegung fließen lassen, hören wie ich atme, völlig frei ohne Blockaden und ohne sich komisch zu fühlen, jeder ganz bei sich selbst und dann fällt es mir leichter. Tanz.

Nicht nachdenken, welche Bewegung ich als nächstes mache, sondern einfach dem Körper freien Lauf lassen. Und plötzlich traue ich mich, plötzlich entweicht meinen Lippen ein Ton und ja, ich höre mich selbst. Wir hören uns selbst. Ich schaue den anderen an, fange Bewegungen von ihm auf, überwinde mich, lasse mich auf ihn ein. Ein ganz feines Beobachten, um jede Chance zu ergreifen. Kein Suchen nach Chancen, sondern ein Wahrnehmen von ihnen. Es fühlt sich gut an und auf einmal bin ich überrascht. Da, da kommt die nächste Bewegung, sie bahnt sich an. Ausprobieren, es gucken alle…

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Ein Vertrauen schwebt in der Luft, wir sind getragen und geborgen. Gegenseitiger Respekt stärkt uns und lässt uns wachsen.

Hier eine Ecke des Tanzraumes, die entdeckt werden will, dort ein ganzer Raum, wir ziehen Kreise, laufen Schulter an Schulter, berühren uns, kommen uns näher, da entsteht etwas, da bewegt sich etwas, da rührt sich was. Und das nicht nur einmal im Raum, nein, die Begegnungen entstehen immer wieder neu und immer wieder mit anderen Menschen aus der Gruppe. Ein Blick wird aufgefangen, die Augen sagen Ja, die Körper nähern sich, steigen übereinander, Rücken an Rücken, ist der Boden oben oder unten? Ja, ich vertraue.

… und doch schaut keiner, denn ich bin bei mir.

Man verliert das Gefühl für Raum und Zeit. Ich bin ich. Im Hier und jetzt. Eine Atmosphäre, in der man sich traut zu sein, in der alle sind und ich bin. Wo ich mich in dem Moment verliere, wo ich mich meinen Ängsten stelle und mich konfrontiere. Ein Trommeln der Hände macht die Musik. Die eine Hälfte gibt den Rhythmus vor, wir lauschen, folgen und vertrauen Gruppe. Niemand weißt was in fünf Minuten sein wird, einfach treiben lassen und das aktiv, nicht das Ergebnis zählt, sondern das Gefühl und die Momente, die dabei entstehen.

Fokus gibt Intensität.

Pausen zum richtigen Zeitpunkt verändern den Klang. Sätze in Sprechchören erfüllen den Raum, Bewegungen unterstreichen das Gesagte, lassen es authentisch wirken. Die Stimmen tragen und stärken und plötzlich ist da Gänsehaut.

Aus einem Satz, der auf Papier steht, wird ein gesprochenes Wort, aus dem Wort ein Satz, aus dem Satz eine Betonung, aus der Betonung eine Bedeutung und plötzlich ist er da. Da Satz mit Leben gefüllt, nicht länger nur schwarze Tinte, sondern ein Klang mit Gefühl. Deine Welt, dein Zugang zum Gegenüber. Ein Aktionsraum nimmt Form an, er wird lebendig und füllt die Erinnerung.

Das DU gehört zum WIR!

 

Wo ist der rote Faden?

4
Nov
3
madeleine

Jeder von uns hat mit Sicherheit in Gesprächen oder Vorträgen schon einmal den “Faden verloren”, oder?

Doch hatte ich ihn überhaupt schon gefunden ? 

Diese Frage nahm ich aus Kassel, der 5. Blogwerkstatt mit nach Hause. Seit ich im August 2016 bei der 3. Blogwerkstatt, das erste Mal auf andere Hörgeschädigte in meinem Alter traf, versuche ich das Erlebte in Worte zu fassen, was mir bisher nicht wirklich gelang – zu intensiv waren und sind die Gefühle dabei. Zu Hause lebe ich in einem komplett “guthörenden” Umfeld. Natürlich bringen meine Freunde und die Familie Geduld und Verständnis für mich auf, dennoch fühle ich mich oft nicht wirklich verstanden.

“Gut gemeinte Ratschläge”

Ich müsse “einfach mehr üben”, “mein Hörgerät lauter stellen” oder mal wieder zur CI Einstellung gehen. Solche und ähnliche Aussagen beantworte ich zwar meistens mit einem Lächeln, empfinde sie aber häufig trotzdem als verletzend. Dem entsprechend ruhig und zurückhaltend war ich als ich damals in Diez (#BW3) ankam. Zu schlecht waren meine Erfahrungen in fremden Gruppen. Doch das änderte sich schnell. Jeder wurde herzlich aufgenommen, begrüßt und umarmt. Ein Umfeld in dem man sich auf Anhieb wohl fühlte.

Die 5 Tage vergingen wie im Flug. Zu Hause angekommen war ich noch tagelang überwältigt von den vielen Eindrücken und Emotionen der vergangenen Tage. Doch eines war bereits klar: “Ich komme wieder”.

Blogwerkstatt 4 – Spaß im Schnee 

Als Ski-Anfänger stellte ich mich der Herausforderung in St. Jakob, Osttirol (#BW4). 230 Tage warten hatte nun endlich ein Ende. Schnell war es wieder da, dieses Blogwerkstatt-Feeling”, das ich nicht wirklich beschreiben kann, aber so vermisst hatte. Eine Woche verbrachten wir gemeinsam in Österreich und wieder zeigte sich, was für eine tolle Gemeinschaft wir sind. Denn egal ob Anfänger oder Profi, jeder half jedem und der Spaß stand im Vordergrund. Selbstverständlich, dass ich nach all diesen Erlebnissen auch in Kassel bei der #BW5 wieder dabei sein wollte.

Diesesmal ging es beim Tanztheater sehr ruhig und gefühlvoll zu. Als Hörgeschädigter mit der eigenen Stimme zu arbeiten, ist mir und anderen anfangs sicherlich nicht leicht gefallen. Doch auch hier zeigte sich die Stärke in der Gruppe. Zusammen erzeugten wir einen fantastischen Klangteppich, der Gänsehaut entstehen ließ.

Der Weg ist das Ziel..

Es scheint, dass ich den roten Faden wohl gefunden habe – in der Gemeinschaft und im Kontakt unter Gleichgesinnten.

WIR sind der rote Faden !!

#wirsindallegleich #Focus #Gegensätze #roterFaden #ichdankeeuchallen #dcig #deafohralive

DCIG Blogwerkstatt 5 – seid ihr dabei?

5

Junge Selbsthilfe: Im Fokus: Wir!

Tanztheater für hörgeschädigte Menschen

28. Oktober – 01. November 2017 | Jugendherberge Kassel (Schenkendorfstraße)
Du hast Spaß an Bewegung und Musik? Du hast Ideen und möchtest sie im künstlerischen Ausdruck umsetzen? Du hast Lust, Geschichten zu erfinden und Dich darin auszudrücken? Du möchtest gerne mit Dir und anderen Grenzen ausloten und auch überschreiten? Du bist offen für das, was sich in der Gruppe ergibt?

Dann bist Du hier genau richtig. Wir möchten mit Euch musikalische und tänzerische  Möglichkeiten entdecken. Wir möchten mit Euch gemeinsam Szenen erarbeiten, die Eure Bilder, Phantasien, Träume, Wünsche, Erlebnisse tänzerisch und musikalisch ausdrücken. Wir möchten mit Euch Euer eigenes Tanztheaterprojekt entwickeln. Elemente aus Tanz und Musik sind Mittel um Ausgangspunkte zu schaffen und Geschichten zu erzählen.
Was entsteht, entsteht aus der Phantasie der Akteure und ihrem Spiel mit den Mitteln aus Musik, Stimme, Bewegung, Begegnung. Ästhetik und Ausdruck stehen im Einklang mit dem Geschehen und nehmen Akteure und Zuschauer mit.
Wir arbeiten mit dem Staatstheater Kassel zusammen, das sich schon bei unserer ersten Anfrage von unserer Idee in den Bann ziehen ließ. Für unsere Arbeit stehen uns die Probebühnen dort zur Verfügung, und wir lernen professionellen Tänzer der Tanzkompanie des Theaters kennen.

Voraussetzung: Offenheit, Lust an der gemeinsamen Arbeit, Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen.
Keine musikalischen oder tänzerischen Vorkenntnisse erforderlich!