Deaf Ohr Alive - Die Blog-Cummunity der DCIG

Von im Fokus: Wir! zum Solo

0
Mrz
22
Katja
Bewegungen erfüllen den Raum. Ich bin ich und wir sind wir. Oder Ich im Wir? Diesmal ist keine Sprache hörbar im Raum, aber sie ist sichtbar. In den Bewegungen. Im Raum zwischen den Menschen. Arbeite an der Qualität deiner Bewegungen! Mache dir bewusst, dass ein und dieselbe deiner Bewegungen ganz unterschiedlich sein kann. Qualität – was ist Qualität? Mit welcher Qualität willst du die Bewegung ausfüllen? DU kannst es entscheiden. Ich kann es entscheiden? Ja, du hast es in der Hand. Es ist dein Tanz. Ja, aber Qualität hat doch was mit Leistung, mit Richtigsein zu tun? Ich muss leisten und das will ich hier nicht. Nein, das ist es nicht. Qualität kann auch Intention oder Ausprägung heißen. Das klingt so abstrakt.

Aber ich ahne, dass es was mit mir machen wird.

Aus einer Farbe entstehen Assoziationen, aus Assoziationen entstehen Klänge. Aber wir bleiben bei den Bewegungen. Ich kann ganz kleine Bewegungen machen, ganz schnelle, eher fließend der Melodie folgend, eher rhythmisch, dem Takt folgend. Phasen der Gruppen, Phasen des Alleinseins, Phasen des Durcheinanders, Phasen der Zielstrebigkeit. Und dann die Dynamik in der Gruppe einfach treiben lassen. Wir trauen uns ein Solo zu. Wir wissen, wir sind nicht allein. Getragen von der Gruppe wächst jeder einzelne über sich hinaus. Das ICH im Wir. Der Rückhalt, der uns mutig werden lässt.
Im Schonraum der Tanztangente geübt, verlassen wir nun unterm freiem Himmel unsere Komfortzone. Im botanischen Garten laufen andere Menschen um uns herum. Wir sind auf der Wiese, die nun fortan unser Reich sein wird.
Wo erst vielleicht Zweifel im Raum standen, wie soll das denn da draußen werden, entwickelte sich unbeschreibliches. Kaum hatte unsere Gruppe sich eingestimmt, unsere Anfangspositionen eingenommen, entfaltete die Natur ihre Kraft und spornte uns förmlich mit Sinneseindrücken an. Tanzend auf dem Boden, den Rasen in den Händen spüren, mit der Nase im frischen Gras versinken. Wir waren in unserem Element. Die Bäume drumherum werden mit einbezogen. Der Wind streicht um die Körper und gibt einen Impuls für eine Änderung der Qualität. Wir bleiben nicht länger an Ort und Stelle, sondern entdecken die Natur um uns herum und beziehen sie in unseren Tanz zur Farbe grün mit ein. Wir haben uns was getraut, was keiner zuvor dachte.

Nachklänge

Ich kann entscheiden, wie ich mit einer Situation umgehe. Ich kann entscheiden, welche Qualität diese Situation für mich haben soll. Auf einmal bin ich dem ganzen nicht mehr so ausgeliefert. Es ist eine Sache der Perspektive. Ich lausche auf meine Impulse, gehe einen Schritt zurück. Was spüre ich, was nehme ich wahr?  ich akzeptiere das was da ist. Und dann kann ich entscheiden, was ich davon ausleben möchte.
Am letzten Tag wo wir die Aufnahmen der Projekte realisieren, regnet es in Strömen. Der Rasen ist rutschig, es ist kühl. Es ist nicht die Komfortzone vom vorherigen Tag bei Sonnenschein. Aber gerade das holt eine Intensität aus jedem Einzelnen von uns heraus.
Ich kann entscheiden, ob ich den Satz: „ich MUSS immer alles akustisch verstehen“ als wahr betrachte. Oder ich lasse eine andere Qualität zur Geltung kommen: ich habe die Freiheit, auch ich darf mal nicht alles nicht verstehen 😉
Wir können mit dem Herzen mehr hören, als manch Guthörender hören kann

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